2. Bundesliga

Club-Sponsor Zitzmann: "Da schauen wir nicht zu"

Neuer Partner will Fan-Fehlverhalten einen Riegel vorschieben

Club-Sponsor Zitzmann: "Da schauen wir nicht zu"

Ausstiegsklausel bei massiven Fan-Verfehlungen: Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherung.

Ausstiegsklausel bei massiven Fan-Verfehlungen: Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherung. imago

Nürnberg im Namen, die Burg im Logo und der Firmensitz im größten Bürogebäude der Stadt (Business Tower, 135 Meter hoch) ist quasi in der Nachbarschaft. Michael Meeske, kaufmännischer Vorstand beim FCN, spricht von "einer Partnerschaft, bei der alles passt und auf die der Club sich sehr freut". "Es kommt zusammen, was sehr gut zusammen passt - und dies zum ersten Mal seit 116 Jahren", schwärmte auch Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherung. Und auch zusammen bleibt?

Immerhin ließ sich das Versicherungsunternehmen vertraglich zusichern, bei massiven Verfehlungen der FCN-Anhänger aussteigen zu können. "Wir haben Klauseln in den Verträgen, die uns das ermöglichen. Da schauen wir nicht zu", stellt Zitzmann unmissverständlich klar, auch wenn für den Fall eines Ausstiegs des gerade erst gewonnenen Sponsor "sehr viel zusammenkommen muss".

1. FC Nürnberg - Vereinsdaten
1. FC Nürnberg

Gründungsdatum

04.05.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Club-Führung unter Zugzwang

Das Verhalten der Fans war in der Vergangenheit auch ein Grund (neben dem fehlenden Vertrauen in die frühere Führungsriege) dafür, dass die Nürnberger Versicherung um die naheliegende Sponsorplattform beim FCN einen weiten Bogen machte. Zitzmann bringt mit seiner kritischen Haltung gegenüber des "winzigen kleinen Anteils von Fans" auch die Führung des Club unter Zugzwang, allen voran den Aufsichtsrat. Dieses Gremium hatte dieses Problem immer sehr wachsweich gehandhabt. "Wir werden uns das nicht ewig bieten lassen", sagt auch Meeske in Richtung der wenigen unverbesserlichen Fans, wohlwissend, dass dann eine Minderheit Sanktionen für eine größere Fan-Gruppe zu verantworten hätte.

Erst jüngst trübte der Auftritt einiger Chaoten nach dem Freundschaftsspiel am vergangenen Sonntag gegen den Chemnitzer FC (1:1) im oberfränkischen Hof einmal mehr das Bild. Rund 50 Anhänger beider Vereine lieferten sich außerhalb des Stadions eine Massenschlägerei. Den neuen Sponsor dürfte das nur wenig erfreut haben. Schon in der Vergangenheit wurde der FCN durch das Fehlverhalten seiner Fans immer wieder auffällig. Alleine in der Saison 2015/16 musste der Verein 98.000 Euro an Strafgeldern bezahlen - so viel wie kein anderer Zweitligist, deutschlandweit ist dies der vierthöchste Wert.

Ausstieg bei Imageschaden

Der neue Hauptsponsor identifiziert sich mit anderen Werten und kommuniziert das auch offensiv in der Öffentlichkeit. "Bei allen großen Sponsoren ist es heutzutage üblich, dass sie bei einem drohenden Imageschaden aussteigen können", erklärt Meeske beschwichtigend. Beim Club steigt durch die Ausstiegsklausel freilich der Druck, die Fanszene in den Griff zu bekommen. Viele Ultras nehmen als Mitglieder Einfluss auf die Entscheidungen im Verein.

Das zarte Pflänzchen der Partnerschaft soll trotz des Zwischenfalls weiter gedeihen. Der Vertrag ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt - eine noch längerfristige Zusammenarbeit ist aber durchaus erwünscht. Natürlich vorausgesetzt, auch das transportierte Image passt genauso gut, wie der regionale Bezug.

cru/chb