3. Liga

Braunschweig klarer Favorit - Paderborn als Meppen-Vorbild?

Die 3. Liga in der Vorschau

Braunschweig als klarer Favorit - Paderborn als Meppen-Vorbild?

Die Drittligatrainer sehen Eintracht Braunschweig als Favorit auf den Aufstieg.

Die Drittligatrainer sehen Eintracht Braunschweig als Favorit auf den Aufstieg. imago images/Fotostand

Wenn es nach den Drittligatrainern geht, ist klar, wer aufsteigt: 17 von 20 Trainern nannten Eintracht Braunschweig in der kicker-Umfrage als Favoriten. Trotz des Umbruchs nach dem Abstieg stellten die Niedersachsen um den neuen Trainer Michael Schiele einen schlagkräftigen Kader zusammen. Bezüglich Erfahrung und individueller Qualität gehört die Mannschaft ins obere Tabellendrittel der Liga – ob es für mehr reicht und die Eintracht den hohen Erwartungen der Konkurrenz gerecht werden kann? Der erste Gradmesser wartet gleich am Samstag (14 Uhr, LIVE! bei kicker), wenn Braunschweig am Betzenberg vor 10.000 Zuschauern auf den 1. FC Kaiserslautern trifft.

Es wird wieder brutal.

Sascha Mölders

Trotz der enttäuschenden vergangenen Saison gehören die Roten Teufel für zehn der Trainer zu den Aufstiegsfavoriten. Das Wort "Aufstieg" nimmt in Kaiserslautern noch keiner der Verantwortlichen offiziell in den Mund, klar ist allerdings: Gerade aus wirtschaftlichen Gründen muss Lautern möglichst schnell wieder hoch. Zumindest einige der letzten Partien der abgelaufenen Saison unter Marco Antwerpen machten den Anhängern Mut - wenngleich noch die Konstanz fehlte. Das soll nun besser werden. Mithelfen können dabei unter anderem Neuzugang Mike Wunderlich und Kapitän Jean Zimmer, der langfristig gebunden wurde.

Forsche Löwen 

Weniger zurückhaltend gibt sich dagegen der TSV 1860 München. "Wir wollten letztes Jahr hoch, so ist es auch dieses Mal", erklärte Trainer Michael Köllner. Die Löwen verpassten den Relegationsplatz nur knapp: Am letzten Spieltag mussten sich die Münchner im Direktduell in Ingolstadt geschlagen geben. Die Chancen stehen weiterhin gut: Der Kader bleibt größtenteils zusammen, von den Führungsspielern verließ nur Dennis Erdmann den Verein. Ob sich die Konstanz am Ende durchsetzt? 15 Trainer trauen den Löwen den Aufstieg zu. Doch auch der mittlerweile 36-jährige Torjäger Sascha Mölders weiß: "Es wird wieder brutal."

Brutal war auch der Abstieg des VfL Osnabrück. Nach einem schwachen Auftritt im Hinspiel (0:3) schöpften die Niedersachsen gegen den FC Ingolstadt mit einer frühen 2:0-Führung sogar kurz Hoffnung. Doch am Ende war der Gang in die Drittklassigkeit besiegelt. Dort stellt sich der VfL nun neu auf: Daniel Scherning übernahm als Cheftrainer. Zuletzt war er als Assistent von Steffen Baumgart in Paderborn tätig. Scherning weiß also, wie der Aufstieg in die zweite und sogar erste Bundesliga funktioniert. Zum Saisonstart wurde der VfL aber gehörig ausgebremst, denn der Saisonstart gegen den MSV Duisburg wurde coronabedingt abgesagt

Macht's Meppen wie Paderborn?

Rico Schmitt

Ziel Klassenerhalt: Meppens Trainer Rico Schmitt. imago images/Werner Scholz

Apropos Paderborn: Die Ostwestfalen wären zur Saison 2016/17 eigentlich in die Regionalliga abgestiegen, durften aber bleiben, da 1860 München keine Zulassung für die 3. Liga erhalten hatte. Genau so ging es nun dem SV Meppen: Auch die Emsländer profitierten vom Lizenzentzug des KFC Uerdingen. Durch den Ligenverbleib konnte der SVM viele Spieler halten, deren Abgänge in der Regionalliga wohl unausweichlich gewesen wären. Der Klassenerhalt ist das realistische Ziel, wenn es nach Vorgänger Paderborn geht, wäre allerdings mehr drin: Die Ostwestfalen schafften nach dem Klassenerhalt am grünen Tisch den Durchmarsch in die Bundesliga …

