Nordost

Chris Löwe im Interview: "Es hat von Beginn an gepasst"

Mit dem CFC zurück in Liga 3?

Chris Löwe im Interview: "Es hat von Beginn an gepasst"

Die ersten beiden Spiele von Chris Löwe im CFC-Dress verliefen nicht nach Plan.

Die ersten beiden Spiele von Chris Löwe im CFC-Dress verliefen nicht nach Plan. IMAGO/Picture Point

Seit Anfang September spielt der verlorene Sohn wieder für den Chemnitzer FC. Mittrainiert hatte der Abwehrspieler zuvor schon mehrere Wochen. "Es kam im Juli die Anfrage, ob er sich bei uns fit halten kann, weil er in der Nähe wohnt. Dass sich die Sache dann so entwickelt und Chris hier wieder Spieler sein wird, hat keiner im Verein damals erwartet", verriet Trainer Christian Tiffert. Sportlich hat sich die Verpflichtung des 33 Jahre alten ehemaligen Bundesliga-, Premier-League- und Zweitliga-Profis (Borussia Dortmund, 1. FC Kaiserslautern, Huddersfield Town, Dynamo Dresden), der den Verein im Sommer 2011 verlassen hatte und im Jahr darauf mit Dortmund die Deutsche Meisterschaft und den Pokalsieg feiern konnte, noch nicht ausgezahlt. Die Spiele gegen Erfurt (0:3) und Cottbus (1:3) gingen verloren.

Herr Löwe, war die Rückkehr zu Ihrem Heimatverein reiner Zufall oder Teil Ihres Karriereplans?

In meinem Kopf hat die Rückkehr zum CFC immer eine Rolle gespielt. Dass es bereits in diesem Sommer dazu kam, war dann doch eher ein Zufall.

Trainer Christian Tiffert sagt, zwischen Ihnen und der Mannschaft plus Trainerteam habe es vom ersten Tag an gepasst.

Ich habe vor meiner Vertragsunterschrift etwa acht Wochen mitttrainiert. Ich denke, es war für beide Seiten sehr wichtig, sich kennenzulernen. Vielleicht war gegenüber mir eine gewisse Skepsis da, weil mich die meisten nicht persönlich kannten und ich in meiner Karriere ein bisschen was erlebt habe. Doch es gab keinerlei Berührungsängste. Die Jungs und ich sind sehr gut miteinander zurechtgekommen. Es hat von Beginn an einfach gepasst. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Auf dem Platz war Ihr Einstand beim CFC allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Zwei Niederlagen, sechs Gegentore: Wie ärgerlich war das für Sie?

Das hatten wir uns alle natürlich anders vorgestellt. Nach den Ergebnissen und meiner Verpflichtung war eine gewisse Euphorie da. Die hat mit den beiden deutlichen Niederlagen einen Dämpfer bekommen. Wir waren in beiden Spielen vorn und hinten zu inkonsequent. Beide Gegner haben diese Fehler konsequent bestraft.

Ist die Regionalliga Nordost stärker, als Sie es erwartet haben?

Dass einige Mannschaften gut kicken und gut mit dem Ball umgehen können, hat mich nicht überrascht. Ich sehe ja auch das Trainingsniveau hier beim CFC, das wirklich sehr gut ist. Den größten Unterschied zur 2. oder 3. Liga sehe ich in erster Linie in der Handlungsschnelligkeit auf dem Platz.

In der Liga warten nun mit Chemie Leipzig und der VSG Altglienicke zwei schwere Brocken. Wie kriegt der CFC wieder die Kurve?

Wir müssen kleine Schritte gehen und uns erst einmal wieder darauf besinnen, was uns in den vergangenen Monaten stark gemacht hat. Das ist das konsequente Verteidigen. Und wir müssen in der gegnerischen Hälfte mehr Situationen erzwingen, den zweiten Ball gewinnen. Dort sind nicht spielerische Glanzstücke gefragt, sondern die Basics. Wir haben eine gute Mannschaft. Wenn wir unsere Qualität abrufen, reicht es. Wenn nicht, gehen wir als Verlierer vom Platz.

Sie haben bis Sommer 2024 unterschrieben. 2011 verabschiedeten Sie sich mit dem Drittliga-Aufstieg Richtung Dortmund. Schaffen Sie das noch einmal mit dem CFC?

Ich würde mir natürlich wünschen, dass meine Fußballer-Karriere hier in Chemnitz so enden würde. Da müssen viele Dinge zusammenkommen und zusammenpassen. Diese Saison muss der Meister in die Relegation. 2024 steigt der Erste direkt auf, darauf werden viele Vereine setzen. Ich sehe den CFC seit einigen Monaten auf einem sehr guten Weg, wünsche dem Verein die Rückkehr in die 3. Liga. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, sage aber auch: Ein Aufstieg ist nicht planbar.

Sie haben Auf- und Abstiege miterlebt, haben das Double gewonnen, mit Huddersfield in der Premier League gespielt. Welches Erlebnis ist besonders haften geblieben?

Das war das Finale der Play-offs im Mai 2017 gegen den FC Reading im legendären Wembley-Stadion. Wir haben im Elfmeterschießen 4:3 gewonnen. Die Emotionen, als der entscheidende Elfmeter von Christopher Schindler im Tor landete und Huddersfield nach 45 Jahren in die Premier League zurückkehrte, sind unvergesslich und unbezahlbar. Das kommt sicher auch nie wieder.

Olaf Morgenstern