Bundesliga

Dardai: "Das war nicht unser wahres Gesicht"

Hertha: Aufarbeitung des Debakels von Gladbach

Dardai: "Das war nicht unser wahres Gesicht"

Pal Dardai, Trainer Hertha BSC

Hatte nach dem 0:5 in Gladbach eine unruhige Nacht: Hertha-Coach Pal Dardai. imago

Zuvor hatte Dardai in der Kabine die 90 ernüchternden Minuten "in einem interaktiven Gespräch" gemeinsam mit der Mannschaft analysiert. Auch während der Laufrunden auf dem Trainingsplatz, die das Trainerteam mit absolvierte, suchte der Berliner Coach immer wieder des Gespräch mit einzelnen Profis, etwa mit Vedad Ibisevic und Rune Jarstein.

Nach der Rückkehr aus Mönchengladbach war Dardai gegen zwei Uhr eingeschlafen und um halb fünf wieder aufgewacht. "Man sucht nach Lösungen und überlegt, wo man selbst Fehler gemacht hat", erklärte der Trainer am Montagmittag und machte klar: "In dem körperlichen Zustand, in dem wir waren, und in der Tagesform gibt es keine Lösungen. Das war nicht nur zäh, da war nicht ein Spieler dabei, von dem du sagst: Der hatte Top-Form."

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Trainersteckbrief Dardai
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Dardai Pal

Hertha, unter Dardai bislang in nahezu allen Spielen stabil, brach in der finalen halben Stunde in Mönchengladbach förmlich auseinander. "Unsere Stärke - die taktische Disziplin, die Kompaktheit - war nicht da. Sie haben uns ausgespielt. Das war nicht unser wahres Gesicht. Das war ein Spiel, aus dem du anders als aus dem Hamburg-Spiel (0:2, d. Red.) viel lernen kannst, aber das du auch schnell vergessen musst."

Ich erkenne keine Verbesserung gegen Top-Mannschaften.

Pal Dardai

Die fehlende Spritzigkeit, die fehlende Kompaktheit - all das beschäftigte Dardai freilich auch am Tag danach. "Ich vergleiche das mit einem vernünftigen Mann, der dann einmal besoffen nach Hause kommt und seine Frau, die ihn so nicht kennt, überrascht", so der Ungar. "Jede Mannschaft hat mal so eine Niederlage dabei. Ein Problem hast du, wenn du zwei oder drei davon kassierst. Aber ich glaube, das wird bei uns nicht der Fall sein. Die Jungs sind ehrgeizig und zielstrebig. Bisher war immer eine Verbesserung erkennbar, aber: Ich erkenne keine Verbesserung gegen Top-Mannschaften. Das ist das, was mich beschäftigt."

Mentale Folgen befürchtet der Coach nicht

Angesichts des Restprogramms, das mit dem FC Bayern (H), Bayer Leverkusen (A) und Mainz (A) noch drei Gegner aus dem oberen Tabellendrittel für den Liga-Dritten bereithält, will und muss Dardai "nach Lösungen suchen und sie finden". Mentale Folgen der Klatsche befürchtet er nicht: "Die Spieler sind nicht geknickt, die Trainer sind nicht geknickt. Jetzt schlechte Stimmung zu verbreiten, wäre Jammern auf hohem Niveau. Es gibt solche Spiele, ich habe als Spieler sogar mal gegen Malta verloren. Das Leben geht weiter, es ist niemand gestorben."

Spielbericht

Aber der ehrgeizige Dardai gibt angesichts der Chancenlosigkeit in beiden Saisonspielen gegen Gladbach (1:4, 0:5) zu: "Neun Gegentore - das stört mich." Sein Programm für den freien Dienstag, ehe am Mittwoch die Vorbereitung aufs Spiel gegen Schlusslicht Hannover beginnt: "Blumen kaufen und mich um meinen Rasen kümmern."

Dardai spricht Jarstein sein Vertrauen aus

Seinem Keeper Rune Jarstein, der mit seinem Fehlpass vor dem 0:1 Thorgan Hazards erstes Tor eingeleitet und auch beim fünften Gegentor unglücklich ausgesehen hatte, sprach Dardai das Vertrauen aus: "Wenn wir seine Leistungen in dieser Saison zusammenrechnen: Rune macht es sehr gut, wir brauchen ihn." Allerdings: In jener Schlüsselszene in der 14. Minute, als Mahmoud Dahoud Jarsteins Pass abfing und auf Hazard weiterleitete, traf Jarstein eine folgenschwere und falsche Entscheidung.

Auf kicker-Nachfrage sagte Dardai am Montag: "Er hat diese Lösung gesucht, aber diesen Pass darf er nicht spielen und der ist auch nicht vorgesehen bei uns. Er hatte in dem Moment drei andere Zonen für eine Spielverlagerung, er muss da den langen Ball suchen. Vladimir Darida, den Rune anspielen wollte, hatte nicht mal eine offene Stellung und konnte sich nicht ausdrehen. Selbst wenn der Pass ankommt, wäre es nicht gut gewesen." Der Pass kam nicht an - und das Unheil nahm seinen Lauf. Jarstein selbst hatte bereits am Sonntag eingeräumt: "Das war mein Fehler, ich hätte Vladi Darida besser nicht versucht anzuspielen."

Steffen Rohr

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