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Brisanter EA-Leak: "Alle Wege führen zu FUT"

Insider-Bericht zu internen Vorgaben

Brisanter EA-Leak: "Alle Wege führen zu FUT"

EAs Geschäftsmodell mit Ultimate Team rückt in ein immer schlechteres Licht.

EAs Geschäftsmodell mit Ultimate Team rückt in ein immer schlechteres Licht. Electronic Arts

Längst ist die Glücksspiel-Thematik rund um den FUT-Modus der FIFA-Ableger auch in der deutschen Politik angekommen: Einer Gesetzesnovelle zum Jugendschutz hat Ende März nach dem Bundestag auch der Bundesrat zugestimmt, inzwischen ist die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) als verantwortliche Prüfstelle involviert.

Frisches Wasser auf die Mühlen der FUT-Kritiker liefert ein neuer Bericht der Canadian Broadcasting Corporation (CBC). Über einen namentlich nicht genannten Insider ist die staatliche Rundfunkgesellschaft Kanadas an ein internes Dokument aus dem EA-Kosmos gelangt, das zum wiederholten Mal ein schlechtes Licht auf das Geschäftsgebaren rund um Ultimate Team wirft. Die 54 Seiten stammen aus der Sportabteilung von EA und bekräftigen den Vorwurf des FUT-Zentrismus, der innerhalb der Community seit Jahren kein Geheimnis mehr ist.

"Wir tun alles dafür, die Spieler dorthin zu treiben"

Das Dokument ist wohl im Frühjahr 2020 mit Blick auf FIFA 21 entstanden, einzelne Punkte spielen auf den bevorstehenden Restart des internationalen Fußballs während der Corona-Pandemie an. Es beschreibt Strategien und Zielsetzungen, das übergeordnete Credo lautet: "Alle Wege führen zu FUT". Der Modus wird als "Grundstein" jeglicher Anstrengungen bei EA SPORTS deklariert. "Wir tun alles dafür, die Spieler dorthin zu treiben", geht aus dem Leak als klare Vorgabe hervor. Andere Modi wie der Karrieremodus oder VOLTA sollen mit FUT-Werbung respektive "Content Teasern" versehen werden, um eine unumgängliche Omnipräsenz auf den Bildschirmen zu schaffen - selbst wenn gar kein Ultimate Team gespielt wird.

Welcome-Packs und das aktive Kontaktieren der Spieler sollen deren FUT-Engagement darüber hinaus aufrechterhalten. So nachvollziehbar diese Werbemaßnahmen aus wirtschaftlicher Sicht auch sein mögen, in Kombination mit der kontrovers geführten Lootbox-Debatte fällt ein weiterer Schatten auf die EA-Strategien. Die CBC zitiert in ihrem Bericht zudem nicht nur aus dem geleakten Dokument, sie lässt auch ihren anonymen Informanten zur Sprache kommen.

Echtgeld-Investment als Frustbewältigung

Die massive öffentliche Kritik an den Glücksspielmechanismen hinter den FUT-Packs veranlasste den Leaker dazu, seine Informationen zu teilen. Das Herdentreiben in Richtung Ultimate Team ist nur eine Seite einer längst nicht mehr glänzenden Medaille. Was anschließend in FUT geschieht, beunruhigt den Insider mindestens genauso sehr. "Man kann spielen, ohne Geld auszugeben", wird er zitiert. "Aber man wird auch erkennen, dass es lange dauert, Münzen zu verdienen, und schnell frustriert sein." Diese Frustration sei beabsichtigt, um den wesentlich einfacheren Kauf virtueller Währung mit Echtgeld anzuregen.

Diesen Schluss sollen auch die vielen Grinding-Mechaniken nahelegen, die das Wiederholen monotoner Aufgaben vorsehen und dadurch den Spielspaß rauben. "Es macht den Eindruck, als seien EA-Spiele darauf ausgelegt, langweilig zu sein und Spieler aller Altersstufen zur Investition von Echtgeld für Kartenpacks zu verleiten", meint der Insider. Er wirft EA SPORTS vor, die wahren Sachverhalte und Zusammenhänge jahrelang unter einer "Schicht plausibler Leugnung" begraben zu haben.

FUT-Einnahmen seit 2015 beinahe verdreifacht

Eine Gegendarstellung vonseiten des kalifornischen Entwicklers folgte auf dem Fuß. Die Authentizität des Leaks wurde nicht negiert, das Dokument sei allerdings "vertraulich" und die veröffentlichen Ausschnitte aus dem Kontext gerissen: "Alle EA-Spiele können ohne Investitionen in In-Game-Objekte gespielt werden, die Mehrheit der Spieler investiert kein Echtgeld." Der CBC-Bericht sei eine "überspitzte Geschichte", die die Fakten missinterpretiere.

Ultimate Team ist seit Jahren das monetäre Zugpferd von EA SPORTS, die Einnahmen durch den digitalen Kartenverkauf haben sich seit 2015 (587 Millionen US-Dollar) beinahe verdreifacht: 1,49 Milliarden US-Dollar spülte der umstrittene Modus im Jahr 2020 in die Kassen. Die anhaltenden Diskussionen um Glücksspielmechanismen und steigende Abhängigkeitszahlen scheinen dem wirtschaftlichen Erfolg nicht im Ansatz zu schaden. Einhalt gebieten könnte dem Treiben wohl nur eine drastische Anpassung der Gesetzeslage, von einem Lootbox-Verbot wie in Belgien ist Deutschland jedoch noch weit entfernt.

Auch einen großflächigen Boykott des FUT-Modus seitens der Anhängerschaft muss EA wohl nicht fürchten, wie Content Creator 'Mouh Kay' jüngst im kicker eSport Trader Talk mit deutlichen Worten belegte: "FIFA ist eine Hassliebe. EA weiß ganz genau, was für eine Monopolstellung es hat. Die könnten uns Scheiße zum Fraß vorwerfen, wir würden den Mund aufhalten. Das ist einfach so. Wir würden niemals das Spiel wechseln, das weiß EA, und das nutzen die einfach aus."

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Niklas Aßfalg

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