Bundesliga

Hertha BSC - Trainer Pal Dardai hat eine Punkt-Klausel im Vertrag

Nimmt Herthas Trainer diese Hürde?

Dardai: Punkt-Klausel im Vertrag

Hatte sichtlich Spaß beim Training: Trainer Pal Dardai.

Hatte sichtlich Spaß beim Training: Trainer Pal Dardai. picture alliance

Als in der Vorstellungs-Pressekonferenz am Dienstag die Frage kam, ob die Vertragslaufzeit bis 2022 die Bedingung für seine Unterschrift gewesen sei, reagierte Pal Dardai eher reserviert. "Ich würde soweit erstmal nicht gehen", sagte der Mann, der zu Beginn dieser Woche die Nachfolge des nach dem 1:4 gegen Bremen beurlaubten Bruno Labbadia angetreten hatte. "Bis Sommer will ich einen guten Job machen. Dann werden wir alles schauen. Ja, es ist schön, wir haben etwas geplant. Aber ich bin leider ein komischer Typ, es muss auch für mich Spaß machen." Eine später an ihn adressierte Frage mit ähnlicher Stoßrichtung parierte Dardai so: "Ich will nicht lange reden über Verträge. Dieses halbe Jahr will ich Leistung bringen und auch Spaß haben."

So sieht die Punkte-Klausel aus

Die Zurückhaltung war nicht grundlos. Eine im Vertrag verankerte Klausel sieht eine konkret benannte Zielmarke vor. Nur bei deren Erreichen gilt das Arbeitspapier tatsächlich auch für die Saison 2021/22. Nach kicker-Informationen muss Dardai in den restlichen 16 Begegnungen dieser Saison einen Schnitt von ziemlich genau 1,5 Punkten pro Spiel erreichen, um die Hürde zu nehmen. Zum Vergleich: Aktuell steht Hertha nach 18 Spieltagen bei 17 Punkten. Vorgänger Labbadia verbuchte saisonübergreifend in 27 Liga-Spielen mit den Berlinern im Schnitt pro Partie 1,11 Punkte.

Dardai lediglich einen Kontrakt bis zum 30. Juni zu geben und dies entsprechend zu kommunizieren, hätte aus Sicht der Bosse die Gefahr heraufbeschworen, dass der Ungar inmitten der sportlichen Krise als Lame Duck wahrgenommen worden wäre. Also boten Herthas neuer Vorstandschef Carsten Schmidt und Sportdirektor Arne Friedrich Dardai ein Vertragskonstrukt an, das dem Coach bei überzeugender Performance den Weg in die Zukunft ebnet. "Wir haben einen Neustart, nicht nur auf der Trainerposition", sagte Friedrich am Dienstag. "Jeder muss sich neu beweisen."

CEO Schmidt dreht jeden Stein um

CEO Schmidt, seit dem 1. Dezember im Amt, will den Klub neu aufstellen und eine straffere Leistungskultur einführen. In den Personalien Michael Preetz, bis zu seiner am Sonntag vollzogenen Abberufung als Geschäftsführer Sport fast ein Vierteljahrhundert im Verein, und Labbadia senkte Schmidt nach nur 55 Tagen im Amt den Daumen. Labbadia hatte weder die intern vorgegebene Zielmarke für die vor einer Woche gegen Hoffenheim (0:3) abgeschlossene Hinrunde geschafft noch hätte er nach den jüngsten Fehlschlägen noch die für den Monat Januar intern ausgegebene Marke erreichen können.

Schmidt, der aktuell auf der Suche nach einem Preetz-Nachfolger ab Sommer ist, dreht bei Hertha jeden Stein um. Er will den Klub auf Effizienz trimmen. Vor Klub-Ikone Dardai macht er da nicht halt. Der ist mit 286 Einsätzen Bundesliga-Rekordspieler des Vereins, und mehr Bundesliga-Spiele als Trainer als Dardai (bisher 151) verantworteten bei Hertha nur Helmut Kronsbein (212) und Jürgen Röber (157). Die sorgenfreiesten Jahre der vergangenen Dekade hatte Hertha unter dem zwischen Februar 2015 und Sommer 2019 amtierenden Ungarn. Sein Punkteschnitt damals: 1,34.

Steffen Rohr