Zu den Bundesliga-Gründungsmitgliedern zählte einst der 1. FC Saarbrücken. Das Ziel liegt momentan noch in weiter Ferne, doch der überraschende Erfolg nach dem Aufstieg in der vergangenen Saison macht zumindest Hoffnung, dass es bald für die 2. Bundesliga reicht. Dort steht nun Ex-Trainer Lukas Kwasniok in Paderborn an der Seitenlinie, Toptorjäger Nicklas Shipnoski kickt in Düsseldorf. Unter Uwe Kochinat soll nun in Saarbrücken der Umbruch gelingen. Der 49-Jährige wird in Zukunft auf ein 4-2-3-1 setzen.

Einen noch größeren Umbruch muss der SC Verl bewältigen. Zwar bleibt Trainer Rino Capretti entgegen anderslautenden Gerüchten den Ostwestfalen erhalten, allerdings weckte die Offensive um Zlatko Janjic und Aygün Yildirim Begehrlichkeiten. Mit 14 verbliebenen und 17 neuen Spielern geht Verl nun in die neue Saison und muss dabei noch auf sein eigenes Stadion verzichten. Heimspiele muss der Sportclub im 80 Kilometer entfernten Lotte austragen, da die eigene Spielstätte nicht vom DFB für den Spielbetrieb in der 3. Liga zugelassen wurde.

Berliner Ortswechsel

1. Spieltag

Ebenfalls einen Ortwechsel muss Viktoria Berlin vollziehen: Der Aufsteiger zieht vom nicht drittligatauglichen eigenen Stadion in den Friedrich-Jahn-Sportpark um. Doch zumindest der Kader ist eingespielt und wurde punktuell verstärkt. Eine gewissen Anspannung herrscht im Verein trotzdem, wie Kapitän Christoph Menz bestätigte: "Schließlich ist die 3. Liga für viele Spieler wie für den Gesamtverein Neuland."

Ähnlich geht es dem Mitaufsteiger aus Havelse: Die Mannschaft verfügt über kaum Drittligaerfahrung, auch Trainer Rüdiger Ziehl wagt den Sprung ins kalte Wasser. Das Prunkstück der Niedersachsen ist die starke Defensive, die auch in den Aufstiegsspielen gegen den 1. FC Schweinfurt (1:0, 1:0) standhielt. Ob das alleine zum Klassenerhalt gegen Mölders, Boyd und Co. reicht? "Jeder Spieler wird in jedem Spiel an seine Leistungsgrenze gehen müssen, sonst wird es sehr schwer für uns", so Ziehl.

Wie das funktionieren kann, zeigte in den vergangenen fünf Spielzeiten der FSV Zwickau, der seitdem die Klasse hält. Nicht immer schön, aber erfolgreich: Das ist das Motto der Sachsen. Zwickau setzt auf Kontinuität: Joe Enochs geht an der Seitenlinie in sein viertes Jahr und wird auch in der kommenden Saison auf neue Herausforderungen treffen. So gilt es unter anderem den Abgang von Leistungsträger Morris Schröter (Dresden) zu kompensieren.

Drittjüngster Kader in Unterfranken

Für Kontinuität will in Zukunft nun auch Zweitligaabsteiger Würzburg sorgen: Nach vier Trainerwechseln in den vergangenen zehn Monaten soll bei den Kickers wieder Ruhe einkehren. Als Trainer übernimmt Torsten Ziegner, der mit den unterfränkischen Verantwortlichen bei Neuzugängen nun auf die Attribute jung, entwicklungsfähig und möglichst drittligaerfahren setzt. Kein Wunder, dass Würzburg hinter den Zweitvertretungen aus Dortmund und Freiburg den drittjüngsten Kader der Liga besitzt.

Auf viele junge Talente setzt Borussia Dortmund II, die sich nach dem Aufstieg nun wieder langfristig in der 3. Liga etablieren soll. Für den Klub sei das zwar kostspieliger, allerdings können die Spieler Erfahrungen auf höherem Niveau sammeln. Der U 23 fehlt aber mit Ausnahme einiger Neuzugänge größtenteils die Drittligaerfahrung. Zudem müssen die Schwarz-Gelben womöglich regelmäßig auf Leistungsträger wie Steffen Tigges oder Ansgar Knauff verzichten, die bei den Profis aushelfen müssen.

Freiburg ohne Druck

Ein ähnliches Schicksal blüht auch dem SC Freiburg II. Für die Breisgauer ist eine zweite Mannschaft in der 3. Liga eine neue Herausforderung. Druck ist in Freiburg noch nicht zu spüren, auch wenn es einzig um den Klassenerhalt geht.  Routiniers wie Neuzugang Vincent Vermeij und Kapitän Johannes Flum sollen die jungen Talente führen. Vermeij erzielte zuletzt beim MSV Duisburg in 58 Spielen 22 Tore.

Rekordmann Dotchev: Die Drittliga-Trainer mit den meisten Spielen

Die Duisburger müssen nun auf seine Tore verzichten. Allerdings spielte der Torjäger unter Pavel Dotchev keine große Rolle mehr. Der Drittligarekordtrainer führte die Meidericher in der vergangenen Saison zum Klassenerhalt. Demnach geht es für die Zebras in der kommenden Saison vor allem darum, eine sorgenfreie Saison zu spielen. Sorgen anderer Art hatten die Meidericher dann aber auch: Unmittelbar vor Saisonstart waren drei Profis positiv auf COVID-19 getestet worden, woraufhin Teile der Mannschaft vom zuständigen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt wurden. Das hat zu Folge, dass das Eröffnungsspiel der 3. Liga zwischen Duisburg und Osnabrück abgesagt wurde.

Ebenfalls für Stabilität sorgte Christian Titz beim 1. FC Magdeburg. Der Traditionsklub war vor seiner Verpflichtung dem Abstieg ebenfalls bedrohlich nahegekommen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten startete Titz einen Lauf: Nur eins der vergangenen 13 Ligaspiele ging verloren. Damit sorgte der ehemalige HSV-Trainer beim FCM für Aufbruchsstimmung, der nach zwei enttäuschenden Spielzeiten mit attraktivem Ballbesitzfußball wieder nach Höherem strebt.

Unruhiges Umfeld bei Türkgücü

Möglichst weit nach oben und das möglichst sofort: Türkgücü München kann es mit dem Zweitligaaufstieg nicht schnell genug gehen. Nach der Entlassung von Alexander Schmidt fehlte es auf der Trainerbank an Konstanz. In der neuen Saison übernimmt Petr Ruman, der nun 17 Neuzugänge in die Mannschaft integrieren muss. Bei den Münchnern herrscht stetige Unruhe – immerhin konnte Leistungsträger Sercan Sararer nach einigen Tumulten gehalten werden.

Beim Halleschen FC geht weiterhin Terrence Boyd auf Torejagd. Viel größere Sorgen bereitet allerdings die Defensive: Die Hallenser kassierten die viertmeisten Gegentore der Liga. Nach einer Negativserie kam auch Kritik an Florian Schnorrenberg auf, der nach dem Klassenerhalt nun jedoch weiterhin an der Seitenlinie stehen darf.  In der kommenden Saison soll der 44-Jährige das Team weiterentwickeln.

Mannheim will sich steigern

Auch Waldhof Mannheim strebt eine Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison an, als Patrick Glöckner die Mannschaft auf Rang acht führte. Das scheint den Verantwortlichen jedoch nicht mehr zu genügen. Als erstes Ausrufezeichen kann die Verpflichtung von Zweitligaroutinier Marc Schnatterer verstanden werden.

Viktoria Köln startete in die vergangene Saison ebenfalls mit großen Ambitionen – schnell ging es allerdings nur noch um den Klassenerhalt. Die Kölner wollen sich weiterhin nach oben orientieren, erst einmal wartet jetzt allerdings viel Arbeit auf Olaf Janßen und Co.: Nach 14 Abgängen, darunter Schlüsselspieler Mike Wunderlich, müssen nun neue Automatismen einstudiert werden.

Wehen Wiesbaden muss ebenso auf einige Stammspieler verzichten. In der Defensive sind die Hessen weiterhin gut aufgestellt, im Angriff fehlt Rüdiger Rehm allerdings das Personal. Der seit 2017 tätige Trainer soll auch in dieser Spielzeit eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen.

fro

Trainerumfrage: Braunschweig Top-Favorit, große Erwartungen an 1860