Olympia

Olympia: Kuntz & Co mit Stellungnahme nach Rassismus-Vorfall

DFB-Olympioniken hatten Platz sofort verlassen

"Das können wir nicht dulden": Kuntz & Co. nach Rassismus-Vorfall mit klarer Botschaft

Stefan Kuntz äußerte sich nach dem Rassismus-Eklat um sein Team.

Stefan Kuntz äußerte sich nach dem Rassismus-Eklat um sein Team. AFP via Getty Images

Der Test gegen Honduras wird der DFB-Auswahl vor dem Start der Olympischen Spiele in Tokio in Erinnerung bleiben. Wenn auch nicht in guter. Kurz vor Schluss, gerade nachdem Felix Uduokhai den 1:1-Ausgleich im japanischen Wakayama erzielt hatte, sah sich das Kuntz-Team dazu gezwungen, geschlossen das Feld zu verlassen. 

Denn Innenverteidiger Jordan Torunarigha war laut DFB rassistisch beleidigt worden. Leider nicht zum ersten Mal traf es bei der unschönen Szene den Hertha-Profi. Doch wie war es überhaupt dazu gekommen?

Kuntz fragte Torunarigha bereits zuvor - wenig später hat sich dieser "furchtbar aufgeregt"

"Im dritten Drittel" - die Partie verlief über 3x30 Minuten - hatte der 58-jährige Coach seinen Verteidiger bereits gefragt, "ob alles ok ist", wie er auf der anschließenden Medienrunde preisgab. Zu diesem Zeitpunkt habe es vom Hertha-Defensivmann noch den Daumen nach oben gegeben. 

"Fünf Minuten vor Ende der Partie kam es hinten zu einem Gerangel. Ich habe dann die Mimik und Gestik von Jordan gesehen - daher bin ich gleich von meiner Trainerbank rüber gelaufen", fuhr Kuntz fort. "Er war kaum einzukriegen, hat sich furchtbar aufgeregt - weil er gesagt hat, dass er wiederholt rassistisch beleidigt wurde." Innerhalb kürzester Zeit sei den Beteiligten daraufhin klargeworden: "Das verletzt unsere Werte, das können wir auch nicht dulden, wir nehmen da unseren Spieler komplett in Schutz. Dann haben wir uns dazu entschlossen, vom Platz runterzugehen und haben das dem Schiedsrichter und Gegner mitgeteilt."

Das ist der deutsche Kader für das olympische Fußballturnier

Mit etwas Abstand bezeichnete Kuntz die Aktion als "einfach klasse". Zwar sei eine Entschuldigung von Seiten Honduras erfolgt, diese habe aber keinen Einfluss auf die Entscheidung seiner Mannschaft gehabt. Aber: "Das Thema war für uns damit gegessen."

Torunarigha selbst soll dabei den entscheidenden Impuls gegeben haben. "Jordan hat gesagt: 'Nein' - das war ein starkes Statement und damit wollen wir das Thema auch beenden." Schließlich sei laut Kuntz das Sportliche und die kommenden Olympischen Spiele im Fokus.

Arnold wird Kapitän der Olympia-Auswahl

Dort, bei den Olympischen Spielen, wird Wolfsburgs Maximilian Arnold die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen. Das bestätigte Kuntz. Der Mittelfeldspieler selbst war bei den Vorfällen um Torunarigha zwar nur auf der Bank gesessen und habe daher wenig mitbekommen, doch auch er sprach von einem "richtigen Statement", das nach "Jordans Willen" nicht vertieft wurde.

Man kann da nicht einfach weiterspielen und das durchwinken.

David Raum

Bei FUMS sprach auch Teamkollege David Raum über den Eklat. "Das ist Wahnsinn, das sowas heute noch passiert", begann er, um fortzuführen: "Es hat in dem Moment mal wieder Jordan erwischt. Das ist uns dann direkt aufgefallen, weil er sich aufgeregt hat über die Situation. Die Spieler, die auf dem Platz waren, sind aber direkt zu ihm. Dann hat es auch so langsam die Bank mitgekriegt - und dann war es eben unser Statement, geschlossen als Team vom Platz zu gehen."

Raum sprach weiter von der Wichtigkeit und Richtigkeit des Statements, denn "so geht das nicht weiter. Man kann da nicht einfach weiterspielen und das durchwinken. Von dem her haben wir gesagt: alle runter!"

Kuntz nach "Missverständnis"-Gerede von Honduras verärgert

In dieselbe Kerbe schlug letzten Endes auch Trainer Kuntz . Die Spieler auf dem Platz seien sofort auf den Herthaner Torunarigha zugegangen und hätten ihn getröstet, schließlich sei der Verteidiger zunächst "sehr aufgelöst" gewesen. Sowohl seine Mannschaft als auch der Betroffene hätten am Ende des Tages ein "sehr, sehr gutes Verhalten" an den Tag gelegt und richtig entschieden. Anders als Honduras.

Der für Kuntz "nicht zu unterschätzende, starke Gegner", der bereits länger vor Ort in Japan und schlicht eingespielt sei (ganz im Gegensatz zu seinem Team, dass in den Augen des Trainers dennoch gut gespielt hatte), schrieb nach der Entschuldigung am Platz auf Twitter von einem "Missverständnis auf dem Spielfeld". Kuntz' vielsagende Antwort dazu: "Wenn ich früher mit einer sechs nach Hause kam, habe ich auch zu meiner Mutter gesagt: das war ein Missverständnis zwischen der Lehrerin und mir - ich lasse das besser unkommentiert."

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mje