Bundesliga

Covic und zwei externe Kandidaten: Trainer-Suche vorm Abschluss

Herthas U-23-Coach winkt die Beförderung

Covic und zwei externe Kandidaten: Trainer-Suche vorm Abschluss

Nachfolger von Pal Dardai? Ante Covic hat beste Chancen auf den Posten.

Nachfolger von Pal Dardai? Ante Covic hat beste Chancen auf den Posten. imago

Zuerst hatte die "Bild" in ihrer Dienstag-Ausgabe von der Personalie berichtet. Nach kicker-Informationen ist die Installierung von Covic noch nicht perfekt, allerdings soll es auf sie hinauslaufen. Hertha-Manager Michael Preetz hatte in einem kicker-Interview (Montag-Ausgabe) das Anforderungsprofil an den Neuen skizziert: "Wir wollen die DNA unseres Vereins behüten und werden weiter stark auf den Nachwuchs setzen."

Dafür steht Covic in jedem Fall: Er kennt den Klub als Spieler (1996 bis 2000 als Profi, 2003 bis 2010 in der zweiten Mannschaft) und als Trainer. Im letztlich erfolglosen Abstiegskampf 2012 diente er Otto Rehhagel als Co-Trainer, seit November 2013 coacht er erfolgreich die U 23 des Hauptstadtklubs - jenes Team, das einige im Klub gern abgemeldet hätten, wie das andere Profiklubs auch taten. Preetz aber setzte sich durch mit seinem Ansinnen, dieses Team in jedem Fall im Spielbetrieb zu halten - als Sprungbrett für Spieler aus dem U-Bereich, die wie etwa Jordan Torunarigha und Maximilian Mittelstädt die Regionalliga als wichtigen Zwischenschritt nutzen konnten, und jetzt womöglich auch als Sprungbrett für den Trainer.

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Trainersteckbrief Covic
Covic

Covic Ante

Trainersteckbrief Dardai
Dardai

Dardai Pal

Hertha BSC - Vereinsdaten
Hertha BSC

Gründungsdatum

25.07.1892

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Covic gilt als empathischer, akribischer, geradliniger Typ. Neben seiner Rolle bei der U 23, die in der Regionalliga Nordost aktuell auf Platz vier rangiert, ist er als Karriere-Coach in Herthas Akademie der Mann an der Schnittstelle zwischen dem Nachwuchs- und dem Männerbereich. In den vergangenen Jahren hatten ihn immer wieder Anfragen aus dem Profi-Fußball, u.a. von Zweitligist Erzgebirge Aue, erreicht - Covic blieb stets in Berlin.

Dardai hätte gern weitergemacht

Dardai, der sich nach den zwei ausstehenden Bundesliga-Spielen und der USA-Reise zum Saisonabschluss eine Auszeit nehmen und danach andernorts hospitieren will, soll - so sieht es der Vertrag vor - 2020 in Herthas Nachwuchs-Bereich zurückkehren. Allerdings sagte Preetz am Montag im kicker über Dardai: "Auf der Strecke bis dahin werden ganz sicher Angebote (von anderen Klubs; Anm.d.Red.) für ihn kommen. Was die in ihm auslösen, vermag ich nicht zu sagen." Fakt ist: Die Amtsmüdigkeit, die Herthas Bosse nach außen gern als einen der Gründe für die Trennung suggerieren, gab es bei Dardai nicht, jedenfalls nicht im kolportierten Maße. Der ehrgeizige Ungar hätte trotz der sportlichen Delle in der Rückrunde gern weitergemacht.

Dardai galt und gilt als Förderer der Talente. Allerdings, auch das wurde intern zunehmend zum Thema, hatten manche Jung-Profis einen erkennbar schwereren Stand als etwa sein eigener Sohn Palko. Mit Sidney Friede, der in der Rückrunde an den belgischen Erstligisten Mouscron ausgeliehen war und dort auftrumpfte, konnte Dardai nicht sonderlich viel anfangen, auch nicht mit den von Covic geschätzten und aktuell verliehenen Sturmtalenten Muhammed Kiprit (Wacker Innsbruck) und Maximilian Pronichev (Hallescher FC). Und auch der am Dienstag publik gewordene Weggang von Mittelfeldspieler Julius Kade zum Stadtrivalen Union Berlin ist ähnlich begründet: Kade, der Hertha bereits vor vier Wochen über seinen Weggang informierte, vermisste die Rückendeckung Dardais. Innenverteidiger-Talent Florian Baak, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, war zuletzt ebenfalls wechselwillig. Wäre Dardai Chef geblieben, wäre Baak in jedem Fall gegangen. Jetzt, heißt es aus seinem Umfeld, überlege er neu.

Covic hat gute Karten

Ante Covic und Pal Dardai

Folgt Ante Covic auf Pal Dardai? imago images

Die sich abzeichnende Beförderung des in Berlin geborenen Kroaten Covic mutet trotz des möglicherweise passenden Skillsets überraschend an. Zum einen hatte sich Covic bereits Hoffnungen auf den Chef-Posten gemacht, als Anfang Februar 2015 Jos Luhukay geschasst wurde - doch Preetz zog seinerzeit den damaligen U-15-Trainer Pal Dardai vor.

Zum anderen galt es nach den viereinhalb Jahren mit Dardai zuletzt als ausgemacht, dass ein externer Trainer neuen Wind entfachen und eine Art Aufbruchstimmung im Team erzeugen soll. Preetz hatte - sagen welche, die ihm in den vergangenen Wochen beruflich bei Personalgesprächen gegenübersaßen - eine Liste mit mindestens vier externen Kandidaten. Doch im einen oder anderen Fall war der Manager nicht restlos überzeugt, in anderen Fällen - wie im Fall von David Wagner, der Schalke zugesagt hat - war der Kandidat nicht zu bekommen.

Nach kicker-Informationen hatte sich Hertha im April bei den Beratern von Ajax Amsterdams Coach Erik ten Hag erkundigt - und sich eine Abfuhr eingehandelt. Auch zum früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann gab es - trotz aller Dementis - Kontakt. Doch der anfangs von Hertha angestrebte große Wurf ließ sich - zumindest bislang - nicht realisieren. Das begünstigte Covic, der zwar von Anfang an eine Option in Preetz' Planspielen war - aber zunächst eher als Außenseiter. Jetzt sind die vermeintlichen Favoriten fast ausnahmslos aus dem Rennen. Und Covic hat gute Karten.

Steffen Rohr

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