Bundesliga

SC Freiburg: Das Auftreten schreit nach Aufarbeitung

Schiri-Ärger sollte nicht von eigenen Problemen ablenken

Das Freiburger Auftreten schreit nach Aufarbeitung

Christian Streich fand nach der Niederlage gegen Mainz 05 klare Worte.

Christian Streich fand nach der Niederlage gegen Mainz 05 klare Worte. imago images

"So ist es Woche für Woche, in Leipzig kriegen wir einen unglaublichen Elfmeter und jetzt so ein unfassbares Tor. Das läuft natürlich im Moment auch gegen uns", machte Streich nach der Niederlage gegen Mainz auch Schiedsrichter-Entscheidungen zum Thema. In den beiden genannten Fällen ist der Ärger nachvollziehbar. Die Elfmeter-Entscheidung in Leipzig vor dem 2:0 für RB war überzogen und vor dem Mainzer Führungstreffer hätte Schiedsrichter Martin Petersen Matetas offensichtliches einarmiges Stoßen, das Santamaria in der Luft aus der Balance brachte, pfeifen müssen.

Anders verhält es sich jedoch beim Handspiel von Barreiro in der 68. Minute, das Streich allgemein und Sportvorstand Jochen Saier konkret ansprach. Bei genauerem Hinsehen ist es nämlich richtig, dass Petersen nicht auf den Punkt zeigte und auch VAR Benjamin Cortus nicht eingriff. Zunächst hielt Barreiro Gegenspieler Sallai bei der Freiburger Ecke leicht am Arm fest, jedoch im Rahmen des üblichen Positionsgerangels bei Standards und daher nicht als Foul zu ahnden. Dann löste er den Kontakt mit Sallai, unmittelbar danach prallte der Ball gegen seinen Arm. Dieser befand sich jedoch "nahe am Körper und die Armhaltung vergrößerte den Körper nicht unnatürlich". Dieser Passus steht in der relevanten Regel 12 in der Rubrik Handspiel als Beispiel für "kein Vergehen". Ein weiteres Argument, dieses Handspiel nicht zu ahnden: Der Arm machte keine aktive Bewegung zum Ball.

Wir haben sechs Fouls gemacht, das ist ehrenwert, dass man so wenig Fouls macht.

Christian Streich

Sich darüber im Frust nach einem solchen Rückschlag und im Kontext der tatsächlichen Benachteiligungen aufzuregen, ist nachvollziehbar. Die Freiburger müssen sich nun aber an ihren Worten messen lassen, wonach Saier und Streich betonten, dass diese Entscheidungen nicht der Grund für die Niederlage gewesen seien und man keine Ausflüchte suche. Denn: Der teilweise berechtigte Ärger über die Schiedsrichter sollte in der derzeitigen Situation keinesfalls von den eigenen, gravierenden Problemen ablenken.

Streichs Analyse: "Offensichtlich sehr naiv verhalten"

Angefangen mit der Art und Weise, mit der die SC-Profis in diesem Schlüsselspiel auftraten, vor allem in den direkten Duellen. Inkonsequent, zaghaft, teilweise körper- und wehrlos. "Wir haben sechs Fouls gemacht, das ist ehrenwert, dass man so wenig Fouls macht", kommentierte Streich diese Statistik sarkastisch, die auch keine Gelbe Karte für sein Team auswies, um frustriert hinzuzufügen: "Es war ein ganz schlechtes Zweikampfverhalten in der Umschaltbewegung."

Frappierendes Beispiel: Vor dem 0:3 endete einer der vielen harmlosen SC-Angriffe per ungefährlicher Flanke in den Händen des Mainzer Keepers Robin Zentner. Obwohl dieser die Kugel noch einige Augenblicke behielt, verweilte der linke Mittelfeldspieler Vincenzo Grifo träge in der Nähe des gegnerischen Strafraums, statt entschlossen den Rückwärtsgang einzulegen. Einige Momente später fehlte er, obwohl die Seite von Mainz nochmals verlagert worden war, im entsprechenden Raum vor der eigenen Box, wo Boetius mit freiem Fuß Mateta in die Gasse schicken konnte. "Wir haben uns da offensichtlich sehr naiv verhalten. So kannst du natürlich kein Bundesliga-Spiel gewinnen", stellte Streich mit Blick auf das zweite und dritte Gegentor treffend fest.

Warum die Freiburger in einem solch richtungsweisenden Heimspiel gegen die mit nur einem Zähler angereisten Gäste unabdingbare Grundtugenden wie Aggressivität und Entschlossenheit vermissen ließen, schreit nach schonungsloser Aufarbeitung. Ebenso, weshalb die Streich-Elf ausgerechnet den Mainzer Stärken in die Karten spielte, immer wieder in deren Pressingfallen tappte und sich dann überrumpeln ließ. Ein konsternierter Streich konnte sich das nach dem Abpfiff auch nicht erklären: "Wir waren uns der Mainzer Konterstärke und Schnelligkeit eigentlich bewusst. Die ganze Woche haben wir die Restverteidigung thematisiert."

Dominique Heintz

Frustriert nach dem Spiel gegen Mainz: Dominique Heintz (M.) und seine Mitspieler. imago images

Auch die Offensive bereitet Sorgen

Als wären das nicht schon genug Problem, sieht es auf der anderen Seite des Feldes derzeit nicht besser aus. "Wir sind nicht torgefährlich und nicht stark genug im Abschluss gewesen. Das verfolgt uns schon die letzten Wochen", kritisierte Streich. Neun Tore nach acht Partien - diese Bilanz unterbieten derzeit nur Köln (8), Schalke und Bielefeld (beide 5), die drei Letztplatzierten. Neben Nils Petersen (vier Tore) hat nur Vincenzo Grifo (2) bereits mehrfach getroffen. Dabei kommen die SC-Akteure immer wieder in gefährliche Räume, treffen dort aber regelmäßig die falsche Entscheidung.

Zwei bezeichnende Szenen: Kurz vor der Pause stand Santamaria mit dem Ball frei im Mainzer Strafraum, spielte statt den Abschluss zu suchen jedoch einen zu hohen Chipball über den Fünfmeterraum Richtung anderer Pfosten - Chance vertan. Und in der 50. Minute ruhte der Ball sogar etwa 28 Meter zentral vor dem Tor. Eigentlich eine ideale Schuss-Gelegenheit für die beiden Standard-Spezialisten Grifo und Schmid, die beide schon aus ähnlichen Situationen Freistöße direkt verwandelt haben. Doch Grifo chippte den für keinen seiner Mitspieler zu erreichenden Ball ins Toraus.

Eine Sache der mentalen Bereitschaft

Zur Harmlosigkeit in der Offensive sagte Streich abschließend: "Wir probieren es zu trainieren und hoffen, dass es in Zukunft besser wird." Das wird auch für viele der anderen aktuellen Defizite gelten. Das Auftreten auf dem Platz allgemein und speziell in den Zweikämpfen ist jedoch vor allem eins: eine Sache der mentalen Bereitschaft. Die muss in Augsburg am Samstag eine andere sein, will der SC nicht noch tiefer in den Tabellenkeller rutschen.

Carsten Schröter-Lorenz

Von 62 bis 115: Diese 18 Spieler haben in ihren Klubs die meisten Ballkontakte