2. Bundesliga

Daferner: "Wegstreiken kam mir nicht in den Sinn"

Nürnbergs Neuzugang mit namhaftem Vorbild

Daferner: "Wegstreiken kam mir nicht in den Sinn"

Seit Anfang der Woche für den 1. FC Nürnberg an Ball: Christoph Daferner.

Seit Anfang der Woche für den 1. FC Nürnberg an Ball: Christoph Daferner. IMAGO/Zink

"Ich bin sehr froh darüber endlich hier zu sein", sagt Stürmer Christoph Daferner bei seiner öffentlichen Vorstellung am Dienstag im Trainingslager im südtirolischen Natz-Schabs.

Über Umwege zum nächsten Schritt

Für den 24-Jährigen, der in der vergangenen Saison für den Zweitliga-Absteiger beachtliche 13 Tore erzielte, soll der FCN "der nächste wichtige Schritt" nach oben auf der Karriereleiter sein. Eine Karriere, die für den bei 1860 München ausgebildeten Angreifer zunächst nur eine Richtung kannte: nach oben. Eine Kreuzbandriss brachte sie zum Stoppen, bei Freiburg II kam sie wieder in Schwung, um bei Aue aufgrund geringer Einsatzzeiten wieder in den Stopp-and-Go-Modus zu geraten. "All das waren wichtige Erfahrungen, sie haben mich auch persönlich weitergebracht", so Daferner.

Siehe die jüngste Zeit in Dresden: In diesen zwei Jahren war er dort nicht nur der Torschütze vom Dienst, sondern trotz seines jungen Alters auch einer der Führungsspieler. "Ich bin Dynamo auch sehr dankbar dafür. Deswegen ist es mir auch ganz wichtig, dass nichts hängengeblieben und es ein sauberer Abschied gewesen ist", sagt er und spielt damit auf den Umstand an, dass sein Transfer zwischenzeitlich zur Hängepartie wurde.

Klauß: "Wusste, dass Christoph nur zu uns will"

Mit dem Scheitern Dresdens in der Abstiegsrelegation gegen den FCK war klar, dass er nicht mit in die 3. Liga gehen würde. Diese feste Absicht war bei den Dynamo-Verantwortlichen hinterlegt, auch bereits mit dem Ziel, nach Nürnberg zu wechseln. Der Club stand seit Längerem im Kontakt mit ihm, führte nach dessen Aussage mit ihm "auch viele sehr gute Gespräche", sodass es letztlich nur eine Frage der Ablöse war. Diese jedoch zog sich, weil Dynamo ursprünglich sogar 1,5 Millionen Euro verlangte, der FCN aber nur 500.000 Euro zahlen wollte. So trat Daferner zunächst auch seinen Dienst in Dresden an, trainierte dort auch mit unverändertem Einsatz mit. "Mich wegstreiken zu wollen, kam mir überhaupt nicht in den Sinn. Das entspricht ganz und gar nicht meinem Naturell", so der Mann, der zwischen Augsburg und Ingolstadt aufgewachsen ist. Die Situation an sich empfand er dennoch als "ungewohnt".

Am vergangenen Sonntagabend zeichnete sich ab, dass besagte Situation zu einem guten Ende finden würde. Der Club akzeptierte die mittlerweile auf eine Million Euro gesunkene Ablöseforderung Dresdens - sehr zur Freude von Trainer Robert Klauß, der zwar mit dem Begriff "Wunschstürmer" nichts anfangen kann, aber klarmacht, dass "der FCN sich sehr lange mit ihm beschäftigten und lange in Kontakt standen". Anders ausgedrückt: Der Mittelstürmer Daferner spielt im sportlichen Konzept des FCN eine wichtige Rolle. Dass mit St. Pauli unlängst ein weiterer Interessent auftauchte, ließ Klauß nicht nervös werden: "Erstens hatte ich volles Vertrauen in Dieter Hecking (Sportvorstand; Anm. d. Red.) und Olaf Rebbe (Sportdirektor; Anm.d.Red.). Und zweitens wusste ich aufgrund der zahlreichen Gespräche, dass Christoph nur zu uns will."

Mario Gomez als Vorbild

Und so ging es ruckzuck. Am Sonntagabend erfolgte die mündliche Einigung der Vereine, am Montag das Unterschreiben der Verträge, und Montagmittag setzte sich Daferner ins Auto, um ins Nürnberger Trainingslager nach Südtirol zu düsen. Dass er dabei in Bayreuth in eine Vollsperrung geriet, sollte es dann aber mit den Hindernissen gewesen sein. Ab jetzt heißt es für den Angreifer volle Fahrt voraus zur schnellst möglichen Integration: "Ich möchte die Jungs kennenlernen, die Jungs sollen mich kennenlernen, deswegen brenne ich schon darauf, mit ihnen am Mittwoch erstmals auf dem Platz zu stehen." Über weitere Ziele will der 1,89-Meter-Mann, der Mario Gomez als sein Vorbild nennt und deswegen wie der ehemalige deutsche Nationalspieler die Nummer 33 auf dem Rücken trägt, gar nicht groß reden: "Die Integration hat absolute Priorität, alles andere ergibt sich von selbst."

Das mit dem Toreschießen zum Beispiel, auf das er sich aber nicht reduziert wissen will. Gegen den Ball arbeiten oder mit dem Rücken zur gegnerischen Abwehr eine verlässliche Anspielstation zu sein, sind Dinge, die er als ebenso wichtig in seinem Stürmerspiel ansieht. Kein Wunder, dass er sich nun auch keine Anzahl an Toren vorgenommen hat, "das habe ich noch nie gemacht und werde es auch nie tun". In erster Linie mannschaftsdienlich zu sein, passt auch zu seinem Wesen, das er selbst als "ruhig und manchmal auch als zu nachdenklich" beschreibt. Auf dem Platz freilich sieht es anders aus, ruhig ist er da eher wenig, und nachdenklich, "vor allem in der Box", überhaupt nicht.

Chris Biechele

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