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Kevin Danso im kicker-Interview vor PSG: "Da will ich hin"

Verteidiger vom RC Lens im kicker-Interview

Danso vor PSG: "Weil ich genau dort hin will, wo diese Spieler sind"

In Lens zuhause: Kevin Danso.

In Lens zuhause: Kevin Danso. imago images/Buzzi

Kevin Danso kommt gerade vom Vereinsgelände, Neuroathletik stand an diesem Montag auf dem Programm. Jene Trainingsmethode schult das Gehirn, soll helfen, Situationen schneller zu erkennen und verbessert die Reaktionsfähigkeit. All das ist die Grundlage, auf der die aktuelle Erfolgswelle des RC Lens fußt. Der Verteidiger, im Sommer für fünf Millionen Euro aus Augsburg gekommen, hat daran einen großen Anteil.

Lens ist eine mittelgroße Stadt in Nordfrankreich, es gibt weitaus schönere Ecken und belebtere Gegenden in unserem Nachbarland. Wieso hat es Sie in die Provinz an der belgischen Grenze verschlagen, Herr Danso?

Es stimmt, Lens ist zwar eine kleine Stadt, aber ich fühle mich sehr wohl hier. Und dadurch unternimmt man viel mit seinen Kollegen, das schweißt zusammen. Ich bin ein gechillter Junge, muss nicht immer rausgehen. Und wenn es doch mal sein muss, ist man auch schnell in der nächsten großen Stadt, das ist nur eine halbe Stunde von hier entfernt.

Wie haben Sie sich bislang in Lens eingelebt?

Sehr gut, die Mannschaft nimmt jeden herzlich auf. Wir sind ein Team, ein bisschen wie eine Familie. Das sagen zwar viele, in Lens ist es aber wirklich so. Jeder kommt mit jedem klar. Die einzige Herausforderung: Nicht viele sprechen Englisch hier.

Mit dem Französischen klappt es noch nicht so?

(Antwortet auf Französisch) Ich spreche ein wenig Französisch. (Wechselt wieder ins Deutsche) Ich verstehe ein wenig, wenn meine Mitspieler langsam sprechen. Aber ich belege einmal wöchentlich einen 90-minütigen Kurs und lerne schnell. Aber ich scheue mich auch nicht zu sprechen - wenn es falsch ist, ist es eben falsch. Immerhin hatte ich neun Jahre Französisch in der Schule.

In der Innenstadt wohnen eher die Jungen.

Kevin Danso

Ein eigenes Heim macht die Eingewöhnung leichter. Wie leben Sie aktuell?

Derzeit noch im Hotel, in etwa zwei Wochen darf ich mein Haus beziehen. Hier ist es nicht leicht etwas zu finden, nun wohne ich am Rande der Stadt. In der Innenstadt wohnen ja eher die Jungen.

Zählen Sie sich mit 23 Jahren etwa schon zum alten Eisen?

Naja, es gibt ja schon ein paar jüngere als mich.

Einige von ihnen bilden das Gerüst des Teams, mit dem Sie zwischenzeitlich sogar Verfolger Nummer eins von Spitzenreiter Paris Saint-Germain waren. Warum läuft es gerade so gut?

Wir sind eine Familie, sind als Mannschaft eng zusammengerückt. Wir werden super gecoacht und jeder weiß, was er zu tun hat. In der Offensive sind wir immer gefährlich, kreieren viele Chancen. Sogar gegen Brest, als wir 0:4 verloren haben, hatten wir drei sehr gute Gelegenheiten.

Die Mannschaft spielt in der Regel mit einer Dreierkette in der Abwehr, mit Ihnen als zentralem Glied. Eine Position, die viel Verantwortung mit sich bringt. Wie läuft die Kommunikation mit Ihren Nebenleuten, die ja lediglich Französisch und Spanisch sprechen?

Ein paar Brocken kriege ich schon hin (wechselt wieder ins Französische) links, rechts, tief gehen... (fährt auf Deutsch fort) Ich versuche, so viel wie möglich zu reden. Wenn mir ein Wort mal nicht einfällt, gebe ich meine Anweisung eben auf Englisch. Ich liebe es, Verantwortung zu übernehmen. Da muss ich natürlich konzentriert und hellwach bleiben, das hilft mir auch in meinem Spiel.

Aktuell belegen Sie Platz 5. Was ist diese Saison noch möglich?

Wir haben eine sehr gute Mannschaft, das haben wir oft genug bewiesen. Die nächsten paar Spiele sind die wichtigsten.

Das ist jetzt aber eine Standardantwort.

Es ist aber so. Viele haben schon zu reden begonnen, bevor sie etwas erreicht haben. Dann sind sie abgestürzt. Wir denken von Spiel zu Spiel, beziehungsweise in Etappen. Auch vor dieser englischen Woche haben wir uns ein konkretes Ziel gesetzt.

Dennoch ist es das Ziel, wenn das Team bereits die internationalen Plätze belegt, dort auch zu bleiben. Was würde das internationale Geschäft für Sie bedeuten?

Es ist generell der Traum eines jeden Profis, in der Europa League oder Champions League zu spielen. Das ist für mich immer ein Ziel. Für mich wäre das etwas ganz Besonderes.

Kein Fußballspieler wird generell schlechter, auch wenn es oft so dargestellt wird.

Kevin Danso

Sie haben in Augsburg zunächst eine gute Entwicklung genommen, stagnierten dann aber etwas.

