Champions League

Chelseas "brutale Lektion" gegen Bayern: Nach Abpfiff wird es noch schlimmer

Lampards Ansatz gegen Bayern missglückt

Chelseas "brutale Lektion": Nach dem Abpfiff wird es noch schlimmer

Abendliche Lehrstunde: Tammy Abraham, Mateo Kovacic & Co. standen mit Chelsea gegen Bayern auf verlorenem Posten.

Abendliche Lehrstunde: Tammy Abraham, Mateo Kovacic & Co. standen mit Chelsea gegen Bayern auf verlorenem Posten. picture alliance

Mancher hatte damit gerechnet, dass der FC Bayern Chelsea die Grenzen aufzeigen, dass dieses Champions-League-Achtelfinalhinspiel für die Blues zur Unzeit kommen würde; dass es keine bessere Gelegenheit für Robert Lewandowski geben könnte, seine Misere in K.-o.-Spielen zu beenden.

Nur mit einem hatte wirklich niemand gerechnet: dass Chelseas Startelf tatsächlich älter sein würde als die der Bayern.

Dass es dennoch so kam, war gleichzeitig ziemlich verständlich und ziemlich seltsam. Trainer Frank Lampard, der schon ganz gut weiß, worauf es in K.-o.-Spielen ankommt, wollte den Bayern mit einer der ältesten Formationen seiner Amtszeit - 27,2 Jahre gegenüber Bayerns 26,7 - das bisschen Champions-League-Erfahrung entgegensetzen, das in seinem jungen Kader zu finden war. Es misslang.

Für Chelsea war es die höchste Heimniederlage im Europapokal

"Es war eine brutale Lektion, ein Realitätscheck", befand Lampard nach dem 0:3 selbst. "Viele der Spieler heute haben entweder noch nie auf dem Niveau gespielt - vielleicht in der Europa League, aber das ist ein großer Unterschied - oder zuletzt vor ein paar Jahren und mit Sicherheit nicht, als wir mit Chelsea im Halbfinale oder Finale waren oder gar triumphiert haben."

Die Blues kassierten ihre höchste Heimniederlage im Europapokal, weil die Bayern sie "in so ziemlich allen Bereichen deklassiert haben", seufzte Lampard. "Es war ganz schön ernüchternd." Aber so sei nun mal "der Fußball auf diesem Level. Das Level der Bayern war fantastisch."

Während Abraham als Joker furchtlos spielte, zeigten die Routiniers Nerven

Ob es anders gelaufen wäre, wenn er selbst mehr Mut gezeigt hätte, bleibt sehr fraglich, betrachtet man die Krater, die Chelseas und Bayerns Verfassung gerade trennen. Und doch wäre es einen Versuch wert gewesen. Mit seinen "Kids" hatte Lampard schließlich schon in der Gruppenphase für Furore gesorgt, etwa in Amsterdam gewonnen (1:0) und zuhause gegen Ajax ein 4:4 kredenzt.

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Tammy Abraham (22), der am Dienstagabend nach einer Stunde für den kaum eingebundenen Olivier Giroud (33) gekommen war, warf sich den Bayern jedenfalls furchtlos entgegen, während einige der Routiniers die Reife vermissen ließen, die sich Lampard von ihnen versprochen haben dürfte.

Jorginho (28) nämlich holte sich fürs Meckern eine Gelbsperre ab (Lampard: "Die sollte man nicht bekommen, wenn man bereits auf der Kippe steht"), Marcos Alonso sah für seinen Frust-Ellenbogenschlag gegen Lewandowski Rot. "Das ist wirklich dumm von einem erfahrenen Spieler", schüttelte da nicht nur TV-Experte Rio Ferdinand den Kopf. "Das kann man einfach nicht machen."

Im Rückspiel wird Lampard zur Jugend gezwungen - zu spät?

Dass Lampard damit im Rückspiel (18.3.) zu einem neuen, jüngeren Ansatz gezwungen wird, kommt zu spät und würde gegen diese Bayern wohl auch ohne 0:3-Hypothek nicht viel ausrichten. "Mit viel Stolz" will der Trainer in München auftreten, vorher aber erst einmal seine Mannschaft irgendwie auf dem vierten Platz in der Premier League halten.

Umso schmerzhafter war für Chelsea, was sich nach dem Bayern-Spiel an der Stamford Bridge ereignete: Toptorjäger Abraham verletzte sich beim Auslaufen, offenbar am Oberschenkel. Dass das an diesem Abend fast noch schlimmer wog als die 90 Minuten zuvor, zeigt den Zustand, in dem sich die Blues inzwischen befinden: Zu den großen Nummern in Europa zählen sie schon länger nicht mehr. "Die Bayern", notierte der "Telegraph", "gehören in eine ganz andere Kategorie."

jpe

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