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Corona-Welle bei Paris St. Germain: Tuchels Start ins Schicksalsjahr

Profitiert Draxler von den vielen Ausfällen?

Corona-Welle bei PSG: Tuchels undankbarer Start ins Schicksalsjahr

Geht mit großen Personalsorgen in die neue Saison: PSG-Coach Thomas Tuchel.

Geht mit großen Personalsorgen in die neue Saison: PSG-Coach Thomas Tuchel. imago images

Nicht nur aufgrund des gewonnen Henkelpotts dürfte Thomas Tuchel dieser Tage neidisch nach München schauen. Während der Finalgegner von Lissabon sein Erstrundenmatch im DFB-Pokal erst im Oktober austragen muss und auch in der Bundesliga - wenn gewünscht - ein paar Tage zusätzliche Pause gewährt bekommen hatte, ist die Schonfrist für Paris St. Germain schon an diesem Donnerstag vorbei. 18 Tage nach dem verlorenen Endspiel muss Tuchel sein Team wieder in einer neuen Saison auf den Platz schicken, im Auswärtsspiel bei Aufsteiger Lens (21 Uhr, LIVE! bei kicker).

Dabei wäre der PSG-Coach wohl noch froh, wenn er sich über die mangelnde Regenerationszeit seiner Champions-League-Mannschaft beklagen könnte. Denn zum größten Teil kann sie gar nicht auf dem Platz stehen.

Sieben Spieler positiv: Neymar, Mbappé, di Maria & Co. fallen aus

Der französische Serienmeister wird zum Ligastart hart von der Corona-Pandemie getroffen, gleich sieben Leistungsträger wurden positiv auf das Virus getestet. Neymar, Mauro Icardi, Angel di Maria, Leandro Paredes, Keylor Navas und Marquinhos infizierten sich bei einem Ibiza-Trip nach dem Champions-League-Finale, Anfang dieser Woche folgte dann noch der positive Befund bei Kylian Mbappé. Bis auf Icardi standen alle Akteure in der Final-Startelf. Das Verhalten der Spieler und Verantwortlichen rückte naturgemäß medial in den Fokus, die Vereinsführung wurde kritisiert und kritisierte dann selbst. Es gibt einfachere Umstände für einen Saisonstart.

Am Sonntag wartet schon Marseille - der Fehlstart droht

Auch für Tuchel ist die Situation undankbar. Trotz des Finaleinzugs wird in Frankreich mitunter von einer Schicksalssaison für den deutschen Trainer gesprochen. Dass Sportdirektor Leonardo ihn spätestens im Anschluss daran gerne ersetzen würde, gilt als offenes Geheimnis. Misserfolge in der Liga, in die PSG mal wieder als haushoher Favorit startet, könnten ihm zum Verhängnis werden. Und bereits am Sonntag wartet in Olympique Marseille der wohl stärkste nationale Herausforderer.

Die positiv getesteten Spieler werden auch da nicht mit von der Partie sein, wie Tuchel am Mittwoch mitteilte. "Das ist zu früh", sagte er in der Pressekonferenz vor dem Lens-Spiel. "Wenn sie bis dahin wieder individuell trainieren können, wäre das schon ein großer Schritt." Da auch Kapitän Thiago Silva, den Tuchel gerne behalten hätte, nun abgewandert ist und für den FC Chelsea aufläuft, kann der PSG-Coach gegen Lens und Marseille gerade einmal vier Spieler aufstellen, die vor zweieinhalb Wochen gegen die Bayern begannen: Juan Bernat, Presnel Kimpembe, Thilo Kehrer und Ander Herrera.

Es wird wichtig sein, nicht zu viel zu erwarten.

Thomas Tuchel vor dem Saisonstart

"Das wird sehr hart", bekennt Tuchel. "Es wird wichtig sein, nicht zu viel zu erwarten." Es klingt fast schon wie eine Entschuldigung, bevor eine einzige Minute gespielt ist. Klar ist aber auch: Selbst mit der B-Elf ist PSG noch besser besetzt als fast alle anderen Teams in der Ligue 1, auch deutlich besser als Aufsteiger Lens. Julian Draxler, den Leonardo nach Informationen der "L'Équipe" gerne von der Gehaltsliste streichen würde, bekommt nach einer Saison als Dauer-Reservist (nur sieben Startelf-Einsätze) wohl mal wieder die Möglichkeit, sich zu zeigen; auch der formschwache Marco Verratti könnte wieder zu wertvollen Einsatzminuten kommen.

Große Personalsorgen im Tor und im Sturm

Ernsthafte Personalsorgen hat Tuchel jedoch ganz hinten und ganz vorne. Navas-Vertreter Sergio Rico ist wegen Wechselmodalitäten gegen Lens nicht spielberechtigt, sodass der 20 Jahre alte Pole Marcin Bulka (bislang ein Einsatz in der Ligue 1) zwischen den Pfosten stehen wird.

Und im Sturm fehlt nach den Ausfällen von Neymar, Mbappé und Icardi sowie dem Abgang von Edinson Cavani eine zentrale Kraft. Der Vertrag von Eric-Maxim Choupo-Moting ist ausgelaufen. Laut Tuchel befinde man sich mit dem langjährigen Bundesligaprofi zwar in Gesprächen betreffend eines Verbleibs, doch gegen Lens wird der 31-Jährige definitiv nicht spielberechtigt sein. Bleibt als einziger Mittelstürmer nur noch der 18 Jahre alte Arnaud Kalimuendo, der noch nie ein Profi-Spiel absolviert hat - und selbst dessen Einsatz steht auf der Kippe. Der Nachwuchsstürmer kehrte angeschlagen von der französischen U-20-Nationalmannschaft zurück. Es scheint bei PSG derzeit nicht der Zeitpunkt für Attacke zu sein.

mib