Das sehe ich anders. Ich hatte einfach zu wenig Spielzeit. Da musste ich zwar viel lernen, bin aber nicht schlechter geworden. Aber je älter man wird, desto weniger Fehler werden einem verziehen. Für mein Alter habe ich demnach wohl zu viele Fehler gemacht, hatte dann aber nicht die Gelegenheit, mich zu zeigen. Und zu beweisen, dass ich aus den Fehlern gelernt habe, besser werde und mich entwickle. Wenn man sich kontinuierlich zeigen kann und das Vertrauen spürt, ist das das Beste. Kein Fußballspieler wird generell schlechter, auch wenn es oft so dargestellt wird.

Sie sind nun Stammspieler. Wie erklären Sie sich Ihre Leistungssteigerung in Frankreich?

Vor allem durch Selbstvertrauen. Wenn man dann auch das Vertrauen des Vereines und der Mitspieler hat, kommt die Leistung von alleine. Fußball macht mir derzeit unglaublich viel Spaß, das hilft.

Am Sonntag kommt Paris Saint-Germain nach Lens. Wie ist es, wenn Weltklassespieler wie Kylian Mbappé, Lionel Messi und Angel Di Maria auf einen zukommen?

Man hat vor jedem Spieler Respekt, aber gegen solche Weltklassespieler ist es noch einmal etwas Besonderes. Darauf hat jeder Spieler noch einmal mehr Bock. Das ist eben so. Ich freue mich extrem auf die Begegnung, für solche Vergleiche spiele ich Fußball. Weil ich genau dort hin will, wo diese Spieler sind. An solchen Begegnungen wächst man, man wird besser, bekommt mehr Erfahrung.

Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Wenn wir gut spielen, wird es auch für PSG schwer. Wir können immer ein Tor machen, egal, aus welcher Situation heraus. Ich glaube auch, dass sie mit Respekt kommen, immerhin spielen wir zuhause. Wenn wir ein gutes Spiel machen, ist ein Sieg möglich.

Kevin Danso und Markus Weinzierl

Zu Augsburger Zeiten: Kevin Danso und Markus Weinzierl. imago images/Krieger

Im August fühlte sich Kevin Danso in Augsburg nicht mehr wirklich gebraucht und wollte wechseln. Das Angebot aus Lens kam da wie gerufen, den Verantwortlichen des FC Augsburg war es jedoch zu niedrig. Danso erhielt die Freigabe nicht, fühlte sich mental nicht in der Lage zu spielen. Der Verein habe sein Wort gebrochen, habe nicht einmal auf das Angebot aus Lens reagiert - obwohl die Verantwortlichen das versprochen hatten. Dadurch, dass die Verhandlungen nicht aufgenommen worden waren, habe er Angst gehabt, dass Lens sich für einen anderen Spieler entscheidet. Er fühlte sich nach eigenem Bekunden nicht in der Lage zu spielen und nicht ernst genommen. Nach einem schwachen Trainingsauftritt stellte ihn Trainer Markus Weinzierl vor die Wahl: Wechsel ins Ausland zu einem laut Danso zu hohen, nach Angaben von Manager Stefan Reuter adäquaten Preis, mittrainieren und spielen oder Suspendierung.

Ihr Abgang aus Augsburg hat einige Wellen geschlagen. Was nehmen Sie aus der Zeit mit?

Mir wurde versprochen, dass der FCA sich mit einem Angebot beschäftigt, wenn es aus dem Ausland kommt. Das ist leider lange nicht passiert.  Das hat mich extrem enttäuscht, aber glücklicherweise ist es für alle Seiten gut ausgegangen und ich freue mich über jeden Erfolg von Augsburg. Ich denke nicht mehr viel darüber nach, die Sache ist für mich abgehakt. Ich bin jetzt hier in Lens und konzentriere mich auf meine Aufgaben hier. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen und nur das zählt.

Wie sind Sie auf Lens gekommen?

Viel bekomme ich da nicht mit, mein Bruder ist gleichzeitig mein Berater und kümmert sich um eingehende Angebote. Ich habe mich dann etwas eingelesen, habe die Leistungen in den vergangenen Jahren angeschaut und bin dann zu dem Entschluss gekommen, dass ich das machen will. Auch weil ich gemerkt habe, dass man mir hier zu 100 Prozent vertraut. Die französische Liga ist etwas Neues, sehr reizvoll und ich habe eine neue Aufgabe gebraucht, bei der ich mich beweisen kann.

Ich konzentriere mich erst einmal auf meine Leistungen in Lens und damit möchte ich mich für die Nationalmannschaft empfehlen.

Kevin Danso

Österreichs Nationalmannschaft spielt in den Play-offs zur WM-Endrunde gegen Wales. Sie haben Leute wie Hinteregger, Lienhart und Dragovic vor sich. Welche Ambitionen haben Sie bei der Nationalmannschaft?

Für mich ist das immer ein Ziel. Ich hatte das Glück, schon dabei gewesen zu sein. Jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf meine Leistungen in Lens und damit möchte ich mich für die Nationalmannschaft empfehlen. Die genannten Jungs sind durchweg Top-Verteidiger, aber wenn ich eine Top-Saison spiele, gehöre ich auch dazu. Der Rest kommt von alleine.

In Marseille wurde Dimitri Payet von einer Flasche getroffen, so etwas passierte in Frankreich nicht das erste Mal. Was sagen Sie zu den Fan-Unruhen?

Die Fans in Lens machen generell super Stimmung, sind sehr emotional bei der Sache. Wir Spieler lieben es, wenn Fans im Stadion sind, aber natürlich sollten solche Unruhen nicht passieren.

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In Clermont gab's lediglich ein 2:2. Was ging schief?

Es ist nicht einfach, in Clermont zu spielen, dementsprechend intensiv war das Spiel. Natürlich haben wir uns mehr erhofft - ein Sieg war auch drin. Aber so nehmen wir den Punkt mit und freuen uns auf die kommende Aufgabe gegen Paris.

Interview: Michael Postl