Bundesliga

Brandt: "Das Pressing nicht in Monaten zu perfektionieren"

Dortmunds Mittelfeldspieler über Aussichten und Abwehrprobleme

Brandt: "Das Pressing kann man nicht in Monaten perfektionieren"

Julian Brandt stand am Donnerstag einer Medienrunde Rede und Antwort.

Julian Brandt stand am Donnerstag einer Medienrunde Rede und Antwort. imago images/Kirchner-Media

Amüsant war das allemal, beim Spielen offensichtlich ebenso wie zum Zusehen. Ob Brandt, dessen Mutter Heike früher Handball spielte, einen echten Vorteil daraus ziehen konnte, blieb allerdings offen. Souverän stand er zumindest nach der Einheit in der Medienrunde und sprach über …

… die Erkenntnisse aus der Partie bei der TSG Hoffenheim: "Das mit den Gegentoren ist natürlich ein Problem, was uns nach wie vor in der Saison zu oft passiert, wir kriegen zu viele Gegentore. Wir verteidigen oft gut, aber nicht konsequent über die 90 Minuten. Das wird auch ein Thema gegen Leverkusen sein, das werden wir nicht von heute auf morgen abstellen. Sondern wir müssen weiter dranbleiben, auch wenn es auf Dauer ein bisschen nervig ist. Man macht es ja nicht extra. Ich glaube, jeder gönnt Gregor Kobel auch mal ein paar Spiele zu Null. Die Gegner haben eine sehr gute Offensive und gerade gegen Leverkusen kann es ein sehr guter Schritt nach vorne sein, wenn wir da so wenige Gegentore wie möglich kassieren."

So ein Spielstil braucht einfach auch Zeit.

Julian Brandt über das Pressing

… die vielen Gegentore: "Wir spielen seit dieser Saison ein sehr hohes und sehr extremes Pressing. Ich glaube nicht, dass man das innerhalb von Monaten perfektionieren kann. Ich habe zweieinhalb Jahre unter Roger Schmidt Pressing gespielt. Es ist alles nicht so einfach, da muss wirklich am Ende auch jedes Detail funktionieren. Und wenn im Pressing ein, zwei Jungs fehlen oder man es nicht zu 100 Prozent konsequent macht, ist es für den Gegner leicht, da herauszuspielen. Die Räume sind da extrem groß für den Gegner. Ich glaube, dass wir uns momentan in einer Entwicklung befinden und wir es noch nicht perfektioniert haben. Trotzdem finde ich, dass wir dranbleiben sollten, weil es uns extrem viele Möglichkeiten gibt. Das Freiburg-Spiel ist das beste Beispiel. Beim 3:0 durch Erling Haaland erobern wir den Ball in der gegnerischen Hälfte erobern und haben es dann nicht mehr weit zum Tor. Es ist immer schwierig, weil man möchte, dass alles sofort funktioniert und sofort perfekt umgesetzt wird, aber so ein Spielstil braucht einfach auch Zeit."

… die Trainingsschwerpunkte während der Spielpause: "Wir haben gestern sehr intensiv Zweikämpfen trainiert, sowohl offensiv als auch gerade defensiv. Also viel Eins-gegen-eins, Zwei-gegen-zwei, natürlich auch Elf-gegen-elf. Wir müssen kompakt zu stehen und im Strafraum verteidigen - das ist das Thema. Der Trainer wird in den nächsten Tagen noch mehr Schwerpunkte setzen, bei denen er das Gefühl hat, dass wir uns verbessern können."

das kommende Spiel gegen Ex-Klub Leverkusen: "Ich freue mich natürlich immer, gegen den Verein zu spielen, weil ich da immer noch viele Leute kenne und mit vielen zusammengespielt habe. Ich weiß aber auch, dass in den letzten Jahren die Spiele immer sehr turbulent waren. Es sind immer sehr viele Tore gefallen, sowohl in Leverkusen als auch in Dortmund. Grundsätzlich glaube ich, dass wir uns einfach sehr, sehr gut vorbereiten müssen, dass wir da weitermachen müssen, wo wir in den letzten Spielen aufgehört haben, auch wenn die nicht richtig prall waren. Wir müssen fokussiert sein, Leverkusen war in den letzten Jahren immer eine gute Mannschaft."

