Bundesliga

Bosz klagt Romero an: "Das war kein normales Foul"

Leverkusens Trainer ist sauer nach Attacke auf Palacios

Bosz klagt Romero an: "Das war kein normales Foul"

Hart getroffen: Exequiel Palacios bleibt verletzt liegen.

Hart getroffen: Exequiel Palacios bleibt verletzt liegen. Getty Images

Als Peter Bosz am Freitagmorgen auf dem Display seines Smartphones den eingehenden Anruf von Mannschaftsarzt Dr. Karl-Heinrich Dittmar sah, schwante ihm schon Übles. "Der Doktor hat mich morgens um halb acht angerufen. Da dachte ich, wir haben unseren ersten Corona-Fall. So früh ruft er ja nicht an, um zu fragen: Peter, wie geht es dir? Da wusste ich, da ist etwas Gravierendes, aber damit hatte ich nicht gerechnet", erzählt der Niederländer, dem Dittmar sogleich auch noch ein Video zukommen ließ, das die rücksichtslose Attacke von Paraguays Angel Romero zeigte.

Die Brutalität der Aktion Romeros schockiert Bosz noch heute. Und so klagt der Trainer den Übeltäter an: "Als er in Palacios reinfliegt, hat er noch zwei Meter Zeit die Knie, die vorne sind, wieder nach unten zu nehmen. Dafür habe ich zu lange Fußball gespielt: Wenn man einen verletzten will, kann man das auf diese Weise machen."

Revanchefoul nach elf Monaten? Palacios hatte Zwillingsbruder gefoult

Explizit Absicht unterstellen möchte der Trainer dem Spieler zwar nicht. Doch er hat keinen Zweifel daran, dass diese vorlag. "Das weiß ich nicht. Aber ich habe zu lange Fußball gespielt, um zu sehen, dass das kein normales Foul war. Beide Knie sind angewinkelt und er kann nicht mehr an den Ball kommen. Und wenn dann auch noch die Geschichte rauskommt, dass es der Zwillingsbruder war, dann sage ich: Ja. Aber ich weiß es nicht."

Hintergrund: Palacios hatte im Dezember 2019 in seinem letzten Spiel für River Plate vor seinem Wechsel nach Leverkusen Romeros Zwillingsbruder Oscar hart gefoult und dafür in der Partie gegen San Lorenzo die Rote Karte gesehen. Die Attacke, die nun Palacios so schwer verletzte, war quasi das um elf Monate verspätete Revanchefoul.

Spieltagsbilder 7. Spieltag 2020/21

Bosz: "Zwischen Härte und einem gemeinen Foul ist ein großer Unterschied"

Boszs Entsetzen über die Attacke ist genauso groß wie sein Unverständnis darüber, dass Angel Romero für diese nicht die Rote Karte sah: "Ganz ehrlich, ich habe als Spieler auch immer hart gespielt, aber zwischen Härte und einem gemeinen Foul ist ein großer Unterschied. Und dann gibt es noch einen Unterschied zu einer Verletzung, die man jemanden vielleicht mit Absicht zufügt. Und wenn man so mit zwei Knien in jemanden reinspringt, dann weiß man: Der wird schwer verletzt sein."

Der 56-Jährige ist alles andere als ein Moralapostel, war er doch als Profi und Kettenhund im defensiven Mittelfeld selbst kein Kind von Traurigkeit. Doch mit dieser Aktion ist für ihn jegliche Grenze überschritten. "Ich war kein braver Spieler", sagt er, "aber so ein Foul habe ich nie gemacht."

Boszs Ärger ist umso größer, da Palacios voraussichtlich bis Mitte Februar ausfällt und sich so bei Bayer ein Engpass auf einer Position entwickelt, auf der er nicht zu erwarten war. Denn vor Palacios meldete sich ja schon mit Charles Aranguiz der Stammsechser bei Bayer wegen Achillessehnenproblemen ab. Der Zeitpunkt der Rückkehr des Chilenen ist offen: "Wenn man sich das Bein bricht, weiß man, wie lange man in etwa Gips tragen muss. Bei so einer Verletzung ist das anders: Es kann schnell wieder gut sein, aber auch noch lange dauern. Ich habe keine Ahnung."

So muss der Werkself-Trainer erstmal ohne Aranguiz und Palacios planen. Und bei einem anderen Mittelfeldspieler Vorsicht walten lassen: "Julian Baumgartlinger muss jetzt sehr viel spielen. Das hat man am Ende auch gemerkt. Da muss ich aufpassen, dass sich nicht auch er verletzt. Da wird es schon schwer auf der Sechs."

Stephan von Nocks