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Boris Becker: So war es damals wirklich

Exklusiv-Interview im kicker

Boris Becker: So war es damals wirklich

"Mein wichtigster Mentor war Ion Tiriac": Boris Becker.

"Mein wichtigster Mentor war Ion Tiriac": Boris Becker. Getty Images

Am Rande der Sandplätze von Paris wird Becker nun auch bei den French Open als Experte für den übertragenden Sender Eurosport am Start sein. Seine Kommentare und Doppelpässe mit Kommentator Matthias Stach kamen im Januar bei den Australian Open derart gut an, dass sich niemand dem von vielen Zuschauern geäußerten Wunsch nach einer Fortsetzung entgegenstellen wollte. Für Becker ist das TV-Geschäft nichts Neues: "Ich bin froh, dass ich bei Eurosport die Chance bekommen habe, auf Deutsch über meine Lieblingssportart etwas sagen zu dürfen. Auf Englisch habe ich das schon über zehn Jahre lang gemacht, was man leider in Deutschland nie so wahrgenommen oder ernst genommen hat. Wir alle bei Eurosport, auch mein Partner Matthias Stach, sind froh, dass unser Auftritt in Melbourne so gut rübergekommen ist."

"Mein wichtigster Mentor war Tiriac"

Beim Blick zurück auf die Anfänge seiner Weltkarriere räumt Becker nachdrücklich mit einem Missverständnis auf, das sich bis heute hartnäckig hält. "Mein wichtigster Mentor war Ion Tiriac, er war in den ersten Jahren vor allem Trainer und wurde dann erst auch Manager", präzisiert Becker. Gemeinhin wird Günther Bosch bis heute als Trainer des mit 17 Jahren jüngsten Wimbledon-Siegers aller Zeiten angesehen. Doch Beckers Reihenfolge ist eine andere: "Ion Tiriac war mein Mentor, mein Trainer. Das hat man in Deutschland damals nicht so gerne gehört, aber es ist die Wahrheit. Günther wäre der Erste, der das bestätigen würde."

Stich? "Niederlage gegen Edberg hat mir mehr wehgetan"

Mehr als ein Vierteljahrhundert zurück liegt auch jene Phase, in der Becker in Person von Michael Stich ein Konkurrent aus dem eigenen Lande erwuchs, sportlich ebenso wie in puncto Aufmerksamkeit. Dem Elmshorner unterlag Becker im Wimbledon-Endspiel von 1991 klar und eindeutig. Doch für Becker war es nur "eines von insgesamt sieben Wimbledon-Endspielen. Und noch nicht einmal das, das mich am meisten geschmerzt hat. Meine Niederlage 1990 gegen Stefan Edberg hat mir mehr wehgetan, weil ich da im fünften Satz Break vorne lag, während ich gegen Stich glatt in drei Sätzen verlor".

Das nie so recht funktionierende Verhältnis der beiden zueinander ist heute, Beckers Worten zufolge, "deutlich entspannter. Wir haben ja 1992 auch eine olympische Goldmedaille zusammen gewonnen, aber bis heute darauf keine Flasche Champagner aufgemacht. Das fiel ihm auf im letzten Jahr im Sommer, fast ein Vierteljahrhundert später. Er sagte: 'Wir haben noch gar nicht gefeiert.' Und ich sagte: 'Da hast du recht. Du bist damals direkt zum Flughafen und weggeflogen, ich habe mit den anderen gefeiert.' Und er: 'Das stimmt, also müssen wir das nachholen.' Das war letzten Juli, jetzt haben wir schon wieder Mai und haben es leider noch immer nicht geschafft. Wir sind älter geworden, vielleicht auch weiser, und können damit heute viel besser umgehen."

50 schreckt nicht - Körperlich besser als vor fünf Jahren

Becker ist über die Jahre ruhiger geworden, abwägender und, nach eigenen Worten, "vielleicht ein bisschen weiser". Die Ziffer 50 schreckt ihn nicht allzu sehr: "Körperlich geht es mir besser als noch vor fünf Jahren, meinen Kindern geht es gut - momentan kann ich mich nicht beklagen." Unverändert hoch ist sein Antrieb: "Wahrscheinlich werde ich bis zu meinem Lebensende immer motiviert sein, egal, was ich gerade tue. Ich möchte einen guten Job machen, bei Eurosport und meinen anderen beruflichen Aktivitäten. Ich bin stolzer Vater und Ehemann - und auch das ist nicht immer einfach. Sagen wir so: Ich bemühe mich."

Lesen Sie das komplette Interview mit Boris Becker in der aktuellen Montag-Ausgabe des kicker-Sportmagazin.

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