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Broich: "Ich war schon im Urlaubsmodus"

Australien: Deutscher brilliert in der A-League

Broich: "Ich war schon im Urlaubsmodus"

Überflieger in "Down Under": Thomas Broich krönte eine tolle Saison mit der erfolgreichen Titelverteidigung.

Überflieger in "Down Under": Thomas Broich krönte eine tolle Saison mit der erfolgreichen Titelverteidigung. Getty Images

Titelverteidigung, als Spieler des Jahres gewählt - wollen Sie Ihre Wahlheimat Australien überhaupt wieder verlassen, Herr Broich?

Thomas Broich: Das habe ich schon vor. Nur nicht allzu bald. Aber ich bin ein großer Europa-Fan, Amerika ist auch reizvoll. Auf alle Fälle muss Australien nicht das Ende sein. Im Gegenteil: Ich bin hier auf den Geschmack gekommen. Auch durch die Champions League, die Reisen nach Asien. Aber ich habe einen Vertrag bis 2013 und den will ich erfüllen. Ich fühle mich hier wohl.

So schön es auch dieses Jahr war, es verblasst doch.

Thomas Broich über die Gefühle beim erneuten Titelgewinn
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Brisbane Roar - Vereinsdaten
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Wie wurde der Triumph im sonnigen Brisbane gefeiert?

Broich: Mit viel Wasser - viel Regen. Es war bei weitem nicht so euphorisch wie im Vorjahr. Wir haben es alle schon mal erlebt, alles war abgeklärter. Es war eher ein Gefühl der Erleichterung und des Stolzes. Letztes Jahr war es eine Sensation, da hatte uns keiner auf der Rechnung. Der Lauf, den wir da hatten - unfassbar! So schön es auch dieses Jahr war, es verblasst doch.

Was war für Sie der Schlüssel zum Erfolg in diesem Jahr?

Broich: Wir haben unseren Ansatz noch erweitert. Die Truppe ist extrem willig, sehr diszipliniert und die fußballerischen Vorstellungen sind einzigartig in Australien. Es ist die Art und Weise, wie wir spielen. Mit Kurzpassspiel, Pressing und vorne macht der Ex-HSVer und Bielefelder Besart Berisha die Dinger rein.

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Im Dezember kassierten sie in der normalen Saison fünf Niederlagen am Stück. Glaubten Sie da noch an die Meisterschaft?

Broich: Ich war verletzt <i>(lacht)</i>. Zweifel hatte ich dennoch nicht, weil wir zuvor nach sieben Spielen sechs Punkte Vorsprung hatten. Dann kam der Knacks, aber ich war eigentlich immer sicher, dass wir zum Finale fit sein w&#252;rden.

In der normalen Saison waren sie nur Zweiter hinter den Central Coast Mariners. Waren Sie in den Play-offs gl&#252;cklicher oder das beste Team?

Broich: Ja, es gibt ja hier zwei Titel: Die Liga und dann die Play-offs um die Meisterschaft. Das Sch&#246;ne an dem System ist, wenn man die Liga verliert, kann man trotzdem Meister werden. Wir wussten, dass wir die st&#228;rkste Mannschaft haben, wenn alle Leute fit auf dem Platz stehen.

Am Dienstag verk&#252;ndete Ihr Erfolgscoach Ange Postecoglou seinen R&#252;cktritt. Glauben Sie, dass er ad&#228;quat zu ersetzen ist?

Broich: Wir haben schon einen Neuen, den bisherigen Co-Trainer Rado Vidosic, der Vater des Ex-N&#252;rnbergers Dario. Postecoglou war eh immer eine F&#252;hrungspers&#246;nlichkeit, die t&#228;gliche Arbeit haben die Assistenten gemacht. Jetzt muss man nur abwarten, wie sie das Vakuum des Frontmannes ausf&#252;llen k&#246;nnen.

Thomas Broich mit der Johnny-Warren-Medaille

Anerkennung für eine starke Saison: Thomas Broich mit der Johnny-Warren-Medaille für den besten Spieler der Liga. Getty Images

Trotz des Titels ist Ihre Saison noch nicht beendet. Sind Sie f&#252;r die asiatische Champions League &#252;berhaupt noch motiviert?

Broich: Da hat sich durch den Trainerwechsel schon was getan. Ich war ehrlich gesagt schon im Urlaubs-Modus, weil wir nur noch theoretische Chancen haben. Die neuen Trainer geben jetzt Gas und wollen gute Resultate einfahren.

N&#228;chsten Mittwoch m&#252;ssen Sie beim FC Tokyo ran, dann bleibt ein Heimspiel gegen Peking Guo&apos;an. Was geht noch?

Broich: Beide d&#252;rfen eigentlich keinen Punkt mehr holen und wir m&#252;ssen ausw&#228;rts 3:0 gewinnen. Das ist eher unwahrscheinlich!

Bleibt Ihnen bei dem Programm eigentlich noch Zeit f&#252;r Ihr Hobby Motorradfahren?

Broich: Ich mache ja keine gro&#223;en Touren, fahre zum Training oder abends irgendwo zum Essen. Das geht immer noch. Jetzt ist hier eigentlich gerade die Zeit, um viel Motorrad zu fahren.

Im Vorjahr kam Ihr autobiographischer Film &quot;Tom meets Zizou&quot; in die deutschen Kinos. Zufrieden mit dem Erfolg?

Broich: Soviel habe ich gar nicht mitbekommen, weil ich am anderen Ende der Welt war. Aber von der Resonanz war ich wahnsinnig positiv &#252;berrascht. Wir hatten uns nicht tr&#228;umen lassen, dass der Film so erfolgreich werden w&#252;rde.

Interview: Hardy Hasselbruch