Frauen EM

Klara Bühl hinterfragt sich nach Top-Auftritt gegen Schweiz

Gala nach kleinem Karriereknick

Bühl hinterfragt sich nach Top-Auftritt: "Ich überlege selbst"

Tage, an denen (fast) alles gelingt, hatte sie zuletzt etwas seltener: Klara Bühl (li.).

Tage, an denen (fast) alles gelingt, hatte sie zuletzt etwas seltener: Klara Bühl (li.). picture alliance/dpa

Absicht oder nicht? Die vielleicht offensichtlichste Frage beantwortete Klara Bühl mit einem klaren Jein. Wollte sie den herrlichen Treffer zum 3:0 auf diese Weise erzielen? "Ich hatte schon ein, zwei Aktionen in der Position", sagte die 21-Jährige. "Dann habe ich gesehen, dass die Torhüterin relativ weit draußen steht. Also habe ich mir gedacht, ich probiere es einfach mal."

Am Rand des Sechzehners zog sie den Ball hoch in Richtung kurzes Eck, unhaltbar war er aus Sicht der Schweizer Torhüterin Gaelle Thalmann trotzdem nicht. "An meiner Reaktion hat man gesehen: Ich war selbst überrascht, dass er reingegangen ist", resümierte Bühl.

An Tagen wie diesen klappen auch Versuche wie eben dieser. Mit einem frühen Tor hatte Bühl den brillanten 7:0-Sieg über die Schweiz eröffnet, bis zu ihrer Auswechslung beim Stand von 4:0 war sie an allen Treffern direkt beteiligt. Eine Eins-gegen-eins-Situation, eine herrliche Flanke, ein Abstauber - und ein Traumtor. Ihre Gegenspielerin Noelle Maritz war von Anfang an nicht zu beneiden und völlig überfordert.

In der ganzen vergangenen Saison traf sie so oft wie nun gegen die Schweiz

"Ich überlege selbst, woher das jetzt kam und was ich heute anders gemacht habe als sonst", sagte Bühl wohl nur halb im Spaß. Schließlich hatte sie sportlich einen solchen Traumtag schon länger nicht mehr erlebt.

Nach ihrem Wechsel vom SC Freiburg zum FC Bayern München im Sommer 2020 hatte Bühls Weg zunächst weiter nur eine Richtung gekannt: nach oben. In der vergangenen Saison folgte dann der erste kleine Knick. Mit einer Sprunggelenksverletzung fehlte sie einige Wochen, am Ende der Spielzeit standen gerade einmal drei Tore zu Buche - genauso viele wie gegen die Schweiz in 73 Minuten.

Auf der linken Position im heftig umkämpften offensiven Mittelfeld des DFB-Teams hat sich Bühl, 2019 die Gewinnerin der Fritz-Walter-Medaille in Gold, mit ihrer Gala nun einen klaren Vorteil gegenüber den Kolleginnen erspielt. "Die Trainer und ich wissen, welche Stärken und Schwächen ich habe, was ich dem Team geben kann", sagte Bühl selbstbewusst.

Teamkollegin Brand kommt mit dem Mitzählen nicht hinterher

Die Stärken: gut sichtbar. Quirlig zog sie rechts wie links an ihren Gegnerinnen vorbei, ließ sie mit allerlei Finten ins Leere laufen und schoss mit beiden Füßen.

Hin und wieder, das zeigte sich am Freitag in Erfurt abseits der unzähligen gelungenen Szenen, trifft Bühl im Vorwärtsgang noch falsche Entscheidungen, wählt den umständlichen oder den zu ambitionierten Pass. In der 46. und 58. Minute wären zudem weitere Treffer möglich gewesen.

Ihre wiederentdeckte Effizienz kann Bühl bei der EM also noch weiter ausbauen. Die Kolleginnen kamen schon am Freitag kaum mit dem Zählen der Tore hinterher. Jule Brand, das nächste Top-Talent auf Linksaußen, traf nach ihrer Einwechslung und fragte hinterher bei der Pressekonferenz Verteidigerin Marina Hegering, wie es denn noch einmal ausgegangen sei: "6:0?"

Paul Bartmuß

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