Bundesliga

Hertha-Coach Dardai: "Irgendwann müssen wir eine Überraschung machen"

Hertha will gegen RB den ersten Sieg gegen einen Top-Gegner

Dardai: "Irgendwann müssen wir eine Überraschung machen"

Hertha-Coach Pal Dardai will seine Bilanz gegen Julian Nagelsmann aufpolieren.

Hertha-Coach Pal Dardai will seine Bilanz gegen Julian Nagelsmann aufpolieren. imago images

Am Montagabend schien sich die Situation abermals und ohne eigenes Zutun zuzuspitzen. Als die mutigen Bielefelder beim FC Bayern führten, rutschte Hertha in der Live-Tabelle zwischenzeitlich auf Relegationsplatz 16 ab. Das finale 3:3 in München beließ die kriselnden Berliner letztlich auf Rang 15, die nun punktgleiche Arminia hat allerdings noch das Nachholspiel gegen Bremen in der Hinterhand. Auffällig: Die Konkurrenz im Keller landet immer wieder überraschende Punktgewinne. Mainz‘ Sieg gegen Leipzig und die Unentschieden in Dortmund und Leverkusen, Kölns Siege in Dortmund und Mönchengladbach, dazu das 0:0 in Leipzig, Bielefelds 3:0 gegen Stuttgart und jetzt das 3:3 in München: Das alles registriert man auch in Berlin, wo gegen die Großkaliber der Liga in dieser Saison die Leistung oft stimmte - aber der Ertrag nicht.

Noch kein Sieg gegen Nagelsmann

Gegen den FC Bayern schrammte Hertha zweimal knapp am Unentschieden vorbei (3:4, 0:1), im Hinspiel in Leipzig führte Hertha (Endstand 1:2), Wolfsburg hatte man am Rand der Niederlage (1:1), in Leverkusen (0:0) und Gladbach (1:1) gab's immerhin Teilerfolge. Allein: Das Ausrufezeichen, mit dem die Berliner ihr eigenes Selbstbewusstsein aufpolieren und das als kerniges Signal an die Rivalen taugt, fehlt noch. "Irgendwann", sagt Pal Dardai, "müssen wir eine Überraschung machen. Warum nicht jetzt?" Allerdings: Gegen Julian Nagelsmann konnte Dardai noch kein Trainer-Duell gewinnen (vier Niederlagen, drei Remis/alle mit Hertha gegen Hoffenheim), auch als RB-Coach ist Nagelsmann gegen den Hauptstadt-Klub noch unbezwungen (zwei Siege, ein Remis).

Trainingsspiel am Mittwoch

Beim Trainingsstart in die Woche rückte der Hertha-Coach am Dienstag die Themen Passgenauigkeit und Entscheidungsfindung in den Mittelpunkt - und sieht dort weiter Luft nach oben: "Wir brauchen bessere Entscheidungen und andere Gedanken unter Druck. Die Spieler müssen sich noch besser vororientieren." Ehe am Mittwoch ein Trainingsspiel über dreimal 20 Minuten auf Großfeld angesetzt ist, wird sich Dardai am Dienstagabend dem TV-Studium des kommenden Gegners widmen. Leipzig trifft im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Budapest auf den FC Liverpool. Dass er selbst zur Live-Beobachtung in seine Heimat fliegt, war als Gedanke für den einstigen ungarischen Nationalspieler und -trainer Dardai schnell vom Tisch. "Meine Frau Monika", scherzt er, "hat mich nicht gelassen."

Ich habe mit keinem Koch geredet, dass sie mit Magen-Darm nach Hause sollen.

Pal Dardai über das Spiel der Leipziger in Budapest

Und im Ernst? "Man kann das Spiel wunderbar im Fernsehen beobachten, ich werde es eher wie ein Fan anschauen." Er habe "mit keinem Koch" in Budapest "geredet, dass sie (die Leipziger, d. Red.) mit Magen-Darm nach Hause sollen", sagt Dardai augenzwinkernd. "Ich habe keine Magie. Wir wollen am Sonntag ein gutes Leipzig hier haben."

Ein gutes Berlin wäre noch wichtiger - angesichts der alarmierenden Lage. Dass sein Team im vergangenen Heimspiel den FC Bayern forderte und am Punktgewinn schnupperte, hat aus Dardais Sicht für den Sonntag keine Aussagekraft: "Leipzig hat andere Stärken als die Bayern und ein komplett anderes System. Wir müssen uns gut einstellen, gut zuhören, eine gute Tagesform haben." Nach bereits 15 Standard-Gegentoren sagt Herthas Trainer "eins klipp und klar: Wenn wir ein Standardtor kassieren oder eins nach einer Flanke, brauchen wir nicht über einen Sieg zu reden. Das ist unsere Aufgabe diese Woche: Kein Standardtor, kein Flankentor - dann haben wir eine Chance zu Hause gegen einen Top-Gegner wie Leipzig."

Hertha bangt um Radonjic

Zugänge aus dem Lazarett sind derweil nicht zu erwarten. Javairo Dilrosun (nach Bänderverletzung im Knie) trainiert zwar wieder auf dem Platz, aber noch separat. Für das RB-Spiel ist der Niederländer nach Dardais Worten ebenso wenig ein Thema wie die maladen Jhon Cordoba (Muskelfaserriss), Marvin Plattenhardt (Adduktorenbeschwerden), Dedryck Boyata (Mittelfuß-Verletzung) und Jordan Torunarigha (Sehnenverletzung im Hüftbereich).

Gerade bei jenen Spielern, die von muskulären Blessuren gestoppt wurden, will der Coach im Zweifel lieber einen Tick länger mit der Rückkehr warten: "Es bringt nichts, wenn einer von denen, die jetzt separat trainieren, freitags sagt, er will beim Spiel dabei sein. Das mach‘ ich nicht mit muskelverletzten Spielern. Das bringt nichts. Wenn sie eine komplette Woche durchtrainieren können, können wir auf sie zählen." Vorher nicht. Das genannte Quintett fehlt damit weiterhin - und auch um Neuzugang Nemanja Radonjic bangt Hertha. Der Serbe, dem am Samstag in Stuttgart (1:1) nach seiner Einwechslung Leistenprobleme zu schaffen machten, fehlte am Dienstag im Training. Auch am Mittwoch rechnet Dardai nicht mit der Rückkehr des von Olympique Marseille ausgeliehenen Linksaußen.

Steffen Rohr