EM

Chiriches: "Abwehr ist Frankreichs größtes Problem"

Underdog Rumänien will den Partyschreck geben

Chiriches: "Abwehr ist Frankreichs größtes Problem"

Fühlt sich als Underdog pudelwohl: Rumäniens Kapitän Vlad Chiriches.

Fühlt sich als Underdog pudelwohl: Rumäniens Kapitän Vlad Chiriches. Getty Images

Die Grande Nation fiebert mit einer Mischung aus Anspannung wegen der Sicherheitsbedenken und totaler Euphorie angesichts der möglichen Titelchance ihrer Equipe Tricolore dem Anpfiff im Stade de France entgegen (21 Uhr, LIVE! bei kicker.de). Der vermeintliche Sparringspartner Rumänien aber lässt dieses Flirren in der Luft ziemlich kalt und wittert seine Chance. "Die Abwehr ist Frankreichs größtes Problem. Viele Spieler sind verletzt. Das wollen wir ausnutzen", sagte Rumäniens Kapitän Vlad Chiriches vor dem Duell im Ortsteil St. Denis.

Chiriches bezeichnet die Partie gegen die Franzosen als das "wichtigste Spiel meiner Karriere" - der Innenverteidiger vom SSC Neapel bestreitet am Freitag sein 42. Länderspiel und fühlt sich in der Rolle des Underdogs pudelwohl. Trainer-Routinier Anghel Iordanescu wirkte auf der abschließenden Pressekonferenz vollkommen gelassen. Mittelfeldspieler Gabriel Torje sagte, es sei "ein Vergnügen, in solch einer Arena zu spielen. Für uns bedeutet das Eröffnungsspiel keinen zusätzlichen Druck". Und Rumäniens Assistenztrainer Viorel Moldovan erinnert die Franzosen, dass "die Welt erwartet, dass sie das Turnier gewinnen". Unter dem Strich können die Südosteuropäer nur gewinnen.

Größtes Bollwerk der EM-Qualifikation

Die taktische Marschrichtung der Rumänen ist klar, die EM-Qualifikation lieferte in dieser Hinsicht offensichtliches Anschauungsmaterial. Defensiv ein Bollwerk, offensiv ein Lüftchen, entsprechend engmasching wird Trainer Iordanescu sein Team agieren lassen. Mit nur zwei Gegentoren in zehn Spielen kassierte der EM-Viertelfinalist von 2000 die wenigsten Treffer aller Teams in der Qualifikation für die EM. "Es ist nicht einfach, gegen sie ein Tor zu machen", stellte schon der spanische Welt- und Europameistertrainer Vicente del Bosque nach einem 0:0 gegen die Rumänen in einem Länderspiel im März anerkennend fest. Allerdings gelangen in den zehn EM-Qualifikationsspielen der harmlosen Offensive gerade einmal elf Tore. Kein Wunder, dass die rund 400 Fans jeden erfolgreichen Abschluss ihrer Mannschaft beim Torschusstraining im EM-Quartier in Orry-la-Ville fast schon frenetisch bejubelten.

Trainer Iordanescu verzichtet auf Stars

Rumänien kommt über das Kollektiv: Große Stars sind in der Mannschaft vom Balkan nicht zu finden. Das musste besonders schmerzhaft der Stuttgarter Techniker Alexandru Maxim erfahren, der vor der EM ausgemustert wurde, was beim Freistoßspezialisten großes Unverständnis hervorrief. Allerdings: Von den sechs Länderspielen Rumäniens im Jahr 2016 bestritt der 25-Jährige nur zwei (gegen DR Kongo, 1:1 und gegen Ukraine, 3:4), diese allerdings direkt vor dem offiziellen Nominierungstermin am 31. Mai.

Beim letzten EM-Test, dem 5:1-Kantersieg gegen Georgien, war Maxim bereits ausgebootet und seine Kollegen sammelten viel Selbstvertrauen. "Wir spielen gegen einen der großen Favoriten, wir sind aber durchaus optimistisch", sagte Iordanescu, der ankündigte, "nicht nur defensiv zu spielen". Dabei kann der Coach seine beste Formation aufbieten, auch der zuletzt angeschlagene Stürmer Florin Andone meldete sich rechtzeitig fit - in der Startelf taucht der Stürmer vom spanischen Zweitligisten FC Cordoba aber wohl nicht auf.

Meine Teilnahme an der EURO 2008 wird mir helfen, meine Emotionen am Freitag im Griff zu haben.

Razvan Rat

Gesetzt auf der linken Abwehrseite ist hingegen Razvan Rat, der Routinier mahnte seine Mitspieler, sich gegen den "stärksten Gegner der Gruppe nicht zu verstecken". Der 35-Jährige von Rayo Vallecano ist mit 111 Länderspielen der mit Abstand erfahrenste Profi im Kader. "Meine Teilnahme an der EURO 2008 wird mir helfen, meine Emotionen am Freitag im Griff zu haben", ergänzte Rat. Beste Voraussetzungen also, um den Partyschreck zu geben.

bst