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"Bekloppt und bescheuert" - der Wechsel-Wahnsinn

kicker.tv - Der Talk: Folge 32

"Bekloppt und bescheuert" - der Wechsel-Wahnsinn

Die Runde in Folge 32: Benni Hofmann, Klaus Schlappner, Markus Schupp und Falko Götz.

Die Runde in Folge 32: Benni Hofmann, Klaus Schlappner, Markus Schupp und Falko Götz. kicker

Schupp: "Winterverpflichtungen - das Fehlerausmerzen des Sommers"

Am morgigen Dienstag schließt um 18 Uhr das Winter-Transferfenster in der Bundesliga . Bei vielen Experten ist die Januar-Wechselperiode umstritten. "Im Grunde sind Winterverpflichtungen das Fehlerausmerzen des Sommers", meint Markus Schupp. "Spieler im Winter müssen gut gescoutet werden, um auch die Mentalität zu haben, im Klub zu funktionieren." Als gutes Beispiel dafür nannte Schupp Guido Burgstaller, der von Nürnberg nach Schalke wechselte. "Das will man auf Schalke sehen", ist der 51-Jährige, der mit Kaiserslautern und Bayern München deutscher Meister war, überzeugt, immerhin gilt Burgstaller als aufrichtiger Arbeiter und leidenschaftlicher Kämpfer.

Götz: Draxler wird schlecht beraten

Zu den Namen, die in diesem Winter eher kritisch gesehen wurden , zählt Julian Draxler, der nach langatmigem Wechseltheater von Wolfsburg nach Paris transferiert wurde. "Schlecht spielen, schlecht trainieren, dummes Zeug reden - das ist ungehörig und deprimierend", kommentierte Klaus Schlappner den Fall Draxler. "Ich habe den Burschen gemocht, dann verändert er sich um 180 Grad. Das ist schade." Auch Falko Götz hat das Verhalten des Nationalspielers überrascht: "Mitten in einer Entwicklung will er weg. Er sollte sein Umfeld hinterfragen, ob er gut beraten ist. Meiner Meinung nach geht es bei ihm bislang nur ums Geld." Hier haben auch Spielerberater immer einen gewissen Einfluss, glaubt Schupp zu wissen: "So ein Transfer wird von Beratern vorangetrieben. Verdirbt das den Charakter des Spielers? Es verändert ihn auf jeden Fall."

Hofmann: "Jungwirth wurde öffentlich hingerichtet"

Darmstadts Florian Jungwirth zog sich aufgrund seiner geäußerten Wechselwünsche den Unmut seines Trainers zu . "Ich möchte eine Lanze für Florian Jungwirth brechen, der sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hat", meint kicker-Reporter Benni Hofmann, der die Trainer-Schelte von Torsten Frings "kontraproduktiv und nicht fair" fand. "So etwas trage ich intern aus, Jungwirth wurde öffentlich hingerichtet!" Götz beleuchtete den Fall aus Klubsicht: "Klar ist, die Spieler haben Verträge, zu denen sie stehen müssen, wenn der Verein es verlangt. Der Verein hat jedes Recht, dem Spieler zu sagen, dass er anständig trainieren soll." Schlappner stellte auch hier die Charakterfrage: "Weihnachtswünsche raushauen, statt sich den Hintern aufzureißen? Er hat einen Vertrag und sollte sich für Darmstadt 98 bewähren."

Leipzigs Farm-Team-System

Klaus Schlappner

Trainer-Legende, China-Experte und launiger Gesprächsgast: Klaus Schlappner. kicker

Als Verein sorgt einmal mehr RB Leipzig für Gesprächsstoff. Immerhin hat der Aufsteiger die Möglichkeit, sich beim Schwester-Team RB Salzburg zu bedienen und Spieler nach Belieben hin und her zu schicken. "Für mich ist das eine sehr sinnvolle und gute Entscheidung, sich strategisch so gut aufzustellen. In naher Zukunft werden wir das noch öfter erleben", ist sich Schupp sicher. In der kompletten RB-Familie, zu der unter anderem auch ein Team in New York und eins in Brasilien gehören, entstehen somit Synergien. "Die Spieler haben die gleiche Philosophie und werden so ausgebildet, wie ich es mir in Leipzig wünsche. Das bedeutet eine kurze Eingewöhnungszeit", hat Hofmann erkannt. Leipzig transferiert aber nicht nur gestandene Spieler, sondern setzt hier schon im Nachwuchsbereich an. "So schön das ist, was RB Leipzig da macht, bringt es auch immer wieder Konflikte", sagt Götz, "sie holen sie die jungen Spieler, die sie haben wollen, wildern auf dem deutschen Markt, wie sie wollen."

China: Viel Geld für eine große Entwicklung?

Als große Einkäufer-Nation hat sich zuletzt nicht nur England, sondern auch China hervorgetan. Für horrende Ablösesummen und astronomische Gehälter wechseln namhafte Spieler nach Fernost. "Die Summen sind nicht nachvollziehbar. Der chinesische Fußball möchte sich entwickeln. Im Augenblick kaufen sie auch Infrastruktur und investieren in den Nachwuchs, um das große menschliche Potenzial in den Leistungssport zu führen. Vor allem wollen sie Know-how", schätzt Götz die Lage ein, findet aber auch, dass "kein absoluter Weltklassespieler" transferiert wurde. Das sieht auch Schupp so: "Die Spieler die dahin gehen, haben ihre Karriere beendet."

Das ist wie, wenn ich Helene Fischer und Xavier Naidoo nach China schicke und plötzlich können dort alle singen.

Trainer-Legende und China-Experte Klaus Schlappner

"Das ist bekloppt und bescheuert, was da passiert", sagt sogar China-Experte Schlappner, der zwar auf eine langfristige Entwicklung des chinesischen Fußballs glaubt, nicht aber an sofortige Effekte. "Das ist wie, wenn ich Helene Fischer und Xavier Naidoo nach China schicke und plötzlich können dort alle singen", zieht Schlappner einen launigen und zugleich musikalischen Vergleich.

cru

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