Bundesliga

Darmstadts Nachteil, den richtigen Trainer zu haben

Lieberknecht und der Trainerwechsel-Effekt

Darmstadts Nachteil, den richtigen Trainer zu haben

Darf am Samstag nicht auf der Bank sitzen: Lilien-Coach Torsten Lieberknecht

Darf am Samstag nicht auf der Bank sitzen: Lilien-Coach Torsten Lieberknecht IMAGO/Ulrich Hufnagel

Steht ein Klub tief im Tabellenkeller, muss der Trainer früher oder später gehen. Dieses Fußballgesetz gilt von der Bundesliga bis in die C-Klasse, von Flensburg bis Berchtesgaden. In aller Regel, versteht sich. Darmstadt ist eine der Ausnahmen, wohlgemerkt aus gutem Grund.

Es gibt keinerlei Anlass zu glauben, dass es ohne Torsten Lieberknecht bei den Lilien besser laufen würde. Im Gegenteil: Der 50-Jährige macht mit seiner Mannschaft konstant kleine Fortschritte. Gewissermaßen ist der Vorteil, den passenden Trainer schon zu haben, aber auch ein Nachteil.

Stichwort Trainerwechsel-Effekt. Der Konkurrent aus Mainz profitierte schon zweimal, dort hat jeder Wechsel in dieser Saison im folgenden Spiel drei Punkte gebracht. Die könnten die Lilien nach 15 sieglosen Spielen dringend gebrauchen - und haben daher, wenn auch unfreiwillig, eine Lösung gefunden.

Interims-Duo mit guter Bilanz

Lieberknechts Gelbe Karte am Samstag war die vierte in dieser Saison, heißt: Am Samstag in Bremen (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) dürfen sich die Co-Trainer Ovid Hajou und Kai-Peter Schmitz als Interims-Duo versuchen; ihr vierter Einsatz in dieser Funktion. Mit ihrem speziellen Trainerwechsel-Effekt haben sie in Darmstadt bisher nur gute Erfahrungen gemacht: Am 22. Spieltag der Saison 2021/22 fehlte Lieberknecht wegen COVID-19 beim 2:2 in Hannover sowie am 31. Spieltag gelbgesperrt beim 2:1 auf St. Pauli. Am elften Spieltag dieser Saison verpasste Lieberknecht aus privaten Gründen das Spiel gegen Mainz (0:0).

Die Bewertung der Lage am Böllenfalltor wird derweil immer diffiziler. Die spielerischen Fortschritte in der Offensive sind unverkennbar. Gegen den VfB bewies das Team einmal mehr, was Lieberknecht danach betonte: "Uns nur darauf zu reduzieren, dass wir nur kämpfen und darauf aus sind, Spiele zu zerstören, ist falsch." Auch die Zahl der individuellen Fehler in der Defensive geht klar zurück. "Seit der Rückrunde haben wir eine reifere Art", ergänzt der Cheftrainer.

Sollen wir jetzt die Tasche packen und sagen, wir treten nicht mehr an?

Sebastian Polter

Auch in puncto Einsatzbereitschaft kratzen die Spieler trotz fortwährender Rückschläge weiter am Maximum. "Sollen wir jetzt die Tasche packen und sagen, wir treten nicht mehr an? Nein, wir können sehr stolz auf uns sein - mit den kleinen Mankerl, dass wir die Tore nicht gemacht haben. Wir können aber jede Woche in den Spiegel schauen und wissen, dass wir alles auf dem Platz gelassen haben. Wir werden den Platz umpflügen bis zum Ende der Saison und mit diesem Stolz weiterspielen", betont Sebastian Polter nach dem 1:2 gegen den VfB Stuttgart. Das Problem: Unterm Strich macht sich das alles (noch) nicht in den Ergebnissen bemerkbar.

Glaubhafter Optimismus

Das Team schießt einfach zu wenige Tore, in fünf Rückrundenspielen erst drei. Dabei wird die Strafraumbesetzung immer besser, die Zahl der Chancen steigt, Stoßstürmer Polter ergänzt das Team gut und die Abläufe werden besser. Doch wenn man weiter so verschwenderisch mit den Gelegenheiten umgeht, hilft alles nichts. Als Aaron Seydel in der Nachspielzeit gegen den VfB den Ball nach einer tollen Kombination mit Polter und Oscar Vilhelmsson in den Winkel zirkelte und die Torflaute beendete, war das nur noch Ergebniskosmetik.

Alle diese Aspekte sorgen aber zumindest dafür, dass es an Mutmachern nicht mangelt. "Wir bleiben glaubhaft optimistisch, nicht gespielt", sagte Lieberknecht überzeugend. Er ist und bleibt eben der richtige Mann.

Moritz Kreilinger