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Bobby Charlton: Der Inbegriff des traditionellen Sportlers

Nachruf auf Englands Fußball-Legende

Bobby Charlton: Der Inbegriff des traditionellen Sportlers

Bobby Charlton ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Bobby Charlton ist im Alter von 86 Jahren gestorben. IMAGO/ZUMA Wire

Sein Tod kam nicht ganz überraschend, vor drei Jahren wurde bei ihm Demenz diagnostiziert, sein älterer Bruder Jack war 2020 ebenfalls an dieser Erkrankung verstorben. Und dennoch versetzte die Nachricht die Menschen in tiefe Trauer. Der Respekt vor ihm war bei Weitem nicht nur durch seine Erfolge geprägt. Weltmeister und Gewinner des Ballon d’Or 1966, ewige Legende bei Manchester United mit dem Höhepunkt des Triumphs im Landesmeister-Cup 1968, als erste englische Mannschaft. Dabei wäre Charlton zehn Jahre zuvor beim sogenannten Munich Air Disaster fast ums Leben gekommen.

Charlton überlebt den Absturz

Charlton war an jenem 6. Februar 1958 samt seinem Sitz aus dem Flugzeug geschleudert worden, als die Maschine im Schneematch über die Landebahn in Riem rutschte und zerbrach. Er erlitt nur ein paar Kratzer, aber die seelischen Narben sind kaum vorstellbar. Nach dem Verlust von acht Mitspielern zum Fußball zurückzukehren, war bemerkenswert. Das Andenken an sie mit solchen Leistungen zu ehren, fast unbeschreiblich.

17 Jahre Vereinstreue für Manchester United

Tatsächlich erzielte Charlton zwischen seinem Debüt im Oktober 1956 und seinem Rücktritt 1973 einen damaligen Rekord von 49 Toren in 106 Spielen für England. Er blieb Manchester United 17 Jahre lang treu und hielt lange die Bestmarken von 758 Einsätzen und 249 Toren, war dazu ein Vorbild an Fairplay, keine einzige Gelbe Karte sah er in all der Zeit. Die Südtribüne im Old Trafford ist nach ihm benannt, vor dem Stadion steht eine Statue von ihm, 1994 schlug ihn die Queen zum Ritter.

Ganz früher kickten die Charltons in den Seitenstraßen von Ashington im Nordosten Englands, wo ihr Vater Bergarbeiter war. Für Bobby erfüllte sich mit 17 Jahren ein Traum, als er bei ManUnited unterschrieb. Matt Busby holte damals die besten Talente des Landes in den Klub, die die alte First Division wahrlich im Sturm eroberten, ein Hauch optimistischer Frischluft im kargen Nachkriegsengland. Das Gefühl, dass der Geist einer neuen Generation verloren gegangen war, verschlimmerte die Trauer der Nation nach dem Flugzeugcrash von München nur noch.

Auf dem Weg zum WM-Triumph: Charlton trifft dreimal

In der Saison zuvor hatte Charlton sein Potenzial unter Beweis gestellt. Er spielte zunächst rechter Innenverteidiger, wechselte dann auf die linke Außenbahn und glänzte schließlich als tief stehender Mittelstürmer, wo er mit seiner Schnelligkeit und seinem donnernden Schuss einige höchst spektakuläre Tore erzielte. So traf er auch bei der WM 1966 insgesamt dreimal auf Englands Weg zu seinem einzigen großen Titel. Nach dem Triumph über Deutschland im Finale brach Charlton in Tränen der Erleichterung und Freude aus. Aus jener Elf ist nun nur noch der dreifache Torschütze Sir Geoff Hurst am Leben.

Als Charlton zwei Jahre später als Kapitän von United wieder in Wembley den Henkelpokal in die Höhe hielt, sagte er, das sei für ihn ein noch emotionalerer Moment gewesen. Zehn Jahre nach München war er mit zwei Toren beim 4:1 über Benfica mit großem Beispiel vorangegangen. So wie er es oft vorher und nachher tat in seinem Leben.

pau, Keir Radnedge