Julian Brandt

"Das wurde mir vorgeworfen": Brandt über seine Entwicklung

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… ein mögliches Fehlen von Erling Haaland: "Wir hatten in der Saison schon eine Phase, in der Erling verletzt war und das haben wir auch relativ vernünftig hinbekommen. Von daher mache ich mir grundsätzlich keine Gedanken, weil wir einfach gute Spieler haben. Für uns Mittelfeldspieler und für alle anderen Offensiveren würde es bedeuten, dass wir mehr Tore schießen müssen. Aber auch da bin ich guten Mutes und habe Vertrauen in die Jungs. Von daher hoffen wir natürlich, dass es bei Erling so schnell geht, wie er es sich erhofft. Aber zum anderen habe ich keine Angst vor den nächsten Wochen, weil Erling mal ein bisschen angeschlagen ist. Da sitzen genug Jungs, die Vorlagen geben und Tore schießen können."

…über seine Leistungen: "Es geht darum, da weiterzumachen. Zum Ende der Hinrunde war das Spiel in Berlin ein Dorn im Auge für mich, das war ein bitterer Abend. Was mir in den letzten ein, zwei Jahren oft vorgeworfen wurde, waren die fehlenden Scorerpunkte. Daran halte ich mich fest, da will ich weiter Zählbares holen. Klar muss die Leistung auf dem Platz auch stimmen, das ist selbstverständlich. Das ist auch bei mir ein Prozess und da wird es sicherlich auch wieder das eine oder andere Spiel geben, in dem man nicht mit mir zufrieden ist. Die Erwartungshaltung ist hoch, das weiß ich, aber im Großen und Ganzen bleibe ich bei mir und bin guten Mutes, dass es in der Rückrunde so weitergeht wie in der Hinrunde."

…die verbliebenen Ziele für die laufende Saison: "Das wird sich zeigen und entwickeln. Fürs Erste sind wir extrem gut beraten, in den nächsten Wochen demütig zu sein und mit einer sehr großen Seriosität an die Sache heranzugehen, nicht zu weit über den Tellerrand zu gucken. Natürlich ist es immer schön, über gewisse Saisonziele zu sprechen und sich Vorstellungen darüber zu machen, wie es am Borsigplatz wäre. Aber am Ende ist das der falsche Ansatz. Ich denke, wir sind gerade mit den Resultaten der vergangenen ein, zwei Monate gut beraten, uns aufs Wesentliche zu konzentrieren. Ich möchte natürlich das Optimum erreichen und jedes Spiel gewinnen. Aber so einfach ist es am Ende auch nicht, da kommen extreme Widerstände. Wenn wir in der Bundesliga so weitermachen, das Pokalspiel nehme ich mal raus, ist das ein guter Trend und den müssen wir fortführen."

… die anstehenden Partien in der Europa League: "Der Wettbewerb ist durch die Einführung der Conference League ein Stück weit attraktiver geworden. Wir spielen jetzt in Glasgow, auch für Fußball-Romantiker ein schönes Ziel. Ich glaube schon, dass wir großen Bock drauf haben, bei aller Enttäuschung, dass wir in der Champions League nicht überwintert haben. Aber manchmal muss man im Leben gewisse Dinge so annehmen wie sie sind. In jedem Wettbewerb liegt am Ende wieder eine Chance. Wir sind froh darüber, in diesem Wettbewerb zu sein und wir werden versuchen, so weit wie zu kommen wie möglich."

Ich glaube nicht, dass meine Zeit in der Nationalmannschaft schon vorbei ist.

Julian Brandt

… seine Nationalmannschafts-Karriere: "Das Jahr, in dem ich nicht dabei war, war natürlich nicht schön. Ich bin seit vier Jahren bei der Nationalmannschaft, wenn du dann ein Jahr nicht mehr dabei bist, ist das schon eine Umstellung und du musst erstmal schlucken. Für mich ist es erstmal wichtig dranzubleiben und sich weiterhin einen Platz dort zu erkämpfen. Ich habe einen sehr guten Austausch mit dem Trainer. Am Ende zeigt sich alles über die Leistung im Verein. Das ist das, worauf der Bundestrainer am meisten Wert legt. Wenn das alles funktioniert, bin ich guten Mutes, dass es auch so weitergehen kann. Trotz alledem muss ich dann natürlich auch während der Länderspielphasen alles geben, weil es bei uns extrem gute Spieler momentan gibt. Man sieht ja, was alles nachkommt, das ist unfassbar. Aber ich glaube nicht, dass meine Zeit in der Nationalmannschaft schon vorbei ist. Sondern sie hat jetzt einen nervigen Knick gehabt, aber davon lasse ich mich am Ende nicht herunterziehen."

Aufgezeichnet von Patrick Kleinmann

Julian Brandt

Brandt: "Meine Zeit in der Nationalmannschaft ist noch nicht vorbei"

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