Bundesliga

Dardai happy: "Dieser Sieg riecht nach Arbeit"

Herthas Neuanfang mit neuem System

Dardai happy: "Dieser Sieg riecht nach Arbeit"

Pal Dardai feierte mit Hertha am Samstag seinen ersten Saisonsieg.

Pal Dardai feierte mit Hertha am Samstag seinen ersten Saisonsieg. imago images/Team 2

Etliche Zahlen sprachen für den Aufsteiger. Der VfL Bochum hatte am Ende ein deutliches Übergewicht bei Torschüssen (18:5), Ecken (7:2), Ballbesitzanteilen (67:33 Prozent), gespielten Pässen (493:254) und der Zweikampfquote (56:44 Prozent). Für Pal Dardai war das eher eine Schein-Dominanz. "Der Gegner hatte keine klare Torchance", sagte der Ungar am Tag nach dem ersten Saisonsieg. "Das muss jeder Trainer entscheiden: Überlade ich die Seite und flanke 30-mal gegen Boyata, Stark und Torunarigha? Sehr mutig. Jeder prallende Ball ist ein Konter, und dann ist ein Riesenraum da."

Dardai sah beim über weite Strecken anrennenden Gegner "da Ballbesitz, wo es nicht weh tut". Sein Fazit: "3:1 auswärts ist ein überragendes Ergebnis. Ich kann mich nicht erinnern, dass Alex Schwolow dreimal im Eins-gegen-Eins stand, Riesen-Chaos war und er retten musste. Das waren Schüsse über das Stadion, Flanken, bei denen keiner in der Mitte war - und dann haben wir gelauert auf Balleroberung und Tiefe." Herthas Spiel habe nicht immer gut ausgesehen, "aber zum Schluss hast du Räume". Einer von Dardais Kritikpunkten neben dem "selbst verbockten Gegentor" war, dass diese Räume zu wenig genutzt wurden.

Ein Neuanfang innerhalb von eineinhalb Wochen - das war wie bei der Nationalmannschaft.

Pal Dardai

Aber mit der Umsetzung des in der Länderspielpause einstudierten neuen Systems und der Einstellung war der Trainer überaus zufrieden. "Dieser Sieg riecht nach Arbeit", erklärte Dardai. "Für einen Trainer ist das fantastisch." Die Mannschaft habe alle Varianten der Fünferkette - 5-1-2-2, 5-2-1-2, 5-2-2-1 und in der Schlussphase das 5-4-1 - sehr gut umgesetzt: "Die Mannschaft wird Lob für ihre Arbeit bekommen. Das ist in unserer Situation das Wichtigste: arbeiten. Ein Neuanfang innerhalb von eineinhalb Wochen - das war wie bei der Nationalmannschaft. Das hat sich auch gelohnt. Was wir geübt haben - Fünferkette, wie du im Zentrum coachst, wie du mitmachst -, haben wir praktiziert."

Der erste Sieg nach drei Niederlagen, dem schlechtesten Start seit 1972/73, dürfte das fiebrige Umfeld beruhigt und auch die aufkommenden Nervosität in der Führungsetage einstweilen heruntergedimmt haben. Dem Dauer-Realisten Dardai war es aber auch am Montag ein Anliegen, Leistung und Programm der ersten Wochen einzuordnen. Hertha verlor gegen den aktuellen Liga-Ersten (Wolfsburg/1:2), den Zweiten (Bayern/0:5) und die unter Steffen Baumgart keck aufspielenden Kölner (1:3).

Zwei Neuzugänge trumpfen in Bochum besonders auf

"Wir haben nicht versagt wenn wir ehrlich sind: Gegen Wolfsburg haben wir nicht verstanden, warum die Punkte weggeflossen sind", sagte Dardai. "Gegen Köln haben wir 35 Minuten sehr gut gespielt, dann hatten wir taktisch undisziplinierte Spieler auf dem Platz und haben die Punkte liegengelassen. Die Bayern hat man gesehen: Wenn die in Leipzig alle Torchancen reinmachen, kommt auch ein anderes Ergebnis raus. Wir haben nichts zu verbergen hier. Wir haben unsere Qualität."

Suat Serdar

"Wenn er weiter so spielt, kann er wieder für die deutsche Nationalmannschaft spielen", sagt Dardai über Suat Serdar (Foto). imago images/Matthias Koch

In Bochum trumpften speziell zwei Neuzugänge auf. Suat Serdar stellte mit dem ersten Bundesliga-Doppelpack in seinem 120. Spiel die Weichen auf Sieg, Joker Myziane Maolida machte in einer für Hertha kritischen Phase mit dem dritten Tor den Deckel auf ein intensives Spiel. "Wenn Suat weiter so spielt, kann er wieder für die deutsche Nationalmannschaft spielen", erklärte Dardai am Montag. "Es ist nicht meine Sache, aber empfehlen darf man. Die Qualität hat er."

Den Coach freute vor allem, dass seine in den ersten Saisonspielen zu oft unbedarft agierende Mannschaft in Bochum deutlich entschlossener zupackte: "Wir haben von fünf Pflichtspielen vier auswärts gespielt, zu Hause selber ein Spiel verschenkt (gegen Wolfsburg, d. Red.) und davon gelernt. Dieses Mal haben wir taktische Fouls gemacht, waren aggressiver, haben uns vom Gegner nicht auskontern lassen. Wir haben eine Menge gelernt."

Das soll nach dem VfL Bochum am Freitagabend im Olympiastadion auch der andere Aufsteiger zu spüren bekommen. "Nochmal einen Arbeitssieg" fordert Dardai gegen die SpVgg Greuther Fürth von seinen Profis und bremst überzogene Erwartungen in spielerischer Hinsicht: "Es soll keiner erwarten, dass wir von 0 auf 100 gehen. Aber wenn die Mannschaft diese Mentalität behält und wie in Bochum 5000 Meter mehr läuft als der Gegner, kommen die Siege automatisch." Seine Ansage fürs restliche Kalenderjahr: "Diejenigen, die nicht gearbeitet haben, sind alle weg. Bis Weihnachten muss hier gearbeitet werden." Danach sicher auch. Der Glanz kann warten.

Steffen Rohr

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