Regionalliga

BFV-Verbandspräsident Kern: "Dass der Meister nicht aufsteigt, nehme ich in Kauf"

Interview zum Saisonstart

BFV-Verbandspräsident Kern: "Dass der Meister nicht aufsteigt, nehme ich in Kauf"

BFV-Verbandspräsident Christoph Kern will "anders an die Themen herangehen".

BFV-Verbandspräsident Christoph Kern will "anders an die Themen herangehen". IMAGO/FAF

Als Christoph Kern den kicker zum virtuellen Interview trifft, fällt neben seinem weißen Hemd und der Brille mit den schmalen Rändern der kolossale Bücherschrank auf. Eigentlich, so sagt es der neue BFV-Präsident, sollen ihn andere beurteilen. Der Inhalt des wuchtigen Möbelstücks gibt dann aber doch etwas über seine Persönlichkeit preis, zum Beispiel, dass Kern gerne die Romane mit dem kauzigen Hauptkommissar Kluftinger liest. Immerhin war der promovierte Jurist selbst Staatsanwalt in Kluftingers Heimat Kempten. Zahlreiche weitere Wälzer zieren die Wände: Helmut Kohls Protokolle, Jura-Sachbücher - und eine Karikatur von Kern selbst. Offenbar kann der Franke auch über sich schmunzeln. Dabei hatte er bereits früh eine Funktion ausgeübt, wo es naturgemäß wenig zu lachen gibt: als Schiedsrichter.

Herr Kern, inwieweit muss man als Präsident Streitschlichter sein?

Eine gewisse Fähigkeit zur Mediation ist sowohl als Präsident als auch als Schiedsrichter durchaus wichtig. Als ich mit 14 Jahren mit dem Pfeifen anfing, war ich in meiner Entwicklung noch nicht so weit - habe sie dann aber genommen. Kurzum: Hätte ich nicht zur Pfeife gegriffen, wäre ich auch kein Präsident geworden.

Die Frage zielte auch auf das Image als zerstrittener Verband ab.

Es stimmt, der Verband wurde auch negativ wahrgenommen. Aber da sollten wir unbedingt differenzieren.

Der BFV hat eine exponierte Stellung.

Christoph Kern

Wie meinen Sie das?

Der nationale Fußball hatte zuletzt - auch aufgrund der Situation beim DFB - nicht das beste Image. Der BFV nimmt eine durchaus exponierte Stellung ein, vor allem in der medialen Wahrnehmung - und das meine ich positiv. Insgesamt haben wir ein Image, das wir zwar verbessern können, das aber nicht existenziell schlecht ist.

Wie wollen Sie es verbessern?

Wir müssen anders an die Themen herangehen, Vereine und Mitglieder mitnehmen. Und wir brauchen absolute Transparenz. Dazu müssen wir die Fragen der aktuellen Generation beantworten.

Wir legen den Fokus auf die Frauen, wir können es uns nicht länger erlauben, die Hälfte unserer Bevölkerung außen vor zu lassen.

Christoph Kern

Zum Beispiel?

Ob wir Spieltage nicht mal auf den Freitag legen, um die Wochenendplanung der Familien einfacher zu gestalten. Zudem legen wir den Fokus auf die Frauen, wir können es uns nicht länger erlauben, die Hälfte unserer Bevölkerung außen vor zu lassen.

Wie sehr standen Sie in Ihren ersten Wochen schon im Fokus?

Mich erreichten viele intensive Reaktionen. Es gibt unglaublich viel zu tun, ich arbeite mich ein, bastle mir meinen Fahrplan für die nächsten Wochen, gehe raus zu den Vereinen, knüpfe Kontakte. Präsenz ist mir sehr wichtig, schon am Anfang. Meine ersten Eindrücke waren überwältigend.

Welche sind die wichtigsten?

Zunächst, dass ich durch die Wahl viel Rückenwind und Zustimmung erhalte. Offenbar lag ich mit meiner Vision nicht ganz so falsch, das ist schon motivierend. Viel wichtiger ist aber, dass wir als Verband wahrgenommen werden.

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Welche Stimmung herrscht dort aktuell?

Durch den Präsidentenwechsel entstand eine deutlich spürbare Aufbruchsstimmung. Ich habe den Eindruck, dass wir mit unseren Ehrenamtlichen motivierte Leute in unseren Reihen haben, die gemeinsam anpacken wollen.

Der Meister der Regionalliga Bayern muss in dieser Saison erneut Aufstiegsspiele absolvieren. Ist das im Interesse des Verbandes?

Ich lege großen Wert darauf, dass uns die Regionalliga Bayern in dieser Form erhalten bleibt. Am Ende des Tages nehme ich dafür die Tatsache in Kauf, dass der Meister nicht direkt aufsteigt. Die vergangenen Jahre zeigen, welche Klasse und Leistungsfähigkeit Bayern besitzt. In zehn Jahren stellte der Verband sieben Aufsteiger.

Die Gewichtung für eine eigenständige Regionalliga liegt höher als die Erweiterung der Regionalliga Bayern.

Christoph Kern

Der Gedanke des Sports ist es dennoch, dass der Meister aufsteigen muss - auch aufgrund der Planungssicherheit …

Ja, die beiden Aufstiegsspiele nach Abschluss der Saison sind weder kalkulierbar noch vorhersehbar. Aber wenn der Meister in einem spannenden Saisonfinale erst am letzten Spieltag ermittelt wird, ist eine vorzeitige Planung für die Klubs auch nicht möglich. Die Gewichtung für eine eigenständige Regionalliga liegt höher als die Erweiterung der Regionalliga Bayern.

Eine Eingliederung der südlich liegenden Vereine der Nordost-Staffel ist also auch keine Option?

Nein. Für die Regionalliga Bayern haben wir das Ziel, dass die Eigenständigkeit der Liga eine höhere Gewichtung hat.

Ab kommender Saison dürfen Vereine ab der Landesliga abwärts Werbung auf der Trikotrückseite und der Hose platzieren. Warum?

Wir müssen mit der Zeit gehen und wollen den Vereinen die Möglichkeit geben, sich mit mehr Trikotsponsoren auszustatten. Was kein Muss ist. Es gab dazu bislang nur einschränkende Regelungen, die Nachfrage aus den Vereinen ist aber immer größer geworden.

Ebenfalls wieder zurück ist 30 Jahre nach ihrer Abschaffung die Zehn-Minuten-Strafe. Denken Sie nicht, dass diese Regel für mehr Ärger auf dem Platz sorgen wird?

Ganz im Gegenteil. Ich kenne die Regel ja aus Jugendspielen, die ich gepfiffen habe. Dort gibt es die Zeitstrafe schon immer. Sie war für mich stets ein probates Mittel. Sollten wir merken, dass es fortschrittshemmend ist, werden wir uns zusammen mit den Vereinen die Frage stellen, ob wir es beibehalten.

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