Bundesliga

Dardai: "Der Verein hat sich ein bisschen von Null auf Hundert verplant"

Hertha-Coach zieht mit Röber gleich

Dardai: "Der Verein hat sich ein bisschen von Null auf Hundert verplant"

"Im Fußball zählt immer nur der nächste Pass": Pal Dardai interessiert sich nicht für Statistik.

"Im Fußball zählt immer nur der nächste Pass": Pal Dardai interessiert sich nicht für Statistik. picture alliance

Unter Röber, mit dem Hertha 1997 der Aufstieg in die Bundesliga gelang, wurde Dardai als Fußballer groß. Jetzt, im sechsten Spiel nach seiner Rückkehr auf die Hertha-Bank, holt der Ungar seinen einstigen Förderer ein. Für Dardai steht am Samstagnachmittag Spiel Nummer 157 als Bundesliga-Trainer von Hertha BSC an. Damit erreicht er die Marke von Röber, der zwischen Januar 1996 und Februar 2002 amtierte. Nur einer saß im Oberhaus länger auf der Bank des Klubs aus Berlin-Charlottenburg: Helmut Kronsbein, Spitzname "Fiffi", der in zwei Amtszeiten (Juli 1966 bis März 1974, Dezember 1979 bis Juni 1980) auf insgesamt 212 Bundesliga-Spiele an der Seitenlinie kam.

Seine beiden Amtsperioden nennt Dardai "zwei unterschiedliche Zeiten - in der ersten hat man den ganzen Verein wie ein eigenes Kind behandelt. Da war die ganze Entwicklung eine andere Philosophie, sehr viel mit Nachwuchsspielern, sehr viel mit unserer Akademie. Das war eine andere Zeit, eine schöne Zeit. Was jetzt kommt, habe ich nicht geplant. Jetzt ist eine andere Philosophie. Der Verein hatte große Wünsche und sich nach meinem Geschmack ein bisschen von Null auf Hundert verplant. Und jetzt muss man sich retten. Und das ist sehr schwierig, aber wir können da zusammen rauskommen."

Dardai: "Ich habe schon vergessen, was ich gefrühstückt habe"

Für Sentimentalitäten ist Dardai - nicht nur wegen der angespannten sportlichen Lage - ohnehin nicht zu haben. Die 157 sei "eine schöne Zahl", sagt Dardai. "Ich liebe diesen Verein, ich liebe diese Stadt. Aber alles, was hinter mir liegt, vergesse ich. Mit Statistiken beschäftige ich mich nicht. Ich habe schon vergessen, was ich heute gefrühstückt habe. Was gewesen ist, zählt nicht. Im Fußball zählt immer nur der nächste Pass."

In diesem Fall: das nächste Spiel. Gegen Samstags-Gegner Augsburg gelang Dardai in seiner ersten Amtszeit einst der erste Heimsieg, ein 1:0 am 28. Februar 2015. "Wir haben damals nicht gut gespielt", erinnert sich Dardai. "Augsburg war besser." Gäbe es auch diesmal einen Dreier, wäre den Berlinern die Art des Zustandekommens vermutlich erneut maximal egal. Nach fünf Spielen unter Dardai - gegen überwiegend hochkarätige Gegner - steht eine Ausbeute von einem Punkt und 2:10 Toren in der Bilanz. Um dem von Dardai und Sportdirektor Arne Friedrich seit Wochen propagierten Wandel hin zu einem besseren Binnenklima und mehr Teamgeist nicht den Nährboden zu entziehen, braucht es dringend den ersten Sieg. "Wir wollen das Spiel gewinnen", betont Friedrich. "Egal, wie das Spiel ausgeht - danach ist die Liga für uns nicht entschieden. Aber wir können die Tabelle lesen. Wir sind im Abstiegskampf und haben eine ganz klare Marschrichtung, die Spieler wissen Bescheid. Wir müssen gegen Mannschaften wie Augsburg gewinnen, um in der Liga zu bleiben."

Mit der Intensität der Trainingswoche sind Dardai ("Niveau und Tempo haben mir gefallen.") und Friedrich zufrieden. "Ich war unter der Woche jeden Tag draußen", sagt der Sportdirektor. "Die Jungs haben mit sehr viel Elan und Energie trainiert. Das sah gut aus. Aber am Ende können wir alle viel reden und sagen, was alles gut ist - wir müssen es auf dem Platz zeigen."

Quartett fällt aus - Leckie meldet sich zurück

Immerhin: Personell bieten sich neue Optionen. Zwar fällt wie erwartet mit Matheus Cunha (Muskelverletzung im Oberschenkel), Sami Khedira (Muskelverletzung in der Wade), Nemanja Radonjic (Adduktorenverletzung) und Dedryck Boyata (Ermüdungsbruch im Mittelfuß) ein Quartett aus. Aber der in der Vorwoche beim 0:2 in Wolfsburg wegen einer muskulären Blessur fehlende Mathew Leckie hat sich schneller als gedacht zurückgemeldet. Und auch die zuletzt über Wochen fehlenden Marvin Plattenhardt, Javairo Dilrosun und Jordan Torunarigha trainieren wieder voll mit. In der Startelf ist mit ihnen eher nicht zu rechnen. Kandidaten für den Spieltags-Kader sind sie aber allemal.

Steffen Rohr