Int. Fußball

Das Beben bei Juventus Turin: Fragen und Antworten

Agnelli hinterlässt Chaos

Das Juve-Beben und die Folgen: Fragen und Antworten

Vor allem seit dem Super-League-Vorstoß ein Feindbild vieler Fußballfans: Andrea Agnelli, nun Ex-Präsident von Juventus Turin. 

Vor allem seit dem Super-League-Vorstoß ein Feindbild vieler Fußballfans: Andrea Agnelli, nun Ex-Präsident von Juventus Turin.  AFP via Getty Images

Die Aktie stürzte am Dienstag ab und ist nur noch wenige Cent wert, "La Rivoluzione", titelte die "Gazzetta dello Sport": Bei Juventus Turin ist gerade eine Ära zu Ende gegangen - weil der Druck zu groß wurde. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Chaos bei der "Alten Dame".

Was ist passiert?

Am Montagabend überraschte Juventus Turin mit der Mitteilung, dass der gesamte Vorstand um Präsident Andrea Agnelli und Vize-Präsident Pavel Nedved zurückgetreten ist. Agnelli, der seit zwölf Jahren im Amt war, hinterlässt einen Trümmerhaufen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr häufte der italienische Rekordmeister einen Verlust in Höhe von 254 Millionen Euro an, dazu kommen delikate Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. 16 Angeklagten droht ein Prozess, darunter auch Agnelli und Nedved. "Wir erleben einen heiklen Moment, der Zusammenhalt hat versagt", schreibt Agnelli in seiner langen Rücktrittserklärung.

Was wird Agnelli & Co. vorgeworfen?

Ende Oktober hatte die Turiner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen mutmaßlicher Bilanzfälschung und Unregelmäßigkeiten bei Spielertransfers abgeschlossen. Konkret steht im Raum, dass die Juve-Führung den 23 Spielern, die während der Corona-Pandemie einem viermonatigen Gehaltsverzicht mit einem Gesamtvolumen von 90 Millionen Euro zugestimmt hatten, drei dieser Monatsgehälter "schwarz" gezahlt haben soll.

Wie geht es bei Juventus jetzt weiter?

Passenderweise soll ein Wirtschaftsprüfer die Geschicke bei Juve übernehmen. Excor, die Holding-Gesellschaft der Agnelli-Familie, hat Gianluca Ferrero als Agnelli-Nachfolger vorgeschlagen, weil dieser "über eine solide Erfahrung und technische Kompetenz sowie eine echte Leidenschaft für die Bianconeri" verfüge. Neuer CEO ist Maurizio Scanavino, der Geschäftsführer der Verlagsgruppe GEDI, die ebenfalls zum Agnelli-Imperium gehört. Klar ist also: Juventus bleibt in Agnelli-Hand, wenn auch nicht in Andreas. Am 18. Januar treffen sich die Aktionäre. Das Treffen wurde bereits zweimal verschoben.

Was wird aus den Super-League-Plänen?

Das ist noch ungewiss. Agnelli war bis zuletzt einer der größten Verfechter der Idee, an deren Umsetzung nach dem krachenden Scheitern der ersten Version im Frühjahr 2021 derzeit aufs Neue gearbeitet wird. Schon damals schien offensichtlich, dass Juve vor allem wegen der eigenen finanziellen Schieflage eine milliardenschwere Super League herbeisehnt. Wegen Agnellis Position hatte auch sein einstiger Freund Aleksander Ceferin mit ihm gebrochen. "In meinen Augen existiert dieser Mann nicht mehr", hatte der UEFA-Präsident erklärt, der Patenonkel einer Agnelli-Tochter ist. Die Ereignisse vom Montagabend dürfte er nicht ohne Genugtuung zur Kenntnis genommen haben.

jpe, sid