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Fazit zum deutschen Länderspieljahr - Hansi Flick zufrieden

Ein Rück- und Ausblick

Das Fazit zum deutschen Länderspieljahr - "Wir sind zurück"

Sieben Siege in sieben Länderspielen: Hansi Flick.

Sieben Siege in sieben Länderspielen: Hansi Flick. imago images/Sven Simon

Was bleibt von diesem Länderspieljahr 2021? Thomas Müller, Weltmeister 2014 und je dreimal bei einer Welt- und Europameisterschaft aktiv, ist mit der Erfahrung seiner 110 Länderspiele und 32 Lebensjahre ein idealer Kronzeuge für die passende Antwort, die er treffend in zwei Teile bündelt. "Wir hätten uns eine bessere EM gewünscht." Und: "Im September hat eine neue Zeitrechnung begonnen."

Die 0:2-Niederlage gegen England im Achtelfinale des paneuropäischen Turniers Ende Juni 2021 setzte den Schlusspunkt unter die 15 Jahre des Bundestrainers Joachim Löw, Hansi Flick (56) übernahm. Seither gelangen der DFB-Auswahl in sieben Spielen sieben Siege und 31:2 Tore. Die Zulassung zur WM 2022 wurde damit - mit Ausnahme des 1:2-Makels gegen Nordmazedonien Ende März - souverän eingeholt.

Der Überblick: Alle bereits für die WM 2022 qualifizierten Nationen

Wie bei seiner extrem erfolgreichen Tätigkeit beim FC Bayern, als er in anderthalb Jahren sieben Titel sammelte, setzt der Fußballlehrer Flick auf den Spaßfaktor, den Teamgeist und die innerbetriebliche Harmonie sowie offensiven, mutigen, forschen Fußball. "Die Mannschaft hat mit Freude und Spaß gespielt", betonte er nach dem 4:1-Sieg in Erewan. "Die Mannschaft will."

Auf manchen Positionen haben wir sogar Topspieler.

Flick

Diese Geisteshaltung der Spieler ist unter dem neuen Chefcoach zu spüren. Wo sie zuvor seit der missratenen WM 2018 insgesamt eher gehemmt wirkte, legt sie nun befreit los und versprüht Spielfreude. Leroy Sané, vom rechten auf den linken Flügel versetzt und mit allen Freiheiten querfeldein unterwegs, steht für diese Befreiung ebenso wie Jonas Hofmann, den Flick zum rechten Verteidiger mit jedweder offensiven Orientierung umbaute. "Wir haben auf jeder Position eine enorme Qualität", sagt Flick, "auf jeder Position" sieht er "zwei, drei Spieler, die wir vorher händeringend gesucht haben". Er nennt die U-21-Europameister Karim Adeyemi und Lukas Nmecha für den Sturm und ergänzt: "Auf manchen Positionen haben wir sogar Topspieler."

Flick: "Wir sind zurück"

Bei dieser Wertung bezieht sich Flick auf die Finals der Champions League 2020 und 2021. "Da haben viele viele deutsche Spieler auf dem Platz gestanden", sagt er, es waren insgesamt zwölf: Neuer, Süle, Goretzka, Kimmich, Gnabry, Müller für den FC Bayern 2020 beim 1:0-Sieg gegen Paris mit Kehrer und Draxler; 2021 Rüdiger, Havertz und Werner im Auftrag des FC Chelsea, der den Henkelpokal mit einem 1:0-Erfolg gegen Manchester City und Ilkay Gündogan im Team gewann. "Wir brauchen uns nicht zu verstecken", schlussfolgert Flick zu Recht, befindet die Qualität seiner Auserwählten auch in dieser Quantität für "gut" und fasst im Rück- und Ausblick zusammen: "Die Spiele haben gezeigt, dass wir zurück sind. Ich glaube schon, dass sich die Mannschaft gegen stärkere Gegner noch steigern kann."

Diese Bedingung wird sie erfüllen müssen. Denn die Herausforderer in der Qualifikationsgruppe gehören "nicht zu den Besten in Europa und in der Welt", wie Flick, Müller oder zuvor schon Marco Reus realistisch einräumten. Es waren dankbare Sparringspartner, die in der noch undurchsichtigen Startphase unter Flick das Selbstvertrauen stärkten und die teaminterne Stimmung aufhellten. "Jeder ist gerne Nationalspieler und gerne beim Team dabei", sagt der Bundestrainer und lobt die "familiäre Atmosphäre", die er "so von der Nationalmannschaft" kenne.

Testspiele im März: England und Südafrika im Gespräch

Bei aller Begeisterung über die ersten Schritte "auf dem richtigen Weg" sieht Flick aber auch die Defizite. Die Präzision nach vorne vermisst er zuweilen, die Positionierung müsse verbessert werden, ebenso die defensive Kooperation, wo er zum Beispiel eine permanent vorhandene Restverteidigung mit einem DFB-Mann in Überzahl anmahnt.

Nach dem gelungenen Warmlaufen soll im März eine erste Zwischenprüfung gegen einen stärkeren Gegner bestanden werden, England und Südafrika sind als Aufgaben im Gespräch, womöglich Griechenland. Im Mai/Juni folgen dann vier Partien in der Nations League - und am Jahresende die Weltmeisterschaft. Und spätestens bei diesem Turnier warten die weltbesten Teams.

Karlheinz Wild

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