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Blatter: "Dachte, es handle sich um Kai Diekmann"

Ex-FIFA-Boss traf sich mit Ex-DFB-Berater

Blatter: "Dachte, es handle sich um Kai Diekmann"

Sepp Blatter war von 1998 bis 2016 FIFA-Präsident.

Sepp Blatter war von 1998 bis 2016 FIFA-Präsident. imago images/PA Images

Namen sind Schall und Rauch, sagt ein Sprichwort. Namen öffnen manchmal aber auch Türen. Glaubt man Sepp Blatter, ging seine Tür beim Namen Diekmann auf. Kurt Diekmann. Der nämlich meldete sich offenbar bei Blatter. Der ehemalige FIFA-Präsident traf sich aber mit ihm, weil er glaubte, es handle sich um Kai Diekmann.

Das ist der langjährige Chef-Redakteur des Boulevardblatts Bild-Zeitung. Kurt Diekmann dagegen ist ein Medienberater, der für Arbeiten im Jahr 2019 vom DFB fürstlich entlohnt wurde. Für die mediale Begleitung der geräuschvollen Trennung vom langjährigen Vermarkter Infront, so lautet die Darstellung der früheren DFB-Spitzenfunktionäre Dr. Rainer Koch, Dr. Friedrich Curtius und Dr. Stephan Osnabrügge. An dieser Version aber gibt es Zweifel, nicht zuletzt geschürt von den früheren DFB-Präsidenten Fritz Keller und Reinhard Grindel. Letzterer bestätigte jüngst im kicker: "Mein Nachfolger Fritz Keller hat immer wieder betont, dass es an Nachweisen darüber fehlt, was Herr Diekmann eigentlich gemacht hat."

Kurt Diekmann tauchte aber schon weit vor 2019 im Fußballkosmos auf. Erstmals 2012, nachdem er über den früheren DFB-Funktionär Karl Rothmund den Zugang zum Verband gesucht und angebliche Hinweise auf Schmiergeldzahlungen an Deutsche im Zuge der Insolvenz des Sportvermarkters ISL, einer gigantischen Korruptionsmaschinerie, versprochen hatte. Das daraus entstandene Meeting in Hannover entpuppte sich als ziemliche Luftnummer. Grindel hatte damals teilgenommen. Und unter anderem: Rainer Koch.

Dann, vier Jahre später, traf sich Koch mit Prof. Mark Pieth, einem Schweizer Compliance-Experten, der zeitweise für die FIFA gearbeitet hatte. Mit dabei laut Süddeutscher Zeitung: Kurt Diekmann. Und zwar im Januar 2016. Der Zeitpunkt ist interessant, weil er mitten in die Hochphase der Aufregungen um die im Oktober 2015 vom Spiegel enthüllte Sommermärchen-Affäre fällt. Noch immer ist unklar, wofür 2002 6,7 Millionen Euro, veranlasst von WM-2006-Macher Franz Beckenbauer, am Ende an den katarischen Ex-Fußballfunktionär Mohammed Bin Hammam flossen. 2005 löste der DFB Beckenbauer, der sich das Geld als Darlehen besorgt hatte, aus, wickelte die Transaktion seltsamerweise über die FIFA ab. Verfahren dazu wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung wurden eingestellt.

Ich habe Herrn Diekmann in Zürich getroffen, aber unter der Annahme, dass es sich um Kai Diekmann handle, den ehemaligen Bild-Chefredakteur.

Sepp Blatter

Im Jahr 2016 nun gab es ein weiteres Treffen Diekmanns - und zwar mit Sepp Blatter. Das behauptet der skandalumtoste, frühere FIFA-Präsident im kicker-Interview (Montagsausgabe): "Ja, er wollte mit mir arbeiten für 500 Euro Honorar pro Stunde. Ich habe Herrn Diekmann in Zürich getroffen, aber unter der Annahme, dass es sich um Kai Diekmann handle, den ehemaligen Bild-Chefredakteur." Eine dem kicker vorliegende E-Mail untermauert, dass es eine Zusammenkunft gab.

Offenbar rührte der Medienberater damals also in den höchsten Zirkeln des Weltfußballs herum, der in diesen Tagen von heftigen Affären gebeutelt war - der FIFA-Razzia im Mai 2015, die das Anfang vom Ende Blatters bedeutete, und eben dem vom Spiegel recherchierten Eklat um die deutsche WM 2006. Gegenüber der Bild-Zeitung hatte der Spiegel bereits 2021 erklärt: "Der SPIEGEL hat von 2016 bis Mai 2019 mit Herrn Diekmann zusammengearbeitet." In der dem kicker vorliegenden E-Mail Diekmanns an Blatter ist diese Zusammenarbeit jedoch mit keiner Silbe erwähnt. Allerdings behauptet Diekmann darin, Blatter habe ihn um Rat und Tat gebeten für die Wiederherstellung seines Rufs.

Immer mehr Fragen tauchen auf

Blatter dagegen bestreitet das: "Mir schien damals, er produziere viel heiße Luft und wolle sie dann teuer verkaufen. An einer Zusammenarbeit gab es kein Interesse meinerseits." Heiße Luft für viel Geld? Das wiederum würde gut zu der Frage passen, wofür der DFB 2019 Diekmann mit 360.000 Euro bedachte, mit der sich ja mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der Untreue zulasten des Verbands befasst. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Eine Vermutung hegt offenbar Grindel: "Fakt ist, dass Rainer Koch 2015 schon im Vorfeld von den Sommermärchen-Recherchen des Spiegel wusste. Er hat mit einem Nachrichtenhändler zusammengearbeitet, der einen engen Kontakt zum Spiegel hatte." Der ehemalige DFB-Boss hatte bereits mehrfach Kochs angebliches Vorwissen zur Sommermärchen-Enthüllung thematisiert. Koch hatte dieser Darstellung stets widersprochen, juristisch vorgegangen sei er dagegen aber nie, so Grindel. Immer mehr Fragen tauchen auf rund um die Beziehungen Diekmanns zu ehemaligen Fußballfunktionären. Kurt Diekmanns, nicht Kai Diekmanns, wohlgemerkt.

Die Aussagen Sepp Blatters in diesem Artikel sind Teil eines großen Interviews mit dem ehemaligen FIFA-Präsidenten, das unter anderem seine Sicht der Dinge auf die Skandal-WM in Katar zum Thema hat. Das komplette Interview mit Blatter lesen Sie in der kicker-Montagsausgabe des kicker oder im eMagazine.

Benni Hofmann