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Bierhoff und Flick zum Rapport - Ruhnert: "Das ganze System passt so nicht mehr"

Klartext von Geyer

Bierhoff und Flick zum Rapport - Ruhnert: "Das ganze System passt so nicht mehr"

Müssen sich erklären: Oliver Bierhoff (li.) und Hansi Flick (Mi.).

Müssen sich erklären: Oliver Bierhoff (li.) und Hansi Flick (Mi.). picture alliance / Markus Gilliar/GES

Aus Katar berichten Matthias Dersch, Oliver Hartmann und Karlheinz Wild

Für die viel zu früh gescheiterten deutschen WM-Profis begann am Sonntag der Winterurlaub, für die Verantwortlichen die Aufarbeitung des Katar-Desasters. Mit Spannung erwartet Fußball-Deutschland die Klausurtagung zwischen der Verbandsspitze und der sportlichen Leitung in dieser Woche.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke, der zugleich Geschäftsführer von Borussia Dortmund ist, haben Oliver Bierhoff und Hansi Flick aufgefordert, eine Analyse des WM-Scheiterns zu erstellen und eine Perspektive für die Heim-EM 2024 zu erstellen. Bis spätestens Donnerstag muss dieses Treffen stattgefunden haben, da für kommenden Freitag eine DFB-Präsidiumssitzung anberaumt ist.

Der öffentliche Druck auf Flick ist weit geringer als auf Bierhoff

Welche Konsequenzen die nach der WM 2018 und EM 2021 dritte Turnier-Enttäuschung in Serie haben wird, ist noch völlig offen. Neuendorf will Wasserstandsmeldungen vermeiden und hat deshalb intern Stillschweigen verfügt. Im Zentrum der Kritik steht Oliver Bierhoff. Dem Direktor Nationalmannschaften und Akademie, seit gut 18 Jahren im Amt und noch mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet, werden von allen Seiten Missmanagement und Fehleinschätzungen vorgeworfen, unter anderem in der Binden-Affäre und der Quartier-Wahl. Flick muss sich unter anderem für seine unverständlichen Personalentscheidungen erklären, die zur Verunsicherung der Mannschaft beigetragen hatten. Der öffentliche Druck auf den Bundestrainer ist allerdings weit geringer als der Wind, der aktuell Bierhoff entgegenschlägt.

Begleitet werden die Aufräumarbeiten im Verband von teils heftiger Kritik aus der Liga und von Experten, wie eine kicker-Umfrage ergab. So fordert Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Sport von Union Berlin, weitreichende Reformen im gesamten Apparat des Verbandes. "Das ganze System passt einfach so nicht mehr. Wir sind im Gesamtbereich des DFB, der Direktion Nationalmannschaften schlecht aufgestellt - und das von unten bis oben. Im Nachwuchsbereich haben wir - aus meiner Sicht - personell und strukturell seit Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen", sagte Ruhnert und folgert daraus: "Wenn man über personelle Konsequenzen spricht, muss man auch die Führungsebene ins Auge fassen. Das muss man klar ansprechen, trotz der Verdienste in der Vergangenheit."

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Flick, Bierhoff … Klopp? Welche Konsequenzen muss der DFB ziehen?

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In der Diskussion um Flick plädiert Ruhnert für eine zweite Chance: "Auch wenn er mit seinen Aufstellungen und Wechseln sicherlich nicht immer richtig lag: Ihn halte ich dennoch für selbstkritisch genug, Dinge neu zu denken und zu entwickeln."

Geyer: "Ich hätte die Mannschaft drei Tage im Quartier eingeschlossen"

Eduard Geyer, der letzte DDR-Auswahltrainer und unter anderem Coach von Energie Cottbus, übte harsche Kritik am WM-Management der DFB-Delegation. "Die Dinge, die von außen hereingetragen wurden und die nichts mit dem Fußball zu tun hatten, haben die Mannschaft belastet. Es hätte um die totale Fokussierung auf den Ball gehen sollen und nicht darum, ob wir die Binde rechts oder links tragen, ob sie überhaupt schön ist und ob wir uns den Mund zu halten. Diese ganzen Aktionen sind total nach hinten losgegangen und haben uns total ins Abseits gestellt. Wir denken immer, wir sind der Nabel der Welt und schießen uns am Ende ins Knie", erklärte Geyer und fügte hinzu: "Wir beschäftigen uns mit allem Möglichen, nur nicht mit der Konsequenz des Fußballs. Ich hätte die Mannschaft nach dem Ausscheiden nicht nach Hause fahren lassen, sondern wäre in Katar geblieben, hätte mich drei Tage im Quartier eingeschlossen und eine knallharte Analyse gemacht. Man muss ganz ehrlich sein: Seit 2014 sind wir nur noch Mittelmaß."

Neben einer ausführlichen Analyse lesen Sie weitere Stimmen aus der Liga zum deutschen WM-Aus in der Montagsausgabe des kicker - ab Sonntagabend hier schon im eMagazine.

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"Es muss Diskussionen um Bierhoff geben": kicker-Reporter debattieren das Ausscheiden des DFB-Teams

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