Bundesliga

"Geheimnis seines Erfolgs": Ruhnert geht unter Buchautoren

Union-Sportvorstand lässt seine Zukunft offen

"Das Geheimnis seines Erfolgs": Ruhnert geht unter die Buchautoren

Oliver Ruhnert bei seiner Buchvorstellung in Iserlohn.

Oliver Ruhnert bei seiner Buchvorstellung in Iserlohn. Thomas Hennecke

Es steht lange auf des Messers Schneide, ob Oliver Ruhnert am Montagabend in den Saalbau Letmathe (ein Stadtteil Iserlohns) kommen kann. Eine Infektion plagt ihn, erst 24 Stunden vor der Veranstaltung klingt sie ab, als er am Ende des Abends Bücher signiert, trägt er vorsichtshalber noch einen Mundschutz.

Im Berliner Eulenspiegel-Verlag ist das 200-Seiten-Werk erschienen, das Ruhnert gemeinsam mit seinem Co-Autor Helge Meves verfasste. Zwischen Idee und Veröffentlichung lagen mehr als zweieinhalb Jahre - und leidenschaftliche Diskussionen über den Titel des Buches. "Das Geheimnis seines Erfolgs", vom Verlag vorgeschlagen, schmeckt Ruhnert zunächst gar nicht. "Das mache ich nicht, auf keinen Fall", sagt er, das ist ihm zu dick aufgetragen. "Das ist nicht mein Erfolg, sondern ein gemeinsames Projekt. Natürlich habe ich als Manager einen Anteil daran, aber eben nicht allein."

Solange er das erzählt, bin ich beruhigt.

Oliver Ruhnert über Dietmar Hamann

Als er das Projekt in Angriff nimmt, gehört Union Berlin gerade ein Jahr der Bundesliga an. Dass die Eisernen sich schon bald für europäische Wettbewerbe qualifizieren, erst für die Conference, dann für die Europa League, ahnt niemand. Ruhnert am allerwenigsten. Innerlich rebelliert er gegen den Titel: "Du fängst an zu schreiben, und wenn das Buch draußen ist, spielst du wieder in der 2. Liga?" Doch dieses Szenario ist längst weiter weg denn je, Union überwintert auf Platz 5 und straft den Sky-Experten Dietmar Hamann eindrucksvoll Lügen. Wieder einmal. "Hamann", sagt Ruhnert, "erzählt seit vier Jahren: Jetzt ist Union dran." Dran mit dem Abstieg. "Solange er das erzählt, bin ich beruhigt", lacht Ruhnert, und seine Zuhörer, darunter zwei mit Union-Schal, lachen mit.

Ruhnerts Vergangenheit wird lebendig aufgearbeitet

Das Buch charakterisiert Ruhnert als "Hans Dampf in allen Gassen" - als Sportmanager, als Fraktionsvorsitzenden der Linken im Iserlohner Stadtrat, als Schiedsrichter in der Kreisliga und als ehemaligen Trainer. Co-Autor Meves reizte die Zusammenarbeit mit Ruhnert, "weil er so viele verschiedene Seiten hat". Um auch jeden Winkel dieser Persönlichkeit auszuleuchten, treten Weggefährten Ruhnerts (wie Norbert Elgert, Helmut Schulte oder Urs Fischer) in insgesamt 13 Interviews als Zeitzeugen auf. So wird die Vergangenheit Ruhnerts lebendig aufgearbeitet.

Brauchst du das ewig? Den ganzen Zirkus? Wie lange willst du das noch machen?

Oliver Ruhnert

Was seine Zukunft angeht, hält sich Ruhnert alle Türen offen. Schon im Oktober in einer großen kicker-Reportage lässt er durchblicken, dass er die Tätigkeit bei Union Berlin als zeitlich begrenzte Aufgabe betrachtet. In Iserlohn spinnt er diesen Faden weiter und gewährt Einblick in seine Überlegungen: "Brauchst du das ewig? Den ganzen Zirkus? Wie lange willst du das noch machen?" Eine abschließende Meinung hat er sich offenbar noch nicht gebildet. Es könne durchaus sein, dass er noch einmal etwas anderes mache, verrät er, "ich schließe nichts aus". Und fügt noch hinzu: "Ich muss nicht zwingend etwas anderes machen."

Grote als Voraussetzung für eine Schalke-Rückkehr

Ob dieses "etwas andere" noch einmal Schalke sein kann, wo er als Nachwuchschef segensreich wirkte, bis es unter Christian Heidel zum Bruch kam? Ja, versichert Ruhnert, aber dazu muss erst sein Freund Charly Grote den Vorsitz bei den Königsblauen übernehmen. Davon träumt der leidenschaftliche Schalke-Fan, Bäckermeister mit knapp zwei Dutzend Filialen und Boss des Sauerland-Landesligisten TuS Langenholthausen, seit seiner Kindheit: "Ich werde Präsident, und du begleitest mich dahin. Ich brauche einen, der vom Fußball Ahnung hat."

Ruhnert wieder auf Schalke - dem Publikum im Letmather Saalbau gefiel diese (nicht ganz ernst gemeinte) Idee…

Thomas Hennecke

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