Nationalelf

Bierhoff: "Wir sprechen keinen Trainer an, der unter Vertrag steht"

DFB hofft eine EM-Aufbruchstimmung

Bierhoff: "Wir sprechen keinen Trainer an, der unter Vertrag steht"

"Wir haben DFB-intern gute Lösungen": Direktor Nationalmannschaft Oliver Bierhoff über die Löw-Nachfolge.

"Wir haben DFB-intern gute Lösungen": Direktor Nationalmannschaft Oliver Bierhoff über die Löw-Nachfolge. imago images

Eine "riesige" Wiedersehensfreude hatte Oliver Bierhoff beim Zusammentreffen der Spieler, dem Trainer- und Betreuerstab im Düsseldorfer Lindner Congress Hotel ausgemacht: "Für uns ist es einfach schön, dass wir alle wieder zusammengekommen sind." Von heiler Welt freilich sind die Nationalmannschaft und der DFB vier Monate nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien und elf Tage nach der Rücktritts-Ankündigung von Bundestrainer Joachim Löw weit entfernt.

Bierhoff: "Wir wollen schauen, dass die Mannschaft zusammenwächst"

Die erste Zusammenkunft des Jahres ist vielmehr eine Gratwanderung für den scheidenden Coach und seine verunsicherte Mannschaft, die in den WM-Qualifikationsspielen gegen Island, Rumänien und Nord-Mazedonien eine EM-Aufbruchstimmung erzeugen wollen. "Wir wollen unbedingt gute Ergebnisse erzielen und direkt zeigen, dass wir Favorit in der Gruppe sind. Und wir wollen schauen, dass die Mannschaft zusammenwächst und gerade nach dem Spanien-Spiel ein gutes Zeichen setzt", so Bierhoff bei der virtuellen Pressekonferenz am Montag.

Den Bundestrainer erlebt der Direktor Nationalmannschaft zum Auftakt der letzten vier Monate seiner 15-jährigen Amtszeit gelöst, locker und fokussiert. "Ich habe ihn sehr enthusiastisch und mit großer Vorfreude gesehen, aber auch nicht überschwänglich entspannt", schilderte Bierhoff: "Für ihn ist es wichtig, im hier und jetzt zu sein. Was nach dem Turnier ist, darüber denkt er noch nicht nach."

Zerstrittene DFB-Spitze kommt zusammen

Bierhoff dafür umso mehr. Nicht nur die Mannschaft versammelt sich dieser Tage in Düsseldorf, auch die in sich zerstrittene DFB-Spitze um Präsident Fritz Keller, Generalsekretär Friedrich Curtius sowie die Vizepräsidenten Peter Peters und Rainer Koch haben sich im Teamquartier angekündigt, um mit Bierhoff zwei Kern-Themen zu besprechen: Die Rahmenbedingungen der anstehenden EM und die Suche nach einem Löw-Nachfolger. "Wir werden natürlich über die Situation sprechen", sagte Bierhoff zur Bundestrainer-Suche, hielt sich aber insgesamt sehr bedeckt: "Wir haben zwar nicht Zeit ohne Ende, aber auch keinen Zeitdruck." Dass Bayern Münchens Vorstands-Vorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag untermauerte, man werde Hansi Flick nicht im Sommer aus seinem bis 2023 datierten Vertrag entlassen, hat natürlich auch Bierhoff vernommen. "Ich habe das so interpretiert, dass er Hansi Flick den Rücken stärken will, was ja auch das Richtige ist, wenn man Vorsitzender des Vereins ist", so der frühere Torjäger, der die schon in der Vergangenheit geschilderte DFB-Maxime unterstrich: "Wir sprechen keinen Trainer an, der unter Vertrag steht."

Hohe Wertschätzung für Kuntz

Dies rückt automatisch freie Trainer wie beispielsweise den interessierten Ralf Rangnick in den Fokus, aber auch eine interne Lösung wie U-21-Coach Stefan Kuntz und den derzeitigen Assistenten Marcus Sorg. "Wir haben DFB-intern gute Lösungen, das lässt uns ein bisschen ruhiger sein", so Bierhoff. Konkret auf Kuntz angesprochen, wollte er nicht über dessen Befähigung zum Cheftrainer sprechen, sagte aber immerhin: "Dass wir es positiv bewerten, haben wir gezeigt, indem wir seinen Vertrag verlängerten. Die Wertschätzung im Verband ist sehr hoch."

DFB plant mit Gruppenspielen in München

Wie bei der Bundestrainer-Suche ist auch bei der EM-Ausrichtung vieles in der Schwebe. Bierhoff widersprach Löws Darstellung, dass es bei der UEFA den Plan B gebe, das Turnier nur in einem Land auszutragen. "Es war bisher nicht die Rede von einem Land", so der frühere Nationalmannschafts-Kapitän: "Meine Info ist, dass man weiter mit zwölf Standorten plant, und dass es eventuell auf acht Standorte geht." Beim DFB plant man jedenfalls fest mit Gruppenspielen in München und dem Teamquartier in Herzogenaurach auf dem adidas-Gelände.

Die jüngsten Äußerungen von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, nur dort spielen zu wollen, wo auch Zuschauer garantiert werden könnten, löste auch bei Bierhoff Befremden aus. "Ich habe auch nicht verstanden, wie dieser Druck aufgebaut wurde, das hat natürlich zu Irritationen geführt", kritisierte er und mahnte an, die UEFA solle die Regeln in den einzelnen Ländern akzeptieren.

Oliver Hartmann