Bundesliga

Bobic über Netz, Ekkelenkamp und die Zuschauerzahlen

Herthas Sportchef äußert sich ausführlich

Bobic über Netz, Ekkelenkamp und die Zuschauerzahlen

"Wir wollen das normale Recht": Fredi Bobic.

"Wir wollen das normale Recht": Fredi Bobic. imago images/Matthias Koch

Aus Herthas Trainingslager in Leogang/Österreich brichtet Andreas Hunzinger

Was einen Wechsel von Luca Netz nach Mönchengladbach angeht, sagte Bobic am Freitagmittag im Rahmen einer Medienrunde im Herthas Teamhotel: "Fix ist es noch nicht, aber es geht in die Richtung." Dass in dem begabten Linksverteidiger, der auch im linken Mittelfeld spielen kann und der in der vergangenen Saison sein Profi-Debüt gab, ein Eigengewächs den Klub wohl verlassen wird, findet der Geschäftsführer Sport "schade". Aber Hertha, so Bobic weiter, habe alles versucht, Netz "einen neuen Vertrag zu geben und den auch anzupassen". Der Verein habe dem Spieler "ein sehr ordentliches Angebot gemacht, dass andere Spieler angenommen haben, die in der ersten Elf stehen", ergänzte der 49-Jährige mit Blick auf den ein Jahr älteren Marton Dardai. Es gebe allerdings Grenzen, und wenn ein Spieler eine Offerte nicht annehmen wolle, "muss man das akzeptieren".

Im Fall des Niederländers Jurgen Ekkelenkamp von Ajax Amsterdam bestätigte Bobic , dass man den 21-Jährigen im Visier habe. "Es ist so, dass wir den Spieler gut kennen und dass wir auch ein Interesse haben und nun abwägen, ob es möglich ist", sagte er. Ekkelenkamp, der bei Ajax noch bis 2022 unter Vertrag steht, ist auf der Acht oder der Zehn zu Hause und soll zwischen einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag kosten.

Insgesamt bewertet Bobic den Transfermarkt in diesem Jahr als noch schwieriger als im vergangenen Sommer. Auch, weil viele Klubs angesichts der Corona-Pandemie immer noch die Sorge umtreibe, den Spielbetrieb auch weiterhin finanzieren zu können. "Wenn du in der Verantwortung bist, dann hast du auch die Verantwortung, auf den Verein zu schauen", betonte Bobic, "und sorgfältig mit Investments umzugehen". Die Auswirkungen der Pandemie "beschäftigen uns gerade extrem", ergänzt der einstige Torjäger, "die Freude auf die Bundesliga ist bei mir noch gar nicht so groß, weil ich einfach nur die Sorgen sehe."

"Du bist aber vor einer ungewissen Zukunft"

Besondere Sorge bereitet Bobic die Zuschauerproblematik. "Du willst mit Leuten das zusammen erleben, und du weißt nicht, ob du das darfst. Obwohl wir alles dafür gemacht gemacht haben. Wir haben uns impfen lassen, wir haben Hygienekonzepte, wir haben alles da. Du bist aber vor einer ungewissen Zukunft, und das macht es schwierig." Bobic stößt vor allem auf, dass die Kapazitäten weiterhin deutlich begrenzt bleiben sollen (maximal 25 000). "Das Interessante ist doch, dass die Gesundheits-Ämter sagen: Ihr habt super Konzepte. Und ihr könnt im Olympiastadion oder im Stadion in Frankfurt das Ding ruhig gefühlt voll machen. Oder 50, 60 Prozent Auslastung machen und nicht irgendwas limitiert ist, wenn ihr das genau einhaltet. Und die Politik sagt dann plötzlich: Nö dürft ihr doch nicht", so Bobic, "das macht es schwierig. Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die sich nicht impfen lassen, weil sie sagen sich: Wenn ich geimpft bin, habe ich eh keine Sonderrechte."

Fußball will keine Sonderrechte

Der Profifußball wolle wiederum keine Sonderrechte, fügt der ehemalige Nationalstürmer hinzu, "wir wollen das normale Recht". Gerade der Fußball und der Sport im Allgemeinen, die  im vergangenen Jahr "wegen der Konzepte in aller Welt gefeiert" worden seien, "sind aktuell gefühlt die Letzten bei der Zulassung in den Stadien." Wenn er höre, dass in anderen Ländern trotz höherer Inzidenzen eine höhere Auslastung der Stadien vorgesehen sei, "dann frage ich mich: Bin ich im falschen Film? Oder müssen wir juristisch vorgehen? Muss das sein? Oder wird irgendwann mal der gesunde Menschenverstand eingeschaltet?" Er hasse es, über Politik zu reden, so Bobic weiter, "aber es ist ebenso, dass wir wahrscheinlich dann auch in der Liga mit anderen Verbänden diesen Weg gehen müssen. Weil es keiner mehr verstehen wird." Bobic machte obendrein deutlich, dass Hertha dabei helfen würde, die Impfbereitschaft und -quote weiter zu erhöhen, indem der Klub etwa den Zuschauern bei Heimspielen auch ein Impfangebot machen würde.