Bundesliga

Hertha BSC: Brüggemann für Satzungsänderung bei Wahlen

Vorstoß von Herthas Aufsichtsrats-Chef

Brüggemann schlägt Satzungsänderung für Wahlen vor

Klaus Brüggemann (Mitte) sieht das Wahlsystem bei Hertha nicht mehr als zeitgemäß an.

Klaus Brüggemann (Mitte) sieht das Wahlsystem bei Hertha nicht mehr als zeitgemäß an. imago images/Nordphoto

Dem kicker sagte Brüggemann am Montagnachmittag: "Wir sollten unsere Satzung im Hinblick auf künftige Wahlen dringend überarbeiten. Aus meiner Sicht sollten wir das bisherige Wahlprocedere kippen und ein Instrument schaffen, mit dem wir bei Wahlen eine Einbindung von möglichst vielen Mitgliedern schaffen. Wenn einem Kandidaten in einem Verein wie Hertha BSC mit mehr als 40.000 Mitgliedern etwa vier Prozent Unterstützung der Gesamtmitglieder reichen, um neuer Präsident zu werden, dann gibt es Optimierungsbedarf. Auch wenn es sich unglaubwürdig anhört: Ich hätte das auch gesagt, wenn statt Kay Bernstein Frank Steffel die Wahl gewonnen hätte."

In der außerordentlichen Mitgliederversammlung von Hertha BSC hatte sich am Sonntag in einer hitzigen Atmosphäre in der Messe- und Kongresshalle CityCube Kay Bernstein bei der Wahl zum neuen Präsidenten durchgesetzt. Der Inhaber einer Kommunikations- und Marketingagentur, der 1998 die Ultra-Gruppierung Harlekins Berlin ’98 mitgegründet hatte, hatte 1670 der 3016 abgegebenen Stimmen erhalten, Steffel 1280. Dazu kamen 40 Nein-Stimmen und 26 Stimmen für den Außenseiterkandidaten Marvin Brumme.

"Kay Bernstein hat die Wahl gewonnen, die Mitglieder haben so entschieden. Die Mitgliederversammlung ist das höchste Organ des Vereins, ihr Votum ist zu respektieren", sagt Brüggemann, der Steffel von einer Kandidatur überzeugt und ihn vorgeschlagen hatte. Bernstein ("Klaus Brüggemann führt da nicht Aufsicht, sondern er gestaltet. Damit überschätzt er seine Kompetenzen.") hatte im kicker deutliche Kritik am Vorgehen Brüggemanns geübt.

Kritik an Handzetteln

Der Aufsichtsratsvorsitzende will trotz der klaren Niederlage seines Wunschkandidaten Steffel nicht das Feld räumen, wie er jetzt erklärt: "Ich bin keiner, der wegläuft. Zu den Umständen der Kandidatur von Frank Steffel und meiner Rolle stehe ich weiterhin. Jetzt gilt es, nach vorn zu schauen und zwischen Präsidium und Aufsichtsrat ein konstruktives Klima zu schaffen."

Zugleich moniert Brüggemann die am Sonntagmorgen vor der Halle ausgereichten Handzettel, auf denen unter anderem der Investor und der Aufsichtsrat für sein Vorgehen im Fall der Kandidatenkür kritisiert wurden: "Wenn Kay Bernstein das Entgiften des Vereins von innen heraus und das Einen aller Mitglieder als seine wichtigsten Inhalte nennt, hätte ich mir im Zuge eines respektvollen Umgangs gewünscht, dass aus seinem Lager auf solche Flugblatt-Diffamierungen verzichtet wird."

Zukünftig eine Online-Wahl?

Der 130-jährige Klub hatte am Sonntag die am besten besuchte Mitgliederversammlung seiner Geschichte erlebt. Bernstein-Vorgänger Werner Gegenbauer, der am Tag nach dem Relegationsrückspiel beim Hamburger SV zurückgetreten war, hatte bei drei seiner vier Wahlsiege im Übrigen deutlich weniger Stimmen als Bernstein bekommen. 2020, bei seiner letzten Wiederwahl als Präsident, hatten nur 542 Mitglieder für Gegenbauer votiert - das waren, ohne Gegenkandidat, lediglich 54 Prozent.

Unabhängig von Personen sagt Brüggemann: "Wir sind im Jahr 2022 und sollten unsere Satzung anpassen. Per Online-Wahl muss es künftig möglich sein, allen 40.000 Mitgliedern - unabhängig vom Ort, wo sie gerade sind - zur Teilnahme zu verhelfen und ein solches Votum auf eine breitere Basis zu stellen. Dazu gehören aus meiner Sicht im Vorfeld künftig auch Online- oder Live-Formate, in denen sich die Kandidaten den Mitgliedern präsentieren. Wir sollten den ganzen Wahlvorgang inklusive Vorlauf im Sinne des Vereins nachschärfen und verbessern."

Steffen Rohr

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