Bundesliga

Dardai: "Hertha BSC ist kein Chemielabor mit weißen Mäusen"

Trotz Verteidiger-Not bleibt der Coach bei der Fünferkette

Dardai: "Hertha ist kein Chemielabor mit weißen Mäusen"

Herthas Chefcoach Pal Dardai hält an der Fünferkette fest.

Herthas Chefcoach Pal Dardai hält an der Fünferkette fest. imago images/Metodi Popow

"Die Jungs fühlen sich sicherer und besser mit der Fünferkette", sagte Trainer Pal Dardai am Donnerstag in der Spieltagspressekonferenz. "Wir haben jetzt hintereinander zwei Spiele (3:1 in Bochum, 2:1 gegen Fürth, d. Red.) gewonnen, defensiv hat es sehr gut ausgesehen. Es gab keine großen Chaos-Momente. Das tut den Jungs gut. So lange es funktioniert, werden wir mit Fünferkette spielen."

Gechter machte seine Sache abermals gut

Allerdings zwingt die personelle Situation den Ungarn zum Improvisieren. Mit Kapitän Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha fehlen zwei etatmäßige Innenverteidiger wegen Muskelfaserrissen im Oberschenkel. Mit dem inzwischen an der Schulter operierten Lukas Klünter fällt ein weiterer Profi aus, der - neben seinem Stammrevier auf der rechten Seite -  unter Dardai häufiger in der Innenverteidigung auflief. Marton Dardai, gerade von einer Sprunggelenksverletzung zurückgekehrt, wurde gegen Fürth nach nur zwei Trainingseinheiten gebraucht. 60 Minuten waren für ihn vorgesehen, dann sollte Linus Gechter kommen. Doch das Ausscheiden Boyatas nach 27 Minuten warf den Plan über den Haufen. Der 17-jährige Gechter kam wie schon in Bochum rein und machte seine Sache abermals gut, Dardai musste durchspielen.

Friedrich: "Wir werden immer wieder Lösungen haben"

"Besondere Situationen können auch Chancen sein", sagte Sportdirektor Arne Friedrich am Donnerstag. "Linus Gechter ist in die Mannschaft gerückt und hat es hervorragend gemacht. Unser Trainerteam hat immer wieder den Mut, junge Spieler reinzuwerfen. Wir werden immer wieder Lösungen haben, der Kader ist groß genug. Wir haben eine tolle Jugendabteilung. Man sieht: Wenn die jungen Spieler zum Einsatz kommen, dann sind sie bereit. Das ist eine große Qualität, die wir bei Hertha haben."

Röcker und Atemona zu den Profis beordert

Gechter hatte in der vergangenen Woche allerdinge leichte Wadenprobleme. Nebenmann Marton Dardai - auch erst 19 - bestritt am Mittwoch aus Gründen der Belastungssteuerung nicht das komplette Training. Beide sollen an der Seite von Niklas Stark in Leipzig im Abwehrzentrum starten. Sollte einer der beiden Youngster passen müssen, würde Mittelfeldspieler Lucas Tousart in die Deckung rücken. "Lucas war schon gegen Fürth vorbereitet, er hätte ausgeholfen. So wird es auch am Wochenende sein, wenn etwas passiert", erklärte der Trainer. "Lucas hat die nötige Schnelligkeit, Zweikampfstärke und Passchärfe. Er hat in dieser Position noch nie gespielt, aber mit einem guten Coaching von Niklas Stark würde es schon funktionieren." Klar ist auch, dass mindestens einer der beiden in dieser Woche zu den Profis beorderten U-23-Innenverteidiger Cimo Röcker (27) und Christalino Atemona (19) gegen RB im Kader stehen wird.

Friedrich: "Die Tendenz passt"

Trotz der "speziellen Situation" (Pal Dardai) will Hertha an der zuletzt praktizierten Dreier- beziehungsweise Fünferkette festhalten. "Wir haben sechs Wochen Vorbereitungszeit hinter uns, jetzt können wir nicht experimentieren", erklärte Dardai. "Mit der Viererkette haben wir eine Menge Tore kassiert. Hertha BSC ist kein chemisches Labor, wo wir weiße Mäuse testen können." Stabilität - darum geht’s in dieser Saison insgesamt und im Moment ganz besonders. Hertha will den gegen die beiden Aufsteiger eingeleiteten Aufwärtstrend fortsetzen. "Die Mannschaft wächst immer besser zusammen. Die Tendenz passt", sagte Sportdirektor Friedrich. "Dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben, ist auch klar."

Dardai: "Wir wollen nach Leipzig gehen und ungeschlagen bleiben"

Mit Respekt, aber angstfrei gehen die Berliner die Dienstreise nach Sachsen an. "Wir haben keine große Klappe, aber eine disziplinierte, fleißige Mannschaft", sagte Dardai. "Wir haben dort schon mit zehn Mann gewonnen." Im Dezember 2017 siegte Hertha trotz einer frühen Roten Karte für Jordan Torunarigha - in der 7. Minute - mit 3:2. Mann des Spiels war eine Woche vor Heiligabend 2017 Davie Selke, der sein bis heute stärkstes Spiel für Hertha machte und seinem Ex-Klub RB zwei Tore einschenkte. Jene Tour hat bei Hertha niemand vergessen, auch der Trainer nicht. Die Chancen für eine Beförderung in die Startelf stehen für Selke auch deshalb nicht schlecht. Gegen Fürth kam er als Joker und brachte wie alle eingewechselten Spieler eine Menge Energie, zuvor musste er knapp drei Wochen wegen eines in München (0:5) erlittenen Rippenanbruchs pausieren. Auch weil sich der zuletzt im Sturmzentrum aufgebotene Ishak Belfodil längst noch nicht unentbehrlich gemacht hat, winkt Selke an seiner früheren Wirkungsstätte ein Platz in der Anfangsformation. Das Ziel ist klar, Dardai benannte es am Donnerstag: "Wir wollen nach Leipzig gehen und ungeschlagen bleiben."

Steffen Rohr

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