Bundesliga

TSG Hoffenheim: Ishak Belfodil nähert sich der alten Klasse

Erster Treffer nach fast eineinhalb Jahren

Belfodil nähert sich der alten Klasse

Arbeitet sich zurück: Ishak Belfodil.

Arbeitet sich zurück: Ishak Belfodil. imago images

Als hätte er es geahnt. Bereits auf der Pressekonferenz vor der Partie in Gent prognostizierte Sebastian Hoeneß vieles von dem, was Stürmer Belfodil wenig später auf dem Platz bestätigen sollte. "Für den Stand, auf dem er sein kann nach einem Jahr Pause, fehlt nicht viel. Dafür finde ich ihn schon auf einem guten Level. Darüber bin ich schon glücklich", versicherte Hoffenheims Trainer und fügte hinzu: "Klar holt man sich Selbstbewusstsein über gute Leistungen und Tore. Da hofft er sicher selber auch, dass das frühzeitig kommt, aber er macht auf mich nicht den Eindruck, als wäre er nicht selbstbewusst."

Ist er. Das Selbstvertrauen hat nicht gelitten in der langen Zwangspause. Wie selbstverständlich schnappte sich Belfodil den Ball, als es in Gent darum ging, Verantwortung zu übernehmen und zum richtungsweisenden Elfmeter anzutreten. Andrej Kramaric als erster Anwärter war ja nicht da. Dass so ein nur vermeintlich einfacher Versuch vom Punkt schnell auch nach hinten losgehen kann, hatte der Franco-Algerier kurz zuvor auf der Gegenseite erlebt, als Oliver Baumann Yaremchuks Strafstoß abwehrte. Doch Belfodil bewies Nervenstärke und verwandelte souverän. Und genoss sichtlich dieses lange vermisste Gefühl und die Anerkennung der Kollegen.

Verletzung und Vorwürfe

Grundsätzlich hilft Stürmern nichts mehr als Erfolgserlebnisse. Erst recht, wenn das letzte eineinhalb Jahre zurückliegt. Am 18. Mai 2019 hatte Belfodil sein letztes Tor für die TSG geschossen. Das 1:0 in Mainz, damals sein 16. Saisontor, das zwölfte allein in der bärenstarken Rückrunde, seiner bislang besten Phase in Hoffenheim und vermutlich auch in seiner Karriere. 20 Minuten später musste Belfodil damals nach einer Attacke des Mainzers Niakhaté vorzeitig vom Platz. Mit einer Kreuzbandverletzung, um deren Diagnose, Behandlung und Schwere in den folgenden Monaten heftigste Dispute folgten. Als der 28-Jährige im Oktober doch noch operiert werden musste, warf er der medizinischen Abteilung Fehldiagnosen und -behandlungen vor, das Tischtuch schien unwiderruflich zerschnitten. Belfodil absolvierte seine Reha im fernen Paris.

Unter Hoeneß geht es bergauf

Ob die Zeit alle Wunden geheilt hat, bleibt ungewiss. Sicher ist jedenfalls, dass sich der einst neben Kramaric gefährlichste Hoffenheimer Angreifer unter dem neuen Trainer Sebastian Hoeneß im Sommer wieder eingegliedert hat und sich nun an das alte Leistungsniveau herantastet. Noch immer fehlt ihm das letzte Quäntchen Spritzigkeit und Genauigkeit im Spiel. Was nicht verwundern kann nach dieser langen Spielpause. Aber in Gent hat Belfodil nicht nur einen Elfmeter verwandelt. Man sah ihn auch wieder mit viel mehr Power und Sicherheit im Eins-gegen-eins zocken, mit dem typischen Zug zum Tor. Mit etwas Fortune hätte bei zwei weiteren Chancen nach einer guten Stunde auch aus dem Spiel heraus wieder getroffen. Nur eine Frage der Zeit. Auch nach 73 Minuten hatte er noch die Kraft, Gacinovics Treffer zum 3:0 vorzubereiten, ehe ihn Hoeneß nach 77 Minuten auswechselte. Nach einem weiteren großen Schritt zurück zur Normalität und zurück zur alten Klasse.

Michael Pfeifer