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Blatter beteuert bei Anhörung seine Unschuld

Suspendierter FIFA-Präsident sagt vor der Ethikkommission aus

Blatter beteuert bei Anhörung seine Unschuld

Joseph S. Blatter am Donnerstag auf dem Rücksitz seines Wagens.

Joseph S. Blatter am Donnerstag auf dem Rücksitz seines Wagens. picture alliance

Wegen einer von Blatter veranlassten Zahlung der FIFA in Höhe von rund zwei Millionen Euro im Jahr 2011 an UEFA-Boss Michel Platini wurden beide Funktionäre Anfang Oktober für 90 Tage suspendiert. Die beiden Beschuldigten behaupteten, die Zahlung sei ein mündlich vereinbartes Honorar für Platinis Berater-Tätigkeit bei der FIFA zwischen 1998 und 2002 gewesen. Die Spruchkammer der Ethikkommission geht aber von Schmiergeld zugunsten Blatters Wiederwahl als FIFA-Präsident vor vier Jahren aus. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, droht Blatter eine Sperre auf Lebenszeit. Aller Voraussicht nach wird die Spruchkammer mit dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert am Montag ein Urteil fällen.

Diesem sieht Blatter allerdings optimistisch entgegen. "Die Beweise haben gezeigt, dass sich Präsident Blatter ordnungsgemäß verhalten und sicher nicht gegen den Ethikcode verstoßen hat", teilten die Blatter-Anwälte nach der Anhörung mit.

Blatter selbst wollte sich gegenüber den wartenden Journalisten nicht äußern. Dafür gab er der am Donnerstag erscheinenden Schweizer Wochenzeitung "Weltwoche" ein Interview. "Der Platini-Vertrag ging durch die Finanzkommission, durch das Exekutivkomitee und durch die Kontrollorgane. Er passierte auch den Kongress. Alles wurde abgesegnet", rechtfertige Blatter die Zahlung.

Am Freitag wird sich die Ethikkommission mit UEFA-Präsident Michel Platini beschäftigten. Der Franzose hat aber bereits angekündigt, nicht zu dem Termin in Zürich zu erscheinen. Platini begründete sein Fernbleiben mit einer angeblichen "Missachtung der Unschuldsvermutung" durch die Ethikhüter des Weltverbands, wie Platinis Anwälte am Mittwoch mitteilten.

Rund 50 Konten heutiger und ehemaliger Funktionäre gesperrt

Unterdessen sind im Zusammenhang mit dem FIFA-Korruptionsskandal rund 50 Konten aktuelle und ehemaliger FIFA-Funktionäre gesperrt worden. Nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Justiz (BJ) ist ein "hoher zweistelliger Millionenbetrag" eingefroren. Eine genaue Zahl nannte das Amt aber nicht. Die Zeitung "Tagesanzeiger" spekulierte über einen Gesamtbetrag von 50 bis 100 Millionen Euro. Die Konten wurden auf Ersuchen der US-Justiz gesperrt. Nun werde geprüft, ob es die 50 Konten, die die USA interessieren, tatsächlich gebe oder gab und ob eine Verbindung zu den erhobenen US-Vorwürfen bestehe.

jer/dpa