EM

Brasilianische Wurzeln, robustes Spiel, türkische Elf

Türkei: Aurelio einer von drei "Exoten"

Brasilianische Wurzeln, robustes Spiel, türkische Elf

Mehmet Aurelio

Ursprünglich Brasilianer: Mehmet Aurelio fühlt sich "mittlerweile als Türke". imago

"Aurelio ist ein ganz hervorrgander Mannschaftsspieler. So wie ihn jeder Trainer gern hat, weil er enorm für das Team arbeitet, eine Menge Bälle abläuft", lobt Karl-Heinz Feldkamp den Mittelfeldmann, den er als früherer Galatasaray-Coach noch aus der türkischen Liga kennt.

Im Auftaktmatch gegen Portugal jedenfalls lief Aurelio vor der türkischen Viererkette viele Bälle ab, stopfte Löcher, war überaus präsent und verärgerte mit seiner nickeligen, körperbetonten Spielweise die Portugiesen, die ihn sogar als "Treter" beschimpften.

Wie auch immer, Aurelio ist seit zwei Jahren eingebürgert und für das türkische Team spielberechtigt als feste Größe bei Faith Terim. Und er ist der erste in Südamerika geborene Spieler, der für die Milli Takim, die Nationalelf, gegen den Ball tritt. Nach fünf Jahren in der türkischen Süper Lig war die Voraussetzung für seine Einbürgerung gegeben. Aurelio kam vom unterklassigen brasilianischen Klub Olario zunächst nach Trabzon und spielt seit 2003 für Fenerbahce. Am 16. August 2006 debütierte er für die türkische Elf, für die er in der EM-Qualifikation elf von zwölf möglichen Partien bestritt. "Mittlerweile fühle ich mich als Türke", bekennt Aurelio, dem die Türken der Einfachheit halber auch einen türkischen Namenszusatz verpassten, so dass der gebürtige Brasilianer nun als Mehmet Aurelio daherkommt.

Der Name also mutet inzwischen türkisch an, aber mit der Sprache hat der 30-Jährige noch so seine Probleme. Anders übrigens als Hamit Altintop, der nach den Spielen den Medien gegenüber sowohl deutsch als auch türkisch parliert. Zwei andere "Exoten" im Team dagegen müssen sich sprachlich noch anders behelfen. Der Vater von Kazim Richards, in England geboren, stammt aus Antigua, seine Mutter aus dem türkischen Teil von Zypern. Und Stürmer Mevlüt Erdinc, der in der französischen Liga beim FC Sochaux spielt, wurde in Frankreich geboren und versteht ebenfalls nur "Bahnhof", wenn beim Training die Kommandos auf türkisch kommen.

Aus Bellevue berichtet Oliver Bitter