3. Liga

Dais siegt mit System

Sandhausen: Vom Abstiegskandidaten zum Tabellenführer

Dais siegt mit System

Gerd Dais

Zeigt den Weg nach oben: In der zweiten Amtszeit von Gerd Dais geht es mit Sandhausen steil aufwärts. imago

Dabei schien die Ehe zwischen Sandhausen und Dais vor 20 Monaten zerbrochen. Damals musste der Trainer wegen Erfolglosigkeit - auf Rang acht stehend! - gehen. Doch unter seinen Nachfolgern Frank Leicht und Pavel Dotchev ging es steil bergab.

Als der SVS am 14. Februar - es war der Valentinstag - die alte Liebe mit Dais wieder aufflammen ließ, war die Mannschaft ein Fall für die Intensivstation. In 24 Spielen hatte sie nur 21 Punkte geholt und stand auf einem Abstiegsplatz. Es fehlten die Hierarchie im Team und den verunsicherten Spielern der Glaube an sich selbst.

Trainersteckbrief Dais
Dais

Dais Gerd

"Die Mannschaft hatte die meisten Tore in der Liga kassiert", blickt Dais zurück, "es war klar, dass wir erst einmal die Defensive stärken mussten." Also beorderte der neue alte Coach den gerade von einer langen Verletzung genesenen Kristjan Glibo vor die Abwehr. Mit ihm als "Staubsauger" verlor Sandhausen seither nur ein Spiel - mit 1:4 in Oberhausen. Bei den Niederlagen in Offenbach (0:2) und im Pokal gegen Dortmund (0:3) fehlte er verletzt. Glibo ist der große Gewinner des neuen 4-1-4-1-Systems, Regis Dorn der Verlierer.

Dais opferte den Drittliga-Toptorjäger der Saison 2009/10, der seither nur noch als Joker zum Einsatz kommt. Denn Arbeitsbiene Frank Löning passt als einsame Spitze besser ins Konzept als Vollstrecker Dorn. "Wir mussten Maßnahmen treffen, ohne Rücksicht auf Namen oder die Vergangenheit", erklärt Dais. Das bekam auch Fredi Löhe zu spüren. Der junge Keeper musste seinen Platz für Daniel Ischdonat räumen, der eigentlich als Torwarttrainer gekommen war, unter Dais aber die unbestrittene Nummer 1 ist.

Anders als Vorgänger Dotchev, der munter durchwechselte, brachte Dais Kontinuität ins Team. Auch über die Saison hinaus. Die Mannschaft wurde nur punktuell verstärkt, die eingespielte Stammelf auf lediglich drei Positionen verändert. "Die Abläufe sind eingespielt", sagt Dais, "die Prozesse optimieren sich."

Auch weil der Trainer die Spieler dort aufbietet, wo sie am stärksten sind. "Frank Leicht und Pavel Dotchev haben zwar die richtigen Spieler geholt", sagt Präsident Jürgen Machmeier, "aber sie haben sie falsch eingesetzt oder falsch behandelt." Beispiel: Tim Danneberg. Der gelernte "Sechser" sorgt nun im offensiven Mittelfeld für Dynamik und Torgefahr. Das Dais’sche 4-1-4-1 ist nämlich keine Maurer-Taktik. Die Mannschaft spielt ansehnlich, müsste nur ihre vielen Chancen besser nutzen. Dann könnte sogar der Aufstieg in die 2. Liga gelingen.

Claus Weber