2. Bundesliga

2. Bundesliga: Wie Christian Eichner den Karlsruher SC umkrempelte

Der Erfolg des KSC trägt klar die Handschrift seines Trainers

Christian Eichner: Ein Kommunikationstalent mit dem Drang zum Maximalen

Hört sich jede Meinung an, ohne einen Zick-Zack-Kurs zu fahren: Karlsruhes Trainer Christian Eichner.

Hört sich jede Meinung an, ohne einen Zick-Zack-Kurs zu fahren: Karlsruhes Trainer Christian Eichner. picture-alliance

Eichner hat aus dem Abstiegskandidaten KSC das punktbeste Team 2021 gemacht und ihn in Schlagdistanz zur Spitzengruppe geführt. Und als i-Tüpfelchen auf dieser außergewöhnlichen Geschichte: Der für all dies verantwortliche Eichner sorgte trotz einer höchst passablen Spielerkarriere nie für die ganz dicken Schlagzeilen - ein Held aus der zweiten Reihe so zu sagen.

Ein Held? Eichner ist das Gegenteil davon

So weit, so plakativ, denn den 38-Jährigen schüttelt es bei dem Begriff "Held" unweigerlich. Kein Wunder. So sieht er sich nicht, so verhält er sich nicht - er ist vielmehr das fleischgewordene Gegenteil davon. Unaufgeregt, umgänglich, respektvoll und geerdet kommt er daher. Unverändert, die Verantwortung hat ihm ebenso wenig anhaben können wie der Erfolg, der ihn nun ins Rampenlicht zerrt.

Doch der Reihe nach. Den in Sinsheim geborenen und aufgewachsenen Eichner fuhren die Eltern ab der C-Jugend Training für Training, Spiel für Spiel ins rund 60 Kilometer entfernte Karlsruhe. Dabei war damals nicht abzusehen, dass ihr Filius den Sprung schafft. Rein vom Talent her war es jedenfalls nicht zwangsläufig, dass er einmal in der Bundesliga aufschlagen müsste. Machte er aber, weil er lernbegierig war, fleißig sowieso und es so vermochte, das Maximum aus seinen Fähigkeiten herauszuholen.

Beim KSC gelang ihm 2005 der Sprung von der Zweiten zu den Profis. Unterstützt von seinem Mentor "Ede" Becker, dem damaligen Coach, avancierte er als lauf- und kampfstarker Verteidiger alsbald zum Publikumsliebling. Als die Badener 2009 aus der Bundesliga abstiegen, endete nach acht Jahren seine erste KSC-Zeit. Gut fünf Jahre später wiederum beendete im Januar 2015 nach den Stationen TSG Hoffenheim, 1. FC Köln und MSV Duisburg eine Knieverletzung seine aktive Karriere.

Die zweite Kariere begann als "Co" der U 17

Als er gut eineinhalb Jahre später als Co-Trainer der U 17 zum KSC zurückkehrte, begann die zweite Karriere im Fußballerleben des Christian Eichner. Zu jenem Zeitpunkt hatte er dies weder geplant noch gewusst. Für ihn wäre es ebenso vorstellbar gewesen, als Lehrer zu arbeiten und dem Fußball nur nebenbei treu zu bleiben. Schließlich hatte er ein abgeschlossenes Studium in Ethik, Mathematik und Geographie in der Tasche - das Fach Sport hatte er bewusst nicht gewählt, mit dem Geräteturnen haben es die Fußballer in der Regel nicht so. Das aber nur am Rande, zurück zum fertigen Lehramtsstudium: Ein Referendariat fehlte ihm noch. Dass er es nicht machen würde, war ihm im Sommer 2016 noch nicht klar. Es stand übrigens auch die Option Fußball-Management im Raum, ein entsprechendes Fernstudium hatte er absolviert.

Mission Klassenerhalt geschafft - versüßt mit einem neuen Vertrag für Christian Eichner.

Mission Klassenerhalt geschafft - versüßt mit einem neuen Vertrag für Christian Eichner. picture alliance

Es ist letztendlich dann doch der Beruf des Trainers geworden, nachdem die Dinge eine ungeahnte Dynamik genommen hatten. Im August 2017, gut ein Jahr nach seinem Trainereinstieg, rückte er interimsweise zu den in der 3. Liga spielenden Profis auf - und als neun Tage später Alois Schwartz als Cheftrainer verpflichtet wurde, ist er dort dann als Co-Trainer geblieben. Rund zweieinhalb Jahre später wiederum hat Eichner dann das Kommando übertragen bekommen, nachdem Schwartz im Februar 2020 hatte gehen müssen, weil der sofortige Abstieg drohte. Der KSC startete zwar als Aufsteiger glänzend, stand nach dem 20. Spieltag aber auf dem vorletzten Platz. Die Mission "Klassenerhalt" erfüllte Eichner, indem seine Elf den 1.FC Nürnberg am allerletzten Spieltag auf den Relegationsplatz drückte - als Lohn erhielt er einen bis 2022 datierten Vertrag als Cheftrainer.

Eine Entscheidung, die dem KSC im Wortsinn auf die Sprünge half, obwohl es zunächst gar nicht danach aussah. Die Badener starteten miserabel, sie verloren, das Pokalspiel gegen Union inklusive, ihre ersten vier Pflichtspiele, ohne ein eignes Tor zu erzielen. Eine Null-Diät, die Eichners Saisondevise "jünger, mutiger und schneller" auf dem Ergebnistableau früh zu konterkarieren drohte. Ihn selbst indes ficht dies gar nicht an, er sah vielmehr, dass die Mannschaft weitaus besser unterwegs war, als es die nackten Ergebnisse besagten - ähnlich nüchtern beurteilt er nun übrigens die Erfolgsserie in diesem Jahr in dem Wissen, dass gerade im Januar die vielen engen Spiele auch auf des Gegners Seite hätten kippen können.

Ein Remis steht auf dem Index

Alles viel Glück also? Nun ja, Glück ist dabei gewesen, allerdings hat sich der KSC diesen Lauf, heutzutage gerne als Momentum bezeichnet, auch hart erarbeitet. Dank Eichner, den die anfängliche Misserfolgsserie keinen Deut von seinem Vorhaben abrücken ließ, dem KSC einen mutigeren Spielstil zu verpassen. Er trichterte seinen einst als Defensivkünstlern verschrienen Schützlingen ein, viel früher zu stören, geschlossener den Vorwärtsgang einzulegen und sich ja nicht nur mit einem Remis zufrieden zu geben.

Alle Trainingsformen zielen genau darauf ab, doch der Hauptschlüssel zur erfolgreichen Transformation ist ein anderer: Eichners Gabe mit Menschen umzugehen, sie zu überzeugen, ihre Stärken zu erkennen, diese herauszukitzeln und zusammenzuführen. "Er nimmt jeden Spieler, wie er ist", fasst der von ihm zum Kapitän gemachte Jerome Gondorf die große Kommunikationsgabe seines Trainers zusammen.

Er nimmt jeden Spieler, wie er ist.

KSC-Kapitän Jerome Gondorf

Dies beinhaltet auch, dass Eichner sich jede Meinung anhört, diese dann abwägt, sie auch berücksichtigt, wenn er es für angebracht hält - ohne aber einen Zick-Zack-Kurs zu fahren. Alles in allem hat er bei seiner Mannschaft etwas geschafft, was ihm auch in seiner aktiven Karriere gelungen ist: das Maximale herauszuholen. Es gibt Vereine in der Liga, deren Kader eine weitaus höhere individuelle Klasse besitzt als der des KSC, doch in Sachen stimmige mannschaftliche Geschlossenheit sind die Badener ihrem Tabellenstand gemäß ganz oben dabei.

Dies wiederum ist fraglos ein Verdienst Eichners, der gar nicht mit aller Macht Trainer werden wollte und nun einer der beachtetsten in Fußball-Deutschland ist.

Christian Biechele

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