Bundesliga

Borussia Dortmund: Cans entschlossene Reaktion vor dem Topspiel

Entspanntere Personallage, aber offene Zuschauerfrage in Dortmund

Cans entschlossene Reaktion vor dem Topspiel

Trifft am Samstag auf seinen Ex-Klub: Emre Can.

Trifft am Samstag auf seinen Ex-Klub: Emre Can. imago images/Christian Schroedter

Der Druck, der auf den Schultern der Spieler und Verantwortlichen von Borussia Dortmund lastete, war groß am vergangenen Samstag. Es wurde eine Reaktion erwartet auf die 1:3-Niederlage bei Sporting Lissabon, die das Aus in der Champions League bedeutete. Nicht zuletzt von Emre Can, der seiner Mannschaft in Portugal durch seinen unnötigen Platzverweis in der Schlussphase einen Bärendienst erwiesen hatte. Und der 27-Jährige lieferte.

Vor dem Strafstoß beim Stand von 0:1 schnappte sich der Nationalspieler entschlossen den Ball - und versenkte ihn zum wichtigen Ausgleich. Doch nicht nur deshalb rehabilitierte sich Can. Gemeinsam mit Mahmoud Dahoud setzte er auch abseits seines Treffers Akzente, überzeugte kämpferisch wie spielerisch in der Zentrale. "Wir wollten unbedingt Frische bringen", begründete BVB-Trainer Marco Rose die Aufstellung von Can und Dahoud, die einherging mit einem Verzicht auf Routinier Axel Witsel. Es war ein Risiko, weil beide zuletzt wochenlang ausgefallen waren, aber eins, das sich letztlich auszahlte. "Sie haben uns Stabilität und Fußball gegeben, ähnlich wie Axel über viele Spiele auch in den vergangenen Wochen", lobte Rose, der sich wieder über Alternativen in seinem Kader freuen darf.

Bellingham ist noch nicht abgeschrieben

Anders als in den Wochen zuvor stellt sich die Mannschaft vor dem bevorstehenden Duell mit dem FC Bayern nicht mehr von selbst auf. Und allein die Tatsache, dass Erling Haaland nach seinem erfolgreichen Kurzeinsatz gegen die "Wölfe" (ein Tor) wieder von Beginn an zur Verfügung stehen dürfte, erhöht die Zuversicht auf Seiten der Schwarz-Gelben. In Raphael Guerreiro und Youssoufa Moukoko, der für Dortmunds U 23 beim 0:0 gegen Kaiserslautern am Wochenende 62 Minuten auf dem Feld stand, ist zudem mit zwei weiteren Rückkehrern zu rechnen. Bei Jude Bellingham (Knieprobleme) haben die Borussen die Hoffnung auf ein Comeback gegen München noch nicht völlig aufgegeben.

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Der Sieg in Wolfsburg, der der aufkeimenden Kritik in den Tagen zuvor den Wind aus den Segeln nahm, war zudem ein Segen fürs Selbstvertrauen und fürs Selbstverständnis der Borussia, die diesmal auch von dem frühen Gegentreffer nicht aus der Bahn geworfen wurde. "Es war sehr wichtig, dass wir danach weiter Fußball gespielt haben", sagte Can, "das war in den vergangenen Wochen nicht immer so." Am Samstag aber habe man "einfach nur gewinnen wollen" - und diese Entschlossenheit äußerte sich in Wolfsburg tatsächlich auf dem Rasen.

Wieviele Fans dürfen ins Stadion?

Mit einem Zähler Rückstand und neuem Rückenwind geht der BVB nun in das Heimspiel gegen die Bayern. Noch offen ist allerdings, vor wie vielen Zuschauern die Partie stattfinden wird. Nach den Diskussionen um die 50.000 Fans beim Derby zwischen Köln und Mönchengladbach und angesichts zahlreicher Äußerungen aus der Politik - nicht zuletzt von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst - scheint es schwer vorstellbar, dass wie geplant 67.000 Fans in den Signal Iduna Park dürfen. Eine Entscheidung über eine mögliche Verringerung der Kapazität könnte bereits am Dienstag fallen, wenn sich die Ministerpräsidenten mit der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem designierten Nachfolger Olaf Scholz in einer Telefonkonferenz zusammenschalten.

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Can wird - Stand heute - in jedem Fall dabei sein. Und das als Aktiver. Worauf es gegen den Rekordmeister ankommen wird, skizzierte er bereits in Wolfsburg: "Das Wichtigste ist, dass wir füreinander gekämpft und als Mannschaft gespielt haben", sagte er nach dem Auswärtserfolg. Ähnlich müsse es auch gegen den FC Bayern sein. "Dafür müssen wir vorher hart arbeiten und uns gut vorbereiten. Uns muss allen bewusst sein, wie wichtig das Spiel ist. Dann werden wir sehen, was passiert."

Dass noch Arbeit auf die Borussia wartet, verhehlte auch nach dem wichtigen Erfolg in Wolfsburg niemand. So gut sich das Tabellenbild in der Bundesliga derzeit darstellt, das Aus in der Königsklasse schmerzt weiterhin - und nicht alle spielerischen Mängel sind behoben. "Wenn man unsere Saison bisher sieht", gab Rose zu, "dann müssen wir uns verbessern. So ehrlich muss man sein."

Wenn der BVB nach dem freien Montag am Dienstag die Arbeit wieder aufnimmt, bleiben vor dem Topspiel immerhin vier volle Tage Zeit dazu.

Matthias Dersch