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Calhanoglu sauer: "Der Referee war der Mann des Spiels"

Milan-Coach Gattuso reagiert besonnen und soll bleiben

Calhanoglu sauer: "Der Referee war der Mann des Spiels"

Zwischen Freude und Entsetzen: Kurz nach seinem Tor musste Hakan Calhanoglu mit ansehen, wie Danny Welbeck abhob.

Zwischen Freude und Entsetzen: Kurz nach seinem Tor musste Hakan Calhanoglu mit ansehen, wie Danny Welbeck abhob. Getty Images

Ein Sprint Richtung Grundlinie, ein vermeintlicher Kontakt von Ricardo Rodriguez - und eine Schwalbe von Arsenal-Stürmer Danny Welbeck. All das machte den guten Auftritt von Milan am späten Donnerstagabend im Emirates Stadium binnen Sekundenbruchteilen zunichte - und ließ den Traum von einer Aufholjagd nach dem 0:2 im Hinspiel lautstark platzen. Das konnte man beinahe hören.

Sehen konnte man das Entsetzen auf jeden Fall - im Gesicht von "Übeltäter" Rodriguez, im Gesicht von AC-Torwart Gianluigi Donnarumma, der sich die Hände vors Gesicht schlug, im Gesicht von Kapitän Leonardo Bonucci, der mit Kollegen vehement protestierte, und im Gesicht von Coach Gennaro Gattuso, der zum vierten Offiziellen rannte. Doch der schwedische Schiedsrichter Jonas Eriksson entschied sich nach kurzer Verzögerung und kurzer Rücksprache mit seinem Torrichter, der einen klaren Kontakt an Welbeck gesehen haben wollte, für einen Strafstoß. Die falsche Entscheidung. Ein Fehler, der die Rolle von Torrichtern auf ein Neues hinterfragte. Und eine, die sportliche Folgen hatte: Denn Welbeck selbst trat im Anschluss an, verwandelte sicher und tütete das Arsenal-Weiterkommen ein.

Denn im Anschluss schlichen die Mailänder Profis in Richtung Kabine - einige wollten sich nochmals beim Referee beschweren und wurden dabei von einem relativ besonnenen Coach Gattuso gebremst. Sie wussten, dass sie mit diesem Gegentor eher nichts mehr reißen würden. Die zweite Halbzeit verkam so letztlich zu einem interessanten Kick, der nach zahlreichen Chancen auf beiden Seiten am Ende mit 3:1 pro Arsenal ausfiel. Und die Auslosung des Europa-League-Viertelfinals am Donnerstag, sie fiel ohne Milan-Beteiligung aus.

Möglicherweise hatten wir in dieser Situation etwas Glück.

Arsene Wenger zum Elfmeter

Insgesamt, das soll nicht unerwähnt bleiben, zogen die von Arsene Wenger trainierten Gunners, vor allem aufgrund des 2:0-Hinspielsieges verdient eine Runde weiter. Allerdings verlieh jene Schwalbe dem Rückspiel eine unschöne Note - schließlich deutete auch Coach Wenger gegenüber "Sky Sport Italia" an, dass es wohl kein Foul an seinem Stürmer gegeben habe: "Ich weiß es nicht genau, ob es ein Elfmeter war oder nicht. Möglicherweise hatten wir in dieser Situation etwas Glück, das weiß ich nicht so genau."

Der Elfmeterpfiff brennt sich in Calhanoglus Gehirn

Torschütze Calhanoglu, der unter Gattuso aufblüht, vertrat dabei eine deutlichere Meinung - und zeigte sich gegenüber "Milan-TV" mächtig entrüstet: "Wir haben heute gut gespielt - was hier in London überhaupt nicht leicht ist. Wir sind sogar in Führung gegangen - und haben dann ein unglaubliches Gegentor kassiert. Das ist alles andere als normal, so etwas in der Europa League zu sehen." Damit spielte der frühere Hamburger und Leverkusener natürlich auf den Schiedsrichter und seine fatale Entscheidung an: "Ricardo Rodriguez hat ihn (Welbeck; Anm.d.Red.) nicht berührt. Doch für den Referee war das ein klarer Elfmeter?! Das hat am Ende das Spiel beeinflusst, das ist offensichtlich. Für mich war der Referee der Spieler des Spiels - und das werde ich niemals vergessen."

Spielberichte

Auch in England fand der erfolgreiche Täuschungsversuch seine Kritiker. England-Legende Gary Lineker twitterte: "Eine krasse Schwalbe". Der TV-Experte und ehemalige Premier-League-Profi Jermaine Jenas (u.a. Tottenham) nannte es "Betrug" und der "Mirror" sprach von einem "beschämenden Moment, der ein tolles Resultat gegen einen von Europas Topklubs überschattete".

Gattuso sucht "keine Alibis"

Gennaro Gattuso

Richtete den Blick nicht auf den Schiedsrichter, sondern auf die kommenden Aufgaben: Milan-Coach Gennaro Gattuso. Getty Images

Calhanoglus Trainer Gattuso, eigentlich für emotionale Gesten oder Aussagen bekannt, war derweil die Ruhe in Person. Der 40-Jährige sagte über den Fehler des Referees: "Ich möchte nicht über Schiedsrichter reden. Sie können genauso wie Spieler Fehler machen. Ich will den Elfmeter nicht als Alibi nutzen. Wir haben das mögliche Weiterkommen schon beim Hinspiel verspielt. Ich suche keine Alibis."

Vielmehr richtete Gattuso den Blick schnell wieder voraus. Schließlich gelte es in der Serie A am Sonntag (15 Uhr) im Duell mit Chievo Verona, den nächsten Sieg nachzulegen, um zumindest die erneute Qualifikation für die Europa League einzutüten - oder gar noch einen Angriff Richtung Königsklasse starten zu können. Neun Ligaspiele ohne Niederlage sowie vier Zu-Null-Siege in Folge können sich mehr als sehen lassen. Außerdem steht für die Rossoneri auch noch das Pokalfinale gegen Juventus Turin an. Und da verlangt der Trainer der Lombarden mehr Konzentration, als nach der Halbzeitpause in London an den Tag gelegt wurde. "Was mich geärgert hat, ist, dass wir nach dem 1:2 aufgegeben haben und uns noch das 1:3 gefangen haben", so Gattuso. "Wir dürfen in solchen Situationen nicht die Köpfe hängen lassen. Wir müssen bis zur 90. Minute voll bei der Sache sein. Wir müssen da weitermachen."

Reichlich Arbeit also noch in dieser Saison für Gattuso, der laut Sportdirektor Massimiliano Mirabelli "für viele Jahre Trainer bei Milan bleiben soll": "Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir mit Rino weitermachen wollen. In ein paar Tagen wollen wir uns mit ihm zusammensetzen."

mag

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