Champions League

BVB: Wie Robinson Crusoe zurück in der Realität

Borussia Dortmund in Madrid seltsam harmlos

BVB: Wie Robinson Crusoe zurück in der Realität

Die Dortmunder Witsel und Delaney sind nach dem 0:2 bedient, hinten jubelt Atleticos Griezmann.

Die Dortmunder Witsel und Delaney sind nach dem 0:2 bedient, hinten jubelt Atleticos Griezmann. imago

Aus Madrid berichtet Thomas Hennecke

Gleichzeitig relativierte der Leiter der Lizenzspieler-Abteilung den ersten Fehltritt der Saison: "Wir müssen auch das Niveau von Atletico berücksichtigen. Das ist eine Mannschaft mit großer Klasse und großer Erfahrung."

Streckenweise 70 Prozent Ballbesitz (am Ende: 63 Prozent), doch nur eine Torchance durch Raphael Guerreiro, kümmerliche vier Schüsse, die aber alle am Kasten von Jan Oblak vorbeiflogen - die Dinge wollten sich im "Estadio Metropolitano" nicht so fügen wie in den vergangenen Wochen, als Borussia Dortmund mit seiner Offensivkraft Angst und Schrecken verbreitete.

Der Bundesliga-Spitzenreiter wirkte, als habe Lucien Favre in der Besprechung vor dem Spiel Tor-Abschlüsse ausdrücklich unter Strafe gestellt. Eine ungewohnt-ergreifende Harmlosigkeit charakterisierte diesen Auftritt der Westfalen, die von Glück sagen konnten, dass sie nicht unter die Räder gerieten, als Atletico vor der Pause alle Register zog und Dortmund komplett die Ordnung verlor.

Vor allem Pulisic und Paco Alcacer blieben blass

"Alles, was uns zuletzt ausgezeichnet hat, war diesmal nicht so zu erkennen", räumte Kehl ein, "nach vorne haben wir sicher schon bessere Spiele gemacht." Dortmunds Fachkräfte für Chancenentwicklung und Torgefahr blieben ausnahmslos unter ihren Möglichkeiten - am weitesten entfernten sich wohl Christian Pulisic und Paco Alcacer von der Ideallinie. Alcacer muss sich in der Angriffsmitte an diesem Abend gefühlt haben wie Robinson Crusoe: ausgesetzt und alleingelassen. Auch von Jadon Sancho oder Marco Reus ging keinerlei Gefahr aus.

Wirklich kein Beinbruch.

Sebastian Kehl

Ein Stück weit sind die BVB-Überflieger vor den 61.023 Zuschauern in Madrid wieder in der Normalität angekommen. Die erste Niederlage musste irgendwann kommen, sie geschah im Duell mit einem der besten Teams Europas, erst im 16. Pflichtspiel der Saison, so gesehen war dieses 0:2 "wirklich kein Beinbruch", wie Kehl mit einiger Berechtigung anmerkte, "wir können damit leben". Dortmund grüßt in seiner Champions-League-Gruppe noch immer von Platz 1, liegt im direkten Vergleich mit Atletico Madrid vorn und steuert weiter Achtelfinalkurs. Deshalb befürchtet Kehl auch keine Auswirkungen im Hinblick auf den Bundesliga-Knaller am Samstag (Anstoß 18.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) gegen den FC Bayern München: "Wir werden uns jetzt den Mund abwischen, und dann geht es weiter."

Weiter, immer weiter, dann wieder mit dem schnellen, dynamischen Fußball, der Dortmunds ausgezeichneten Saisonstart geprägt hat. Eine Kurskorrektur nach Madrid ist als spontaner Reflex nicht zu erwarten, und sie wäre auch unsinnig. "Wir werden unser Spiel jetzt nicht groß verändern", versichert Kehl, "wir werden uns auch nicht verunsichern lassen". Nach der schwächsten Saisonleistung setzt die Borussia jetzt erst recht weiter auf die Eigenschaften, "die uns in den vergangenen Wochen sehr stark gemacht haben" (Kehl).

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