2. Bundesliga

Benes: Endlich führungsstark

HSV: Slowake sieht seine Entwicklung noch lange nicht am Ende

Benes: Endlich führungsstark

Laszlo Benes entwickelt sich beim HSV mehr und mehr zum Taktgeber.

Laszlo Benes entwickelt sich beim HSV mehr und mehr zum Taktgeber. IMAGO/Moritz Müller

Große Erwartungen begleiten Laszlo Benes eigentlich schon immer. 2016 war das damalige Mittelfeld-Juwel von MSK Zilina Borussia Mönchengladbach fünf Millionen Euro wert. Und als er, auch nach seinen Leih-Stationen Augsburg und Kiel, den Durchbruch nicht geschafft hatte, war mit seiner Ankunft in Hamburg im Sommer 2022 die konkrete Hoffnung verbunden, dass der Slowake der entscheidende Mosaikstein zum Aufstieg ist. Es sind Erwartungshaltungen, die erklärbar machen, weshalb nach einer Premieren-Saison mit immerhin sechs Treffern und neun Vorlagen keine ungeteilte Euphorie um Benes herrschte. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Tim Walter hatte Benes schon in Kiel in der Rückserie der Spielzeit 2018/19 ein halbes Jahr trainiert und galt als Triebfeder beim Transfer an die Elbe. Einen Freifahrtschein indes stellte er ihm nie aus. Immer wieder mal gab es in der zurückliegenden Spielzeit Reibungen, wenn es um die richtige Positionierung auf dem Feld ging. Und zwischenzeitlich gar den Stammplatz-Verlust. Dennoch ist dem Trainer in der Beurteilung von Benes eines wichtig: "Er hatte schon in seiner ersten Saison eine herausragende Scorer-Bilanz. Seine jetzigen Zahlen kommen nicht von heute auf morgen, sie sind das Ergebnis einer Entwicklung. Und die ist brutal, seit er bei uns ist."

Benes, der in der aktuellen Saison auf sieben Tore und sechs Vorlagen kommt, ordnet seine Zeit in Hamburg grundsätzlich ähnlich ein, sagt: "Hier hatte ich vom ersten Tag an das Vertrauen, was ich früher schon verdient gehabt hätte, aber bei meinen vorherigen Vereinen nicht bekommen habe." Dennoch registriert er im Innenverhältnis eine leichte Veränderung: "Ich spüre, dass der Trainer mir jetzt noch mehr vertraut als in der vergangenen Saison. Da war ich noch manchmal unzufrieden, wenn ich vorzeitig ausgewechselt wurde."

Benes: "Ich will Verantwortung übernehmen"

Die Folge des gesteigerten Vertrauens: Benes ist in seiner achten Spielzeit in Deutschland endlich ein Anführer. "Es ist mein Anspruch an mich selbst, ich will Verantwortung übernehmen." Bei Elfmetern, in kritischen Spielsituationen. Das gelingt nicht durchgehend, insgesamt allerdings immer besser. "Ich bin jetzt in der besten Form meiner bisherigen Karriere." Aber seiner Meinung nach immer noch nicht am Ziel: "Meine Entwicklung ist noch nicht zu Ende."

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Zu Benes' Entwicklung gehört, dass er nicht nur in kritischen Situationen Verantwortung übernimmt, sondern auch verbal vorangeht, sich und die Kollegen neuerdings auch mal öffentlich in die Pflicht nimmt. Und dass er anders mit Rückschlägen umgeht als noch in der Vergangenheit. In seinen Anfangsjahren und auch in seiner ersten Spielzeit an der Elbe war der filigrane Techniker, der seine öffnenden Pässe mit der Präzision eines Seziermessers spielen kann, oft abhängig von seinem Gemüt und leichter aus dem Gleichgewicht zu bringen. Als er vor wenigen Wochen beim SV Wehen Wiesbaden in der letzten Aktion der Nachspielzeit beim Stand von 1:1 einen Elfmeter an die Latte setzte, reagierte er im Heimspiel darauf gegen Fürth (2:0) mit einem Gala- Auftritt und einer Torvorlage. "Laci", lobt Trainer Walter, "hat sich unheimlich weiterentwickelt, er bringt eine brutale Energie mit ein mit der Art und Weise, wie er antreibt, wie er läuft."

Benes selbst registriert die Entwicklung ebenfalls. "Ich habe jetzt die Effektivität, die lange bei mir vermisst wurde", erklärt er. "Ich kann durch das Vertrauen in Hamburg befreiter aufspielen." Und als Anführer vorangehen auf jenem Weg, der ihn dorthin zurückführen soll, wo er - wie der HSV - schon war: in die Bundesliga.

Sebastian Wolff

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