Int. Fußball

Kevin-Prince Boateng ist gegen Geisterspiele bei Rassismus

36-Jähriger zwischen Resignation und Klartext

Boateng: "Nichts wird sich ändern, wenn die Strafen nicht hart genug sind"

Meinungsstarker Kämpfer gegen Rassismus: Kevin-Prince Boateng.

Meinungsstarker Kämpfer gegen Rassismus: Kevin-Prince Boateng. IMAGO/Metodi Popow

Bei Mailands 3:2-Sieg in Udine war es mal wieder zu einem rassistischen Eklat gekommen. Milans französischer Keeper Mike Maignan war mehrfach schwer beleidigt worden und hatte das Spielfeld nach einem Gespräch mit Schiedsrichter Fabio Maresca verlassen. Es folgte eine mehrminütige Spielunterbrechung, ehe Maignan zurückkehrte.

Anschließend nahmen die zuständigen Behörden sowie der Ligaverband die Ermittlungen auf - und es gab auch rasche Strafen. Ein 46-jähriger Italiener wurde mit einem lebenslangen Stadionverbot belegt, während weitere Beteiligte für fünf Jahre in kein Stadion mehr dürfen. Darüber hinaus muss das abstiegsbedrohte Udinese Calcio ein Ligaspiel unter Ausschluss der Fans austragen.

Niemand schert sich darum, dass ein Stadion mal leer ist.

Kevin-Prince Boateng

Für den ehemaligen Milan- und Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng ist das Geisterspiel für Udine nicht mehr als ein "Witz", wie er gegenüber der "Gazzetta dello Sport" erklärte. "Niemand schert sich darum, dass ein Stadion mal leer ist. Die Fans schauen sich das Spiel im Fernsehen an und kommen beim nächsten Mal wieder ins Stadion, als ob nichts passiert wäre", sagte der 36-Jährige und forderte stattdessen drastischere Strafen für die Klubs, wie etwa Punktabzüge.

"Wenn solche Spiele als Niederlagen gewertet würden, würden die Fans da getroffen, wo es ihnen weh tut", erklärte Boateng, der während seiner langen Karriere auch in Italien seine Fußballschuhe geschnürt hatte (135 Spiele für Milan, Sassuolo und Florenz). Boateng ist überzeugt, dass "sich nichts ändern wird, wenn die Strafen nicht hart genug sind".

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Nichts habe sich in den vergangenen Jahren geändert

Boateng, der vor rund einem halben Jahr seine Profi-Karriere beendet hat, betonte, dass Rassismus ein unverändert großes Problem im italienischen Fußball sei. Im Grunde habe sich nichts geändert seit 2013, als er für weltweites Aufsehen gesorgt hatte, weil er als Milan-Profi nach rassistischen Beleidigungen das Spielfeld verlassen hatte.

Damals folgten Diskussion über Rassismus im Profi-Fußball, und es gab Beifall für Milan und Boateng. Geändert habe sich in Italien allerdings nichts, meinte Boateng und forderte in diesem Zusammenhang alle Profis auf, Haltung zu zeigen, denn: "Nur schwarze Spieler beziehen Position gegen Rassismus. Dabei sollten dies alle tun."

Boateng persönlich scheint zu resignieren, so sagte er im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica": "Europa ist aggressiv geworden. Hass und Neid nehmen zu. In der Politik versuchen die Rassisten zu regieren, wie es in Deutschland mit der AfD geschieht." Er selbst wolle angesichts der fremdenfeindlichen Auswüchse in vielen Ländern offenbar in Europa keine Tätigkeiten im Fußball übernehmen. Seine Zukunft liege in Australien, wo er "zum Wachstum des Fußballs beitragen" möchte.

drm

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