Bundesliga

Arminia Bielefeld: Brunner will alle mit ins Boot holen

"Wir müssen stets einen guten Tag haben"

Bielefeld: Brunner will alle mit ins Boot holen

Wichtig für Bielefeld: Cedric Brunner.

Wichtig für Bielefeld: Cedric Brunner. imago images/Jan Huebner

Am Samstag will er seine Schweizer Landsleuten beim VfL Wolfsburg, Kevin Mbabu und Renato Steffen, zur WM-Qualifikation beglückwünschen. "Man konnte ja nicht unbedingt davon ausgehen, dass Italien schwächelt", sagt Cedric Brunner. "Irgendwie passt es für unser Land immer, wenn es um die Tickets für die großen Turniere geht. Sicher werde ich den beiden gratulieren, wenn es die Gelegenheit gibt. Hoffentlich mit etwas Zählbarem in der Hand, dann fällt es noch leichter."

Für Bielefeld hofft der 27-Jährige auf einen Erfolg gegen die "Wölfe", um sich im Tabellenkeller weiter Luft zu verschaffen. "Wolfsburg hat bisher nicht übertrieben viele Tore geschossen. Wenn wir lange die Null halten, ist etwas drin." Dies soll, wie schon zuletzt beim 1:0-Sieg in Stuttgart, mit ihm als Rechtsverteidiger in einer stabilen Viererkette gelingen. Brunner über die Vorliebe seines Teams für diese Abwehr: "Man sieht es und hört es auch heraus, wenn man sich untereinander austauscht: Viele fühlen sich in dieser Formation wohler. Sie funktioniert, wir sind darin eingespielt - siehe voriges Jahr."

Qualitätsfrage an schlechten Tagen

Obwohl Arminia auf dem vorletzten Platz liegt, laufe es insgesamt in dieser Saison vom Gefühl her gar nicht so schlecht, findet der Schweizer. "Oft waren wir richtig gut, bekamen nur zu unmöglichen Zeitpunkten Gegentore oder trafen selbst nicht. Das war letztes Jahr anders. Da haben wir oft schlechter gespielt, hatten aber mehr Wettkampfglück." Und nicht so große Integrationsprobleme wie aktuell. "Wir haben viele Junge dazubekommen. Bundesliga ist schon ein anderer Rhythmus, anderes Tempo. Wir konnten gemeinsam die Automatismen noch nicht komplett so umsetzen, wie wir uns das wünschen."

Dies solle bald so weit sein. "Wir Erfahreneren müssen weiter alle mit ins Boot holen, anders funktioniert es nicht. Und wir müssen stets alle einen guten Tag haben, an schlechten reicht die Qualität nicht, das wissen wir in Bielefeld."

Brunner hat die Sehne "im Griff"

Die Bielefelder Klubführung bekannte sich jüngst sehr deutlich zu Trainer Frank Kramer, als dieser in die Kritik geriet. "Uns Spieler hat das nicht zu beeinflussen", betont Brunner. "Wir müssen dafür sorgen, dass uns niemand vorwerfen kann, wir gäben nicht immer alles. Diese Mentalität hat Frank Kramer im letzten Jahr noch einmal gestärkt, er hat viel geredet und uns gepusht. Jetzt müssen wir über den vorhandenen Kampf, Einsatz und ständigen Dampf hinaus auch taktisch und spielerisch noch besser zusammenarbeiten. Das klappte noch nicht immer so."

Brunner selbst legte kürzlich eine Entzündung der Peroneussehne am Fuß lahm. "Ich habe das seit der ersten Länderspielpause ein wenig mitgeschleppt und zwei Spiele mit Schmerzen gespielt. Dann gegen Dortmund ging gar nichts mehr, ich musste raus. Jetzt habe ich es im Griff. Die Sehne am Fuß war im Sommer schon einmal entzündet. Ein paar Tage Pause und Therapie, alles gut so weit."

Arminia ohne Druck

Als Fern-Student der Psychologie nutzt der Rechtsverteidiger seine Kenntnisse zur eigenen mentalen Stärkung. "Mir hilft, sich immer vor Augen zu führen, dass nicht alles ganz schlecht ist und man bewusst den Glauben an eigene Stärken bewahren muss. Wir haben einige im Team, die schon echte Tiefpunkte in der Karriere erlebt haben und darüber hinweggekommen sind." Sein eigenes einschneidendes Erlebnis habe er gleich am Anfang seiner Profi-Laufbahn, als er mit dem FC Zürich abstieg, gehabt, so Brunner. "Das war in der Schweiz vergleichbar mit dem Schalker Absturz in diesem Jahr. Es hat mich unheimlich mitgenommen, mir aber im Nachhinein auch viel für mich selbst gebracht. Es folgten der Pokalsieg der Wiederaufstieg mit dem FCZ."

Arminias Trümpfe im Abstiegskampf seien vielleicht genau diese Erfahrungen zu wissen, es geht noch deutlich schlimmer. "Und es gibt unten in der Tabelle Klubs, in denen der Druck und die Ungewissheit größer ist als für uns, so wie im vergangenen Jahr: Wir mussten nicht, wir konnten und durften. Das war ein großer Vorteil."

Neuer Vertrag? "Bisher habe ich von Arminia noch nichts gehört"

Zunehmend in den Vordergrund gerät bei Brunner die Frage nach der eigenen Zukunft, der Vertrag in Bielefeld läuft 2022 aus. "Bisher habe ich von Arminia noch nichts gehört. Ich könnte mir vorstellen, dass sie ganz zufrieden mit mir sind und sich bald melden. Mein Ziel bleibt, in einer der fünf Top-Ligen zu spielen." Denn ganz ausgeträumt ist der Traum, selbst einmal für die Schweier "Nati" zu spielen nicht. "Das wäre schön, es hat aber nicht oberste Priorität. Die Konkurrenz gerade auf meiner Position ist groß." Fraglich auch, ob der Sprung in Bielefeld gelingen kann. "Vielleicht, wenn ich hier mehr Tore oder Vorlagen liefere. Ich dachte nach dem Aufstieg, mehr in den Fokus zu rücken." Aber, so die Erkenntnis: "Bundesliga zu spielen allein reicht nicht aus, denn in Sachen Auswahl hat sich für mich nichts geändert. Wahrscheinlich wird es schwierig, wenn ich auf die Nationalelf schaue. Ich habe ja noch über 20 Spiele Gelegenheit zu zeigen, dass es an mir kein Vorbeikommen gibt..."

Michael Richter

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