Bundesliga

Kommentar: Das Kind in Aubameyang - Bosz blieb keine Wahl

Kommentar von kicker-Redakteur Matthias Dersch

Das Kind in Aubameyang: Bosz blieb keine Wahl

Mal wieder total daneben: Dortmunds Trainer Peter Bosz und sein bisweilen schwieriger Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang.

Mal wieder total daneben: Dortmunds Trainer Peter Bosz und sein bisweilen schwieriger Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang. imago

Ein Jahr nach seiner Suspendierung für das Spiel gegen Lissabon muss Pierre-Emerick Aubameyang aus disziplinarischen Gründen erneut bei einem BVB-Spiel zusehen. Der Torjäger hat unter Peter Bosz lange Narrenfreiheit genossen, vielleicht sogar zu lange. Jetzt hatte der BVB-Trainer keine andere Wahl mehr, als Autorität zu zeigen. Denn der Stürmer hat die Ziele des Klubs torpediert.

Mit Erwachsenen, die im Herzen und manchmal auch im Kopf irgendwie Kind geblieben sind, ist es mitunter schwierig. Erst recht, wenn sie eine so außerordentliche Stellung einnehmen, wie es Pierre-Emerick Aubameyang bei Borussia Dortmund tut. Der Stürmer ist an guten Tagen so etwas wie die Lebensversicherung des BVB. Dann trifft er nach Belieben, so dass es verhältnismäßig leichtfällt, ihm die eine oder andere Flause durchgehen zu lassen. Und doch hätte es auch zu Saisonbeginn bereits nicht geschadet, wenn sein wiederholtes Zuspätkommen zum Training deutlich angesprochen und auch sanktioniert worden wäre.

Peter Bosz allerdings ließ seinen zuweilen exzentrischen Stürmer an der langen Leine – und der zahlte es zunächst mit 15 Toren in den ersten Saisonwochen zurück. Doch seit seinem Doppelpack gegen Leipzig Mitte Oktober steckt Aubameyang in der Krise. Er trifft nicht mehr, arbeitet defensiv nur halbherzig mit und gefährdet so den Teamerfolg. Erst recht, wenn er an seinen Undiszipliniertheiten festhält, anstatt auszustrahlen, seine Formschwäche mit aller Konzentration beheben zu wollen.

Zum Abschlusstraining vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel in Stuttgart kam Aubameyang nach kicker-Informationen mehr als eine halbe Stunde zu spät. Er ließ Bosz keine andere Wahl mehr. Der BVB-Trainer musste ihn spätestens jetzt bestrafen, um Autorität zu zeigen. Denn es hätte für Aubameyang keinen unpassenderen Zeitpunkt geben können, um wieder einmal zu spät zu kommen.

kicker-Redakteur Matthias Dersch

kicker-Redakteur Matthias Dersch

Seit der 2:3-Niederlage gegen Leipzig wartet der BVB auf einen Bundesliga-Sieg, in diesem Zeitraum ist er von Rang 1 auf Rang 3 gefallen und hat einen beachtlichen Vorsprung auf den mittlerweile auf sechs Punkte enteilten FC Bayern verspielt. In der Champions League steht man vor dem Aus, selbst Gruppenrang drei und damit die Qualifikation für die Europa League ist in Gefahr. Durch Ruhe und entschlossenes Arbeiten wollte der BVB in der zurückliegenden Länderspiel-Unterbrechung den Negativtrend stoppen, um vor der Mitglieder- und der Aktionärsversammlung Ende November gute Ergebnisse in Stuttgart, gegen Tottenham und vor allem auch im Derby gegen Schalke einzufahren.

Dieses Vorhaben hat Aubameyang durch sein erneutes Zuspätkommen torpediert. Die Ruhe ist dahin, vor dem Spiel am Freitag wird sich alles nur um den Stürmer und seine Disziplinlosigkeit drehen. Als Führungsspieler, der bereits mehrfach die Kapitänsbinde am Arm tragen durfte, darf man sich so etwas nicht erlauben. Kind im Kopf hin, Kind im Kopf her.

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