2. Bundesliga

Beinahe Derbyheld: Nürnbergs Shuranov mit gemischten Gefühlen

Club zeigt Reaktion im Derby, muss sich am Ende aber ärgern

Beinahe Derbyheld: Nürnbergs Shuranov mit gemischten Gefühlen

"Diesen Tag werde ich nicht vergessen": Nürnbergs Erik Shuranov erzielte sein erstes Profi-Tor im Derby.

"Diesen Tag werde ich nicht vergessen": Nürnbergs Erik Shuranov erzielte sein erstes Profi-Tor im Derby. imago images

Für den 1. FC Nürnberg war das 2:2 im Derby in Fürth ein Nachmittag der großen Gefühle. Das zeigte sich bereits direkt nach dem Anpfiff: Trainer Robert Klauß hielt die Außenmikrophone auf Anschlag, denn er peitschte seine Mannschaft immer wieder lautstark in aggressive Pressingmomente. Diese fruchteten über das gesamte Spiel immer wieder, erschwerten den gegnerischen Spielaufbau und sorgten auch für den einen oder anderen Ballgewinn.

Trotz der schrillen Schreie von Klauß aber geriet der Club früh in Rückstand, weil er die Deckungsarbeit im eigenen Strafraum vernachlässigte: Havard Nielsen köpfte aus fünf Metern ein (8.). Das aber schüttelte der FCN schnell aus den Klamotten, setzte selbst immer wieder Akzente und erarbeitete sich über 90 Minuten ein klares Plus an Torschüssen (21:10) und auch an klaren Chancen.

1. FC Nürnberg - Vereinsdaten
1. FC Nürnberg

Gründungsdatum

04.05.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Trainersteckbrief Klauß
Klauß

Klauß Robert

Spielersteckbrief Valentini
Valentini

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Shuranov macht Lust auf mehr

Erik Shuranov

Die pure Freude: Nürnbergs Erik Shuranov nach seinem Derby-Tor. imago images

Hierfür war insbesondere Erik Shuranov verantwortlich. Das 19-jährige Eigengewächs gab sein Startelf-Debüt und war im Sturm eine erfrischende Kraft. Das zeigte sich zunächst in der 28. Spielminute, als der Ukrainer freistehend aus sechs Metern zu zentral aufs Tor köpfte. Doch auch danach (48., 66.) hatte der eigentliche A-Junioren-Angreifer gute Möglichkeiten. "Das hat mich am Anfang schon ein bisschen geärgert, aber die Jungs haben gesagt: 'Mach weiter, du wirst noch dein Tor machen.' Ich habe daran geglaubt, das Team stand hinter mir, deshalb konnte ich es mit dem Tor zurückzahlen", sagte Shuranov bei "Sky".

Es gibt nichts geileres, als im Derby ein Tor zu schießen.

Erik Shuranov

Doch der Reihe nach: Zunächst zog Erico Valentini nach Klasse Spielverlagerung von Mats Möller Daehli vom rechten Strafraumeck ab. Das Geschoss des FCN-Kapitäns wurde von Gegenspieler David Raum unhaltbar abgefälscht und schlug im linken Winkel ein. Wenig später hatte Shuranov dann seinen Moment: Nach Zuckerpass von Fabian Nürnberger in die Tiefe fackelte der Teenager nicht lange und stellte auf 2:1. "Es ist auf jeden Fall etwas Besonders. Ich bin schon seit elf Jahren im Verein und es gibt nichts geileres, als im Derby ein Tor zu schießen. Es ist auf jeden Fall ein Tag, den ich nicht vergessen werde. Es ist viel passiert, viele Emotionen. Schade, dass wir das Ding am Ende nicht geholt haben."

Klauß: "Scheiße!"

Spielbericht

Grund dafür war ein spätes Tor der Spielvereinigung in der Nachspielzeit, als die Deckungsarbeit einmal mehr nicht passte: Luca Itter flankte von links, in der Mitte hatte das Kleeblatt Überzahl im Strafraum, Dickson Abiama köpfte zum 2:2 ein. "Scheiße!", äußerte Klauß seinen ersten Gedankengang. "Wir waren so nah dran, und dann hat es doch nicht gereicht. Ich war sehr enttäuscht nach dem Abpfiff, das muss ich schon sagen, weil wir so kurz davor waren. Ich glaube, dass wir aufgrund der zweiten Hälfte den Sieg verdient hätten. Jetzt mit ein bisschen Abstand muss ich sagen, dass wir ein tolles Spiel geliefert haben. Es war von beiden Mannschaften ein hochintensives Derby."

Enttäuschung war auch die Emotion, die Torwart Christian Mathenia nach dem Schlusspfiff fühlte. Hinzu kamen Ärger, Wut und Trauer. Der Keeper saß auf dem Rasen, schlug mit den Fäusten erst auf den Boden und hielt sie dann vors Gesicht. Immer wieder kam ihm das F-Wort über die Lippen. "Enttäuschung und Zufriedenheit", hatte auch Beinahe-Derbyheld Shuranov bei sich ausgemacht. Enttäuschung ob der verlorenen zwei Punkte, Zufriedenheit aber aufgrund der Leistung.

Schlechteste Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte

Christian Mathenia

Emotionale Ausbrüche: Bei Nürnbergs Torwart Christian Mathenia überwog nach Spielschluss Wut und Enttäuschung. imago images

Das sah auch Valentini so: "Mit der Leistung heute weiß jeder Spieler, woran er sich messen lassen muss", betonte der Kapitän und verwies auf die Intensität. "Fehler passieren, aber das Engagement, das die Mannschaft heute an den Tag gelegt hat, ist unser Maßstab, das muss er jetzt sein für die letzten Spiele."

Immerhin konnte sich der Club im Abstiegskampf nicht absetzen und steuert auf die schlechteste Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte zu. Im Vorjahr, als die Rettung erst glücklich in der Relegation gelang, hatte der FCN nach 26 Spieltagen ebenfalls 29 Zähler auf dem Punktekonto. Ein Grund für die schwache Saison bleibt der Umgang mit Führungen: Schon 23 Punkte gab Nürnberg in dieser Spielzeit nach einem Vorsprung ab - zwei davon bei der Achterbahnfahrt der Gefühle im packenden Frankenderby.

cru