Bundesliga

Stefan Bell über Mainz-Streik: "Hat wichtige Prozesse angestoßen"

05er haben sportlich ähnliche Probleme wie in der Vorsaison

Bell über den Streik in Mainz: "Die Ereignisse haben wichtige Prozesse angestoßen"

Mainzer Urgestein: Stefan Bell.

Mainzer Urgestein: Stefan Bell. imago images

Die letzte halbe Stunde beim 2:4 gegen den KSC durfte Bell in der Abwehrzentrale ran. Trainer Lichte hatte Moussa Niakhaté auf die Linksverteidigerposition beordert, um Platz für das Mainzer Urgestein zu machen, der wegen einer komplizierten Knöchelverletzung die gesamte Bundesligasaison 2019/20 verpasst hatte. "Es hat Spaß gemacht, es darf gerne mehr werden", sagt Bell, der neben Niakhaté, Jeremiah St. Juste, Luca Kilian, Dimitri Lavalee und Alexander Hack einer von sechs Innenverteidigern im Mainzer Kader ist. Die Einsatzchancen sind daher nicht allzu groß.

"Hoffnung ist immer da, ansonsten wäre es schwer, sich zu motivieren. Ich sehe da eher den sportlichen Wettkampf im Vordergrund und versuche, die anderen herauszufordern und ihnen Druck zu machen. Am Ende müssen wir als Mannschaft weniger Gegentore bekommen, entweder trage ich auf dem Platz selbst dazu bei oder indirekt im Training durch Erhöhung des Konkurrenzkampfs", betont Bell.

"Ich sehe das als Wachstumsschmerzen"

Mit kurzen Unterbrechungen trägt er seit 2007 das Trikot von Mainz 05, einen Spielerstreik hatte er bis vor kurzem aber auch noch nicht erlebt, hinzu kommt der miese Saisonstart mit elf Gegentoren in drei Spielen. "Natürlich haben wir aktuell sportlich eine schlechte Phase, leiden unter ähnlichen Problemen wie in der vergangenen Saison, insbesondere was die defensive Stabilität angeht. Dazu kommt die Unruhe im Verein, die zunächst für viele nicht förderlich zu sein scheint. Aber ich denke die Ereignisse haben Prozesse angestoßen, die vielleicht schmerzhaft sind, aber wichtig. Ich sehe das als Wachstumsschmerzen - wir haben angefangen, Dinge zu diskutieren, wollen gemeinsam Sachen verändern, das Mainz-05-Gefühl ultimativ wieder erzeugen. Dass wir dies am Anfang einer Bundesligasaison machen dürfen, mag unbequem sein, ist aber im Grunde eine Luxussituation. Wir arbeiten zusammen an einer besseren Zukunft und fangen nicht erst an, Themen aufzuarbeiten, wenn schon ein Abstieg passiert ist", erklärt der Ex-Kapitän.

Michael Ebert