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Das deutsche Tour-Aufgebot im Kurz-Check: Tagessiege sind drin

Starkes Trio bei Bora-hansgrohe

Das deutsche Tour-Aufgebot im Kurz-Check: Tagessiege sind drin

Feierte bei der Tour bereits einen Tagessieg: Lennard Kämna.

Feierte bei der Tour bereits einen Tagessieg: Lennard Kämna. imago images/Panoramic International

Die Zeiten der Dominanz deutscher Sprinter bei der Tour sind vorbei. Erik Zabel, André Greipel oder Marcel Kittel haben ihre Karrieren beendet. Jan Ullrichs Erfolg bei der Tour de France in der Gesamtwertung ist 25 Jahre her. Wie steht es also um das kleine deutsche Aufgebot?

Das deutsche Bora-hansgrohe-Team geht voran und schickt ein richtig starkes deutsches Trio ins Rennen. Während Emanuel Buchmann nicht dabei ist und bei der Vuelta starten soll, überzeugte Lennard Kämna, gerade noch das deutsche Meistertrikot im Zeitfahren gewonnen, beim Giro d'Italia, sodass Teamchef Ralph Denk kaum am 25-Jährigen vorbei kam. Kämna hatte zwar ein verkorkstes Jahr 2021 und setzte "mental blockiert" aus, kam aber 2022 stark zurück. Beim Giro siegte er bei der schweren Etappe zum Ätna. Neben Helferaufgaben für Kapitän Alexander Vlasov wird Kämna einen Tageserfolg in den Bergen anpeilen, wofür er definitiv das Zeug hat. Schließlich gelang ihm das auch schon 2020 in Frankreich.

Nils Politt kommt als frischgebackener deutscher Straßenmeister zur Tour und ist entsprechend selbstbewusst. Er wird von seinem Team als unermüdlicher Helfer und Tempobolzer im Flachland gebraucht, dürfte aber auch die eine oder andere Freiheit bekommen, um sich in Fluchtgruppen zu zeigen. Die fünfte Etappe von Lille nach Arenberg hat er sich auf jeden Fall wie John Degenkolb (siehe unten) dick angestrichen.

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Der dritte im Bunde des deutschen Teams ist Maximilian Schachmann, und der dürfte nach seiner Coronaerkrankung, die ihn die deutsche Meisterschaft kostete, zunächst mal froh sein, dass er überhaupt dabei ist. Er zeigte zuletzt zwar ansteigende Form nach einer schwierigen Saison bisher, allerdings bleibt abzuwarten, wie er die Krankheit weggesteckt hat. Genau wie Politt ist er als Helfer mit Freiheiten für einen Tageserfolg eingeplant.

Das Team Alpecin-Deceuninck schickt Alexander Krieger ins Rennen. Nach Giro und Vuelta (beides 2021) komplettiert Krieger mit dem Tour-Debüt seine Grand-Tour-Sammlung. Seine Kernaufgabe liegt einerseits in der Unterstützung von Topstar Mathieu van der Poel, andererseits ist er im Sprintzug von Jasper Philipsen eingeplant. Da dürfte wenig Raum für eigene Ambitionen sein.

Geschke und Degenkolb bringen viel Erfahrung mit

109. Tour de France

Cofidis setzt auf den alten Hasen Simon Geschke. Der Kämpfer mit dem markanten Vollbart ist seit seinem grandiosen Etappensieg bei der Tour-Bergetappe nach Pra-Loup 2015 ein kleiner Star in Frankreich. Bei seiner zehnten Tour de France soll Geschke in den Bergen möglichst lange an der Seite seines Cofidis-Kapitäns Guillaume Martin bleiben. Wenn die Beine gut sind, wird er aber auch seine Chance als Solist erhalten, um einem eigenen Tageserfolg hinterherzujagen.

Geschkes Teamkollege Max Walscheid wird gleich zum Auftakt in Kopenhagen alles reinwerfen, was er hat, denn Zeitfahren kann er. Daneben ist er ein guter Sprinter und dürfte hier und da zumindest in die Top Ten vorfahren können.

John Degenkolb wurde von seinem Team DSM nominiert. Seine größten Erfolge (Paris-Roubaix, Mailand-Sanremo, Etappensiege bei Tour, Giro und Vuelta) liegen aber allesamt ein paar Jahre zurück. Der 33-Jährige soll DSM vielmehr mit seiner ganzen Erfahrung als Road Captain sicher und möglichst unfallfrei durch die Tour führen. Eigene Ambitionen wird er auf der fünften Etappe haben. Auf dem Weg nach Arenberg geht es über das von ihm geliebte Kopfsteinpflaster. Hier fuhr er bereits seinen Etappensieg 2018 heraus.

Das Team EF Education-EasyPost schickt mit Jonas Rutsch einen guten Allrounder ins Rennen. Der 1,97 Meter große Rutsch überzeugte im Vorjahr bei der Tour und darf nun wieder ran. Der 24-Jährige hat die Tempohärte, um in Fluchtgruppen eine gute Rolle zu spielen. Ein Etappenerfolg wäre allerdings eine Sensation.

Georg Zimmermann ist im Team von Intermarche-Wanty-Gobert Materiaux als vielseitiger Helfer eingeplant. Der bergfeste Allrounder könnte sich bei mittelschweren Etappen auch mal in einer Fluchtgruppe zeigen. Aber auch er wird kaum für einen Tagessieg infrage kommen